Deutschlands größte Uni So fern und doch so voll

Größer geht nicht: 88.000 Studenten lernen an der Fernuniversität Hagen, darunter drei Zwölfjährige und ein 93-Jähriger. Die Studentenzahl hat sich in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt. Und die Uni erwartet weiteren Zuwachs.

DPA

Eines haben Ex-Außenminister Guido Westerwelle, die frühere Skirennläuferin Katja Seizinger und Fußball-Manager Oliver Bierhoff gemeinsam: Sie alle haben an der einzigen öffentlich-rechtlichen Fernuniversität in Hagen studiert oder promoviert. 88.000 Studenten zählt die nordrhein-westfälische Fernuni - so viele wie keine andere deutsche Hochschule. Die Studentenzahl hat sich in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt, und die Uni erwartet weiteren Zuwachs.

Darunter: gleich drei zwölfjährige Studenten. Es gibt sogar Schulen in Krefeld und im sauerländischen Kierspe, in denen sich Lehrer speziell um diese Schüler-Studenten kümmern. "Wir hatten schon Schüler, die vor dem Abitur ihren Abschluss geschafft haben. Das Hochschulzeugnis haben wir ihnen dann nach dem Abitur ausgehändigt", sagt Uni-Sprecherin Susanne Bossemeyer.

Neben den regulären Studiengängen wie Jura, Betriebswirtschaft oder Psychologie können Interessenten sich auch im Akademiestudium anmelden. Da können Jung oder Alt - der Älteste ist 93 - querbeet Kurse belegen. Die kann man sich auch für einen späteren Studiengang anrechnen lassen.

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Der durchschnittliche Student ist zwischen 25 und 35 Jahren alt und lernt neben seinem Beruf in einem ordentlichen Studiengang. Die Voraussetzungen: entweder Abitur, Berufsausbildung samt drei Jahren Berufserfahrung oder im Fall Jugendlicher eine Begabtenprüfung. Einen Numerus clausus (NC) gibt es nicht. Weil das Studieren neben der Arbeit absolviert wird, dauert es länger als an einer Präsenz-Hochschule. Der Schnitt liege bei dem eineinhalbfachen Wert, sagt Bossemeyer.

Wer es darauf anlegt, muss sich kaum sehen lassen: Die Anmeldung geht online, wie fast das ganze Studium. Nur in wenigen Seminaren in den Regionalzentren besteht Anwesenheitspflicht. Seminare oder Vorlesungen werden zusätzlich im Netz live oder als Konserve angeboten, live geht es sogar interaktiv. Bei den Prüfungen muss sich der Student allerdings schon auf den Weg in die nächstgelegene Dependance machen. Die Regel lautet: 75 Prozent der Studenten müssen ein großes Regional- oder ein kleineres Studienzentrum in höchstens 75 Kilometer Entfernung erreichen können.

Wer im Ausland studiert, kann schriftliche Prüfungen in der Botschaft oder dem Goethe-Institut ablegen. Mündliche Prüfungen gehen notfalls auch mal per Videokonferenz, dann ist eine Aufsicht dabei. Immerhin studieren 6700 der 88.000 Studenten im Ausland, davon 750 außerhalb Europas. In wenigen Fällen unterhält die Fernuni Studienzentren im Ausland, das entfernteste ist in St. Petersburg.

Gleich kiloweise versendet die Uni Päckchen mit Kursunterlagen. Die meisten Studenten wollen nämlich ihre Studieneinheiten auch auf Papier, aber es geht auch per App auf dem Tablet-PC oder Smartphone. Bücher aus der Präsenzbibliothek in Hagen kann man sich zusätzlich schicken lassen. Und wenn man mit dem Auto anreist, gibt es kaum Parkprobleme: Die Veranstaltungen sind meist abends und an Wochenenden.

Teuer ist das Fernstudium nicht: 12,50 Euro kostet pauschal eine Semesterwochenstunde, inklusive Kursmaterial. Dazu kommen 50 Euro pro Semester Grundgebühr und 11 Euro für die Studentenvertretung. So kommen für Teilzeitstudenten durchschnittlich 160 Euro je Semester zusammen, für Vollzeitstudenten 286 Euro.

Wolfgang Dahlmann/dpa/fln



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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Stefan Hartmann 20.12.2013
1. Anspruch
Der einzige "Nachteil", den ich selbst als betroffener festgestellt habe ist, dass man die Prüfungen nicht aus dem "kalten" schreiben kann. Der Anspruch den die Uni hat ist sehr hoch und ich habe schon ein Studium absolviert. Wenn ich dann bei Bekannten sehe, wie das Niveau z.B. bei der GGS in Heilbronn ist, um dort einen Master zu bekommen und dieses mit den Anforderungen für einen Bachelor in Hagen (llb) vergleiche kommt einem schon das Lachen. Von der GGS würde ich keinen einstellen, von der FernUni Hagen jeden, der abgeschlossen hat.
OliverKönig 20.12.2013
2. Bin einer von denen
nutze hiermit die Gelegenheit, mal darauf aufmerksam zu machen, wie die FernUni Gelder verschwendet, indem sie das komplette Studienprogramm im Format eines dicken Telefonbuchs zweimal jährlich an ALLE Sudenten verschickt, egal ob sie wollen oder nicht, OBWOHL das komplette Programm und alle sonstigen Informationen auch ONLINE sind! Der AStA tut das übrigens auch, die verschicken ebenfalls Printmedien nach Prinzip Gießkanne, auch wenn man gar nicht will. Warum kann man diese sinnlose Papier-, Druck-, und Portoverschwendung nicht endlich mal reduzieren, bitte? Hoffentlich liest das mal jemand, der dort Einfluss hat...
whostalking 20.12.2013
3.
Zitat von Stefan HartmannDer einzige "Nachteil", den ich selbst als betroffener festgestellt habe ist, dass man die Prüfungen nicht aus dem "kalten" schreiben kann. Der Anspruch den die Uni hat ist sehr hoch und ich habe schon ein Studium absolviert. Wenn ich dann bei Bekannten sehe, wie das Niveau z.B. bei der GGS in Heilbronn ist, um dort einen Master zu bekommen und dieses mit den Anforderungen für einen Bachelor in Hagen (llb) vergleiche kommt einem schon das Lachen. Von der GGS würde ich keinen einstellen, von der FernUni Hagen jeden, der abgeschlossen hat.
Das ist ja nun auch nicht verwunderlich, das eine ist ja auch eine Universität und das andere eine Fachhochschule; auch wenn diverse Landespolitier gerne etwas anderes erzählen, und es ja jetzt überall Bachelor/Master heisst.
herbedium 20.12.2013
4. Sauerland
Im Sauerland herrscht halt noch Zucht und Ordnung. Da stehen die Kinder im Bus sogar noch für Oma und Opa auf. Das wirkt bis in die Fern-Uni. Aber etwas anderes ist natürlich, daß sich in Hagen keine orientierungslose Arbeitslose verstecken können.
Sibylle1969 20.12.2013
5. Wer ein Fernstudium neben der Arbeit absolviert,...
...hat ganz schönes Durchhaltungsvermögen bewiesen. Ein Fernstudium ist ja ohnehin schon schwieriger als ein Präsenzstudium, weil einem der Kontakt zu den Mitstudenten fehlt. Und das ganze auch noch neben der Arbeit. Hochachtung, wer das durchzieht.
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