Optionszwang für Zuwanderer-Kinder Wer zögert, verliert den deutschen Pass

Von Hannah König

3. Teil: Merve Gül, 22 - "Ich will beide Staatsbürgerschaften behalten"


Merve Gül

Merve Gül wurde am 8. Januar 1992 in Stuttgart geboren. Ihre Eltern stammen aus der Türkei. Seit vier Semestern studiert sie Rechtswissenschaften in Mannheim, danach möchte sie in Deutschland und in der Türkei arbeiten. Deshalb hat sie einen Beibehaltungsantrag gestellt.

"Ich sehe mich als Brücke zwischen der deutschen und der türkischen Kultur, sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich. Diese Brücke sollte man nicht kaputtmachen. Ich möchte gerne beide Staatsbürgerschaften behalten, weil ich später auch in der Türkei arbeiten will.

Wenn ich meinen türkischen Pass abgebe, kann ich dort keine juristische Tätigkeit mehr ausüben. Andererseits möchte ich aber nicht für immer in der Türkei bleiben, sondern ein- und ausreisen können, wie ich will. Deshalb habe ich den Beibehaltungsantrag gestellt.

Die Behörde hat mir gesagt, dass mein Antrag wahrscheinlich abgelehnt wird, weil man noch nicht weiß, ob ich mein Studium beende und das Staatsexamen schaffe. Vielleicht könne ich dann ja gar nicht juristisch arbeiten. Ich werde also pauschal als Studienabbrecher hingestellt. Sollte mein Antrag mit dieser Begründung abgelehnt werden, werde ich auf jeden Fall klagen.

Die Optionspflicht muss dringend neu geregelt werden. Im Moment gibt es Lücken ohne Ende, die Ämter können willkürlich entscheiden. Wir brauchen klare Aussagen. Am besten wäre es aber, die Optionspflicht komplett abzuschaffen, zum Beispiel durch einen bilateralen Vertrag mit der Türkei. Außerdem brauchen wir viel mehr Aufklärung. Die meisten wissen gar nicht, dass sie beantragen können, beide Staatsbürgerschaften zu behalten."

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