Fall Abigail Fisher US-Richter will Schwarze auf schlechtere Unis schicken

Viele US-Hochschulen gewähren Minderheiten bei der Studienzulassung einen Vorteil. Ist das rechtens? Darüber befindet nun das oberste Gericht. Konservative Richter deuteten bereits Kritik an der Förderpraxis an.

Demonstranten vor dem Supreme Court in Washington: Das Verfahren wird mit Spannung verfolgt
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Demonstranten vor dem Supreme Court in Washington: Das Verfahren wird mit Spannung verfolgt


Dürfen Universitäten afroamerikanische Bewerber bei der Studienplatzvergabe bevorzugen? Das Thema sorgt immer wieder für Debatten in den USA, nun verhandelt der oberste Gerichtshof erneut über diese sogenannte positive Diskriminierung.

Abigail Fisher, eine weiße Bewerberin, hatte 2012 geklagt, nachdem sie von der University of Texas abgelehnt wurde. Sie sah sich durch die Regelung benachteiligt.

In der Anhörung am Mittwoch waren die obersten Bundesrichter in Bezug auf positive Diskriminierung geteilter Meinung, berichten US-Medien. Für Empörung unter den Zuhörern der Verhandlung sorgten dabei die Aussagen von Antonin Scalia, der als führender Vertreter der Konservativen auf der Richterbank gilt.

Für viele Afroamerikaner wäre es womöglich sogar vorteilhaft, wenn sie nicht auf die besten Universitäten des Landes gehen, meinte der Richter. An weniger angesehenen Hochschulen könnten viele vielleicht besser mithalten. "Ich halte es nicht für einleuchtend, dass es für die University of Texas gut ist, wenn sie so viele Schwarze wie möglich aufnimmt", zitiert der "Guardian" den Richter.

Scalia war in den Achtzigerjahren vom damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan an den Supreme Court berufen worden. Der konservative Katholik ist ein Verfechter der wortgenauen Auslegung der US-Verfassung. Er sieht die Todesstrafe und den privaten Waffenbesitz als verfassungsmäßige Rechte der US-Bürger an. Abtreibungen, die Homo-Ehe und die Förderung von Minderheiten lehnt er strikt ab.

Demonstranten für und gegen positive Diskriminierung

Die positive Diskriminierung, auch Affirmative Action genannt, geht auf die Bürgerrechtsbewegung der Sechzigerjahre zurück. Damals protestierten afroamerikanische Bürger gegen ihre Benachteiligung in weiten Teilen der Gesellschaft.

Hochschulen in den USA begründen den Vorzug, den sie Schwarzen bei der Studienzulassung gewähren, damit, dass das akademische Leben von mehr Vielfalt insgesamt profitiere. Sie könnten neue Sichtweisen einbringen, die es nicht gäbe, wenn Bewerber allein nach Leistungen ausgewählt würden - positive Diskriminierung führe somit zu besserer Bildung. Der Anwalt der University of Texas warnte, dass der Anteil der Schwarzen rapide sinken würde, sollte der Zulassungsbonus gekippt werden.

John Roberts, der Vorsitzende des obersten Gerichts, zweifelte an diesem Argument. "Welche einzigartige Perspektive bringt ein Student einer Minderheit einem Physikkurs?", fragte er.

Das Verfahren wird in den USA mit Spannung verfolgt, vor dem Gerichtsgebäude hatten sich Demonstranten für und gegen die positive Diskriminierung versammelt. Der konkrete Fall der University of Texas gilt dabei als ebenso kompliziert wie grundsätzlich: Bereits 2013 hatte der Supreme Court das Verfahren zunächst an die Vorinstanz zurückverwiesen, weil bisherige Grundsatzurteile des obersten Gerichts nicht genügend berücksichtigt worden seien.

Strikte Aufnahmequoten, mit denen Universitäten einen Teil der Studienplätze pauschal für Schwarze vorhalten, lehnte der Supreme Court Ende der Siebzigerjahre als nicht verfassungskonform ab. 2003 urteilte das oberste Gericht in einer Grundsatzentscheidung, dass Hochschulen durchaus die ethnische Zugehörigkeit eines Bewerbers als eines von mehreren Zulassungskriterien berücksichtigen dürfen.

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"Affirmative Action": Weiße Texanerin fühlt sich diskriminiert

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ackergold 10.12.2015
1. Satire oder nicht?
Wieso sollte eine weiße Amerikanerin diskriminiert werden, wenn sie nicht zugelassen wird, ein schwarzer Amerikaner aber doch? Der gleiche Richter, der die Zulassung von Schwarzen so vehement ablehnt, befürwortet bekanntlich auch nicht gerade die Zulassung von Frauen. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: wenn die wortgenaue Auslegung der Verfassung also die Förderung von Minderheiten verbietet, dann darf es weder eine Quote für Afroamerikaner, noch eine für Frauen geben. Bekanntlich gehören in den konservativen Kreisen Frauen garantiert nicht an die Universität. Was sollen sie dort?
eiffe 10.12.2015
2.
Zitat von ackergoldWieso sollte eine weiße Amerikanerin diskriminiert werden, wenn sie nicht zugelassen wird, ein schwarzer Amerikaner aber doch? Der gleiche Richter, der die Zulassung von Schwarzen so vehement ablehnt, befürwortet bekanntlich auch nicht gerade die Zulassung von Frauen. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: wenn die wortgenaue Auslegung der Verfassung also die Förderung von Minderheiten verbietet, dann darf es weder eine Quote für Afroamerikaner, noch eine für Frauen geben. Bekanntlich gehören in den konservativen Kreisen Frauen garantiert nicht an die Universität. Was sollen sie dort?
Sie haben es ganz einfach nicht verstanden. Es geht genau nicht um Quoten für Hautfarbe und Geschlecht, sondern darum dass die Zulassung von der Leistung abhängig gemacht werden soll. Alles andere ist nun mal Diskriminierung.
quark2@mailinator.com 10.12.2015
3.
"Positive Diskriminierung", wohin man schaut. Es gehört schon einige Frechheit dazu, unter der Überschrift der Gleichstellung klar Politik gegen eine Hautfarbe bzw. ein Geschlecht zu machen. Das Ausmaß an Unehrlichkeit ist biblisch.
imlattig 10.12.2015
4. hallo ackergold...
es gib eine quote: fuer begueterte studenten aus besseren kreisen. die sind naemlich suf us unis überproportional vertreten.
2wwk 10.12.2015
5. Der Artikel ist falsch
Der Richter hat gesagt, dass ein Schwarzer mit schlechten Noten besser an einer nicht Elite Schule ist wo er nach seinen Noten (nicht Hautfarbe) hingehoert! Er war klar, dass ein Weisser mit diesen schlechten Noten auch NICHT aufgenommen wird1
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