Dreimal Klassentreffen Weißt du noch...

Sportskanone, Beautyqueen oder Streber? In der Schule sind die Rollen klar verteilt. Doch mit dem letzten Zeugnis ist die Pausenhof-Hierarchie passé, alle können sich neu erfinden. Spätestens nach zehn Jahren aber wird meist abgerechnet - beim Klassentreffen. Drei Betroffene erzählen.

Von Sophie Lübbert


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Dreimal Klassentreffen: Begegnung mit dem pickeligen Ich von früher
Früher war alles schlimmer. Jeden Morgen galt es, ab 8 Uhr in der Früh in der Schule zu sein, lateinische Vokabeln zu lernen und nebenher den Spickzettel für die Mathearbeit in der vierten Stunde vorzubereiten. Auszuhalten war die Qual nur mit guten Freunden und der Hilfe vom naturwissenschaftlich oder altsprachlich begabten Außenseiter.

Ein Jahrzehnt später wartet statt der harten Schulbank eine hippe Szenekneipe, aber die Qual erinnert stark an damals. Das Klassentreffen steht an. Ein Wiedersehen mit den ehemaligen Mitschülern, das bedeutet auch: Egal, ob man mittlerweile Leichtathletik-Europameister, Rockstar oder Vorstandsvorsitzender von Siemens ist - diese Menschen kennen immer noch den Jugendlichen, der eine Schwäche im Kopfrechnen und sich auf der Abiparty in die Toilette übergeben hat.

Andersherum ist es ein Erlebnis, wenn der arrogante Super-Fußballer von damals mit Bierbauch, dafür aber ohne Bundesliga-Vertrag oder sportliche Ambitionen auftaucht. Wenn alle anderen plötzlich mit verklärtem Gesicht Babyfotos herauskramen und "Karl-Xavier schläft schon eine halbe Stunde pro Nacht" sagen. Wenn man merkt, dass man sich auch nach langer zeitlicher und räumlicher Trennung noch etwas zu sagen hat - oder eben noch immer nicht.

Deshalb kann so ein Treffen wunderbar, enttäuschend oder grauenvoll sein. Oder alles zugleich. Drei Menschen erzählen, warum sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit eingelassen haben - und ob sich das Klassentreffen gelohnt hat.



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insgesamt 87 Beiträge
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signaturen 21.09.2011
1. Abgang 79
Klassentreffen sind doch immer eine Mischung aus Grusel und Comedy.. Die ehemaligen "Obermacker" sind mehrheitlich zu fettbäuchigen Spiessern mutiert und die "scharfen" Mädels zu grauen verbrauchten Heimchen, die mißmutig ihren fettbäuchigen Spiessern hinterherwatscheln. Und die ehemaligen "Loser/innen" geniessen grad das Leben...
zephyroz 21.09.2011
2. ... genau so
Ich bin Abijahrgang Anfang der 70er und damals wollten alle Lehrer oder Ärzte werden, bzw. Lehrerinnen und Arztfrau. So ist es dann auch gekommen. Ich bin nahezu der einzige in der Wirtschaft. Was mich beschäftigt ist, daß die aus dem öffentlichen Dienst ale sehr alt aussehen und die Lehrer alle ziemlich frustriert sind. Ansonsten ist alles bei uns auch so wie bei meinem Vorredner: Die schärfsten Mäuse sind das nicht mehr und der Bierbauch hat sich auch eingestellt.
README.TXT 21.09.2011
3. Alle sehen ziemlich abgefuckt aus
Was mich auf Klassentreffen am meisten schockierte wie schlecht sich Viele gehalten haben. Da kann man live sehen was Alkohol, Rauchen und grillen in der Sonne in jungen Jahren anrichten kann.
peterbruells 21.09.2011
4. Wie ist es in der Realität
Zitat von signaturenKlassentreffen sind doch immer eine Mischung aus Grusel und Comedy.. Die ehemaligen "Obermacker" sind mehrheitlich zu fettbäuchigen Spiessern mutiert und die "scharfen" Mädels zu grauen verbrauchten Heimchen, die mißmutig ihren fettbäuchigen Spiessern hinterherwatscheln. Und die ehemaligen "Loser/innen" geniessen grad das Leben...
Ist das so? Ich habe noch nie das Bedürfnis gehabt, an so etwas teilzunehmen (habe mir den Jahrgang und die Klasse ja nicht ausgesucht). Das obige hört sich so nach den üblichen Komödien und Sitcoms an, ich dachte, die übertreiben immer.
hans.jo 21.09.2011
5. Auf den Kopf getroffen!
Zitat von signaturenKlassentreffen sind doch immer eine Mischung aus Grusel und Comedy.. Die ehemaligen "Obermacker" sind mehrheitlich zu fettbäuchigen Spiessern mutiert und die "scharfen" Mädels zu grauen verbrauchten Heimchen, die mißmutig ihren fettbäuchigen Spiessern hinterherwatscheln. Und die ehemaligen "Loser/innen" geniessen grad das Leben...
Damit haben Sie den Nagel aber mal so richtig auf den Kopf getroffen. Ich bin einer dieser ehemaligen "Loser" und ich lach mich kaputt über das spießbürgerliche Leben der Idioten, die mir in der Schule das Leben zur Hölle gemacht haben. Im Vergleich zu denen stehe ich wesentlich besser da und verdiene wesentlich besser. Langfristig zahlt sich halt doch aus, nicht die Schulzeit mit ner Party zu verwechseln, denn jetzt habe ich noch lange viel mehr vom Leben als diese Leute mit ihren abgenudelten Frauen und schreienden Kindern :-)
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