Diplomarbeit über Fleisch Einmal gefolterte Pute, bitte

Pferd im Hack, Schimmel im Futtermais: Die industriellen Fleischhersteller produzieren immer wieder Ekelskandale. Diplom-Designer Denis Becker hat Fotos aus Mastbetrieben mit leckeren Kochrezepten garniert. Bei den Fakten zu den Bildern dreht sich einem allerdings der Magen um.

Denis Becker

"Ich bin kein Heiliger, sicher nicht", sagte Kommunikationsdesigner Denis Becker, 36. "Ich versuche zwar, ohne alles Tierische auszukommen, aber so weit bin ich noch nicht." Ganz ohne Milchprodukte gehe es bei ihm bislang nicht, auch auf Leder verzichte er nicht völlig. Aber wie die deutsche Lebensmittelindustrie mit dem Rohstoff Tier umgeht, das passte dem Vegetarier und Absolventen der Fachhochschule Dortmund trotzdem nicht.

Für sein Diplom widmete er sich deshalb der Massentierhaltung. Jeder Deutsche isst schließlich durchschnittlich 60 Kilo Fleisch im Jahr, und diese 4,8 Milliarden Kilo wollen erst einmal produziert oder importiert und geschlachtet sein. Bei solchen Mengen landet immer wieder mal Pferd im Hack, Dioxin im Hühnerfutter, Schimmelmais im Schweinetrog. Dann gibt es einen Lebensmittelskandal, und nach zwei Wochen geht alles weiter wie gehabt.

Kommunikationsdesigner Becker besorgte sich von Tierschützern geschossene Aufnahmen aus deutschen Tiermastbetrieben. Die schockierenden Fotos gestaltete er wie Rezepte in Kochzeitschriften: Neben Bildern von blutenden, gerupften Kreaturen, die oft mit Tausenden Artgenossen leben, stellte er schlanke Rezeptspalten. "Rippchen mit aromatisiertem Reis" und "Roastbeef mit frischem Thymian" können Beckers Leser nachkochen - wenn ihnen angesichts der Bilder und des Kleingedruckten nicht der Appetit vergeht.

In den kurzen Texten fasst Becker einige Fakten zur deutschen Fleischproduktion zusammen. Die Bilder mögen von Tierschützern stammen, die Infos sollen kein Kampagnenmaterial sein, sondern erklären, auf welche Weise viele Lebensmittel in unseren Kühlregalen hergestellt werden. Wohl bekomm's.

cht

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drmedwurst 21.03.2013
1. Anmerkung
Die falschen Bioeier wurden vergessen. Oder zählt das nicht als Skandal?
rolie 21.03.2013
2. Wenn, dann Bio - aber ECHTES Bio!
Bei Fleisch hat man ja die Möglichkeit, auf Bio auszuweichen. Doch darf dies kein Billig-Bio sein, denn dann ist die Lebensqualität der Tiere auch nicht viel anders als in schlimmster konventioneller Haltung. Da sollte schon einer der großen namhaften Bioverbände dahinterstehen, wie Bioland oder Demeter. In deren Richtlinien ist auch die Lebensqualität der Tiere berücksichtigt. Da kann man wenigstens halbwegs guten Gewissens Fleisch essen.
anon_moppi 21.03.2013
3. optional
die meisten wollen halt täglich fleisch auf den tisch anstatt nur einmal die woche, hier ist das ergebniss *applaus*
FleXteXmeX 21.03.2013
4. Sehr gute Idee
Ich finde diese Designidee sehr gut, weil es die direkte Verbindung von Qual und Genuss verdeutlicht die die meisten einfach ignorieren. Das Einzige was bei der Auflistung fehlt ist Milch, weil die Tiere dabei genauso leiden wie bei allen anderen Beispielen. Vielleicht wird der Designer sogar noch vegan. Den Zusammenhang zwischen Hühnerei und der Qual der Hühner hat er ja auch schon gezogen. Es hört sich zwar komisch an, aber die Bilder sind zu dem was wirklich in vielen Mastbetrieben täglich passiert relativ harmlos.
oneworldnow 21.03.2013
5. Man kann bei Personen...
Zitat von sysopDenis BeckerPferd im Hack, Schimmel im Futtermais: Die industriellen Fleischhersteller produzieren immer wieder Ekelskandale. Diplom-Designer Denis Becker hat Fotos aus Mastbetrieben mit leckeren Kochrezepten garniert. Bei den Fakten zu den Bildern dreht sich einem allerdings der Magen um. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/diplomarbeit-ueber-fleisch-zustaende-in-der-massentierhaltung-a-887054.html
...die solche Zustände tolerieren nicht von zivilisierten Menschen sprechen.
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