Dozenten-Typen Der Privatdozent

Für eine erfolgreiche akademische Karriere hat der Privatdozent alles getan - und trotzdem erhalten weniger talentierte Rivalen die interessantesten Jobs. Darob kann man an der Uni zum Griesgram werden.

Von Matthias Irle und Christoph Koch


Er hatte die besten Noten im Diplom. Er schrieb die aufwendigste Doktorarbeit. Für seine methodisch perfekte Habilitationsschrift ließ er sich Jahre Zeit. Alles umsonst! Vergebens!

Denn während er sich der reinen Wissenschaft widmete, fuhren seine Kollegen zu internationalen Kongressen. Dort feierten sie und knüpften engmaschige Netzwerke - zusammengehalten durch kleine giftige Indiskretionen. Und dann wurden diese Konkurrenten auf die Lehrstühle befördert, auf die der Privatdozent immer spekulierte.

In einem alten Sakko sitzt er nun, mittlerweile jenseits der 40, nahezu unkündbar, aber ohne Aussicht auf eine Karriere als Professor, in seinem engen Büro. Meist murmelt er von Mobbing und Verschwörung und nimmt seine selbstgewählte Aufseherfunktion wahr: der Stachel im Fleisch der "verlogenen Professorenschaft" zu sein und zu verhindern, dass jemand die Ungerechtigkeiten, die ihm widerfahren sind, vergisst.

DDP
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Missmutig und staubtrocken hält er daher seine Vorlesungen - in der Hoffnung, dass endlich einmal ein Student fragt, warum es ihm eigentlich so schlechtgeht. Wünscht ihm jemand einen schönen Tag, antwortet er "Schön wär's".

Dass er mittlerweile als Freak gilt? Und dass sich seine Stimmung Jahr für Jahr verschlechtert? Gut so! Je größer sein Leid, umso deutlicher der Beweis für die Schwere der Tat der anderen!

So gehst du mit ihm um: Frage ihn vor der Prüfung, ob er als Vorbereitung auch seine Promotionsschrift aus dem Jahr 1988 empfiehlt - schließlich sei sie ja das "eigentliche Grundlagenwerk".




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