Diplom von Titelmühle CDU-Abgeordneter in Bedrängnis

Ein Berliner CDU-Abgeordneter schmückte seinen Lebenslauf mit einem Titel, der in Deutschland als akademischer Abschluss nicht anerkannt ist. Folge: In seiner Partei ist er jetzt nicht mehr für Wissenschaft und Forschung zuständig - nur noch für Gesundheit.


Der Berliner CDU-Abgeordnete Mario Czaja hat einen umstrittenen Abschnitt über seine Hochschulbildung aus seinem Lebenslauf im Handbuch des Abgeordnetenhauses streichen lassen. Entfernt wurde folgende Passage: "2002/2005 postgraduales Studium Wirtschaftswissenschaften an der Freien Univ. Teufen/St. Gallen, 2005 Abschluss Diplom-Ökonom". Parlamentspräsident Walter Momper (SPD) bestätigte heute die Streichung.

"Zu leicht gemacht": CDU-Abgeordneter Mario Czaja
DDP

"Zu leicht gemacht": CDU-Abgeordneter Mario Czaja

Dem 30-Jährigen Politiker aus dem Wahlbezirk Marzahn-Hellersdorf wird vorgeworfen, falsche Angaben über seine Hochschulbildung gemacht zu haben, weil die Abschlüsse der "Freien Universität Teufen" hierzulande nicht als akademische Titel anerkannt werden. Die Schweizer Bildungseinrichtung gilt vielen Experten als Titelmühle, also als Institution, die gegen Bezahlung nicht anerkannte Diplome ausgibt.

Der Fall Czaja beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft, wie deren Sprecher, Michael Grunwald, heute bestätigte. Es liege eine Anzeige vor, die nun geprüft werde. Der Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen ist ein Straftatbestand, der mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet werden kann.

"Stürmische Jugendjahre"

Gegen Czaja wurde deswegen bereits im Januar ermittelt. Die Staatsanwaltschaft stellte den Vorgang ein, weil er strafrechtlich nicht relevant gewesen sei. Damals habe eine Anzeige vorgelegen, die sich nur auf Czajas im Internet stehende Biografie bezogen habe, sagte Grunwald.

Czaja hatte sich gestern in einer öffentlichen Erklärung bei seinen Fraktionskollegen und Wählern entschuldigt. Er räumte ein, dass er es sich mit seinem Studium - gemessen an den in Deutschland gestellten universitären Ansprüchen - "zu leicht gemacht" habe. Er wolle sich bemühen, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

"In meinen stürmischen Jugendjahren habe ich es versäumt, das Gymnasium mit dem Abitur zu verlassen", schreibt Czaja in der Erklärung. Nach einigen Jahren habe er einen Hochschulabschluss nachholen wollen und sich an der Freien Universität Teufen in der Schweiz eingeschrieben. Er habe von 2002 bis 2005 ein Fernstudium absolviert, das er mit einer "selbstverständlich eigenständig" erarbeiteten Diplomarbeit abgeschlossen habe.

Die CDU-Fraktion kam seinem Wunsch nach, ihn aus dem Ausschuss für Wissenschaft und Forschung abzuziehen, dem er bislang angehörte. Czaja bleibt aber weiterhin gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion und Mandatsträger. Er strebt nun einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss an einer deutschen Hochschule an.

jaf/ddp/dpa



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