Direkte Demokratie Eine App für Wutbürger

Wutbürger regen sich oft über Bauvorhaben auf, wie Stuttgart 21 zeigt. Politiker könnten Bürger nun früher mitmachen und abstimmen lassen: Fünf Studenten entwickelten dafür eine Smartphone-App. Bei zwei Wettbewerben wurde die Idee schon ausgezeichnet - jetzt soll sie in den Praxistest.

Protest gegen Bahnhofsumbau: Eine App soll Deutschland demokratischer machen
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Protest gegen Bahnhofsumbau: Eine App soll Deutschland demokratischer machen


Mit diesem elektronischen Hilfsmittel hätten die Verantwortlichen des umstrittenen Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 vielleicht schon früher gemerkt, was da auf sie zukommt. "bePart" heißt die preisgekrönte App für Smartphones, die fünf Studenten vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam (HPI) entwickelt haben.

Das Programm ist eine Art Dauer-Abstimmungskarte für den Wutbürger, dessen Zorn sich bevorzugt an Bauvorhaben entzündet. Mit der Software sollen Interessierte zukünftig Informationen zu Infrastrukturprojekten in ihrer jeweiligen Umgebung anfordern können, diese begutachten und per Handy bewerten. Die angehenden Software-Ingenieure wollten damit Deutschland demokratischer machen, sagt Jonas Gebhardt vom HPI. "Politiker könnten schnell und direkt die Resonanz zu Projekten in der Bevölkerung ermitteln."

Auch eigene Ideen sollen die Nutzer von "bePart" öffentlich machen können. Fehlt in der Umgebung ein Kindergarten? Per Handy ist schnell der Vorschlag für den Bau einer Kita gepostet. Stimmen genügend weitere Nutzer zu, mache das lokale Politiker auf die Wünsche der Bevölkerung aufmerksam. "Ideal ist es doch, wenn die Meinung der Bürger auf diese Weise in den ganzen Entscheidungsprozess einfließt", so Gebhardt. "Nur so können Politiker bei Bauprojekten wirklich auf den Rückhalt in der Bevölkerung zählen."

Anerkennung fand die Idee schon einmal bei den Wettbewerben "Apps4Berlin" und "Open Data Challenge", wo die Potsdamer den ersten Platz belegten. Derzeit suchen die Erfinder noch eine Stadt für das Pilotprojekt. "Am liebsten Berlin", sagt Jonas Gebhardt. Dort redeten viele Bürger gern mit - zum Beispiel über den Ausbau des Flughafens Schönefeld.



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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Schinkenfisch 15.08.2011
1. ...
Ach, ich hätte noch gerne eine App für Bananenmilkshakes und eine für Fensterputzen. Schon erstaunlich, dass man mit einer Online-Umfrage heutzutage noch Preise gewinnen kann.
Questions 15.08.2011
2. Mut
Wutbürger - wenn ich das schon höre. Das Land ist zu einer Bahnananrepublik verkommen, in der offen und gegen besseres Wissen Schund beschlossen und gebaut werden kann. Wir brauchen keine Apps, sondern Maßnahmen, die politische und wirtschaftliche Führungskräfte in persönliche und finanzielle Haftung genommen werden können für die Folgen des Murks, den sie beschliessen. Statt dessen tanzt uns das Gesindel auf der Nase rum.
J4cky 15.08.2011
3. ...
Zitat von QuestionsWutbürger - wenn ich das schon höre. Das Land ist zu einer Bahnananrepublik verkommen, in der offen und gegen besseres Wissen Schund beschlossen und gebaut werden kann. Wir brauchen keine Apps, sondern Maßnahmen, die politische und wirtschaftliche Führungskräfte in persönliche und finanzielle Haftung genommen werden können für die Folgen des Murks, den sie beschliessen. Statt dessen tanzt uns das Gesindel auf der Nase rum.
Immerhin hat er das Gesindel gewählt! In Zukunft kommt die schnelle Abstimmung bestimmt, aber ob es sinnvoll ist ist eine andere Frage. Der Durchschnittsbürger beherrscht wahrscheinlich nicht einmal die Bruchrechnung ordentlich, aber soll über entsprechende Projekte abstimmen? Das kann genauso wenig funktionieren.
titule 15.08.2011
4. .
Zitat von J4ckyImmerhin hat er das Gesindel gewählt! In Zukunft kommt die schnelle Abstimmung bestimmt, aber ob es sinnvoll ist ist eine andere Frage. Der Durchschnittsbürger beherrscht wahrscheinlich nicht einmal die Bruchrechnung ordentlich, aber soll über entsprechende Projekte abstimmen? Das kann genauso wenig funktionieren.
Dümmer als Politiker sind wir aber auch nicht, also was soll's? Der Durchschnittsbürger ohne Bruchrechnungskenntnisse wird jetzt ebenso von den Politikern mit PR gefoppt wie er dann durch PR Meinungsmache dazu gebracht wird, für den "richtigen" Bahnhof zu stimmen. Es wird nur komplizierter dem Wähler die Entscheidung schmackhaft zu machen, von der der Politiker (und die Lobbyisten und und) den größeren Nutzen hat.
MaschinenbauStudent 15.08.2011
5. Richtig
Zitat von J4ckyImmerhin hat er das Gesindel gewählt! In Zukunft kommt die schnelle Abstimmung bestimmt, aber ob es sinnvoll ist ist eine andere Frage. Der Durchschnittsbürger beherrscht wahrscheinlich nicht einmal die Bruchrechnung ordentlich, aber soll über entsprechende Projekte abstimmen? Das kann genauso wenig funktionieren.
Richtig. Demokratie bedeutet: "Leute die nichts zu sagen haben, haben das Recht es trotzdem zu tun." Oder ausführlicher: Es gibt einen Grund warum man Berufe lernt. Ein Ingenieur auch nicht abstimmen wie dick der Träger sein soll. Ein Arzt lässt nicht abstimmen welchen Medikament er verabreicht. Aber es wird gefordert abzustimmen wie viele Gleise ein Bahnhof haben soll, ob ein Kopfbahnhof billiger/effizienter ist, ob Eurobond finanzwirtschaftlich sinnvoll sind... Eigentlich sollte man die Regel einführen, dass nur die Leute mitentscheiden dürfen, die etwas von der Materie verstehen. Da dies nicht umsetzbar ist bleibt nur eine Lösung: Keine Volksentscheidungen! Das Volk soll das Maul halten (da es im Durchschnitt von der Sache keine Ahnung hat) und die Fachleute sollen die Entscheidungen treffen. So funktioniert es in jeder Firma und jede Firma ist effizienter als jeder Staatapparat.
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