Dreisprachige Grundschule Good morning, bonjour, guten Morgen

Lesen, Schreiben, Rechnen - das Basisangebot der Grundschule reicht vielen Eltern und Lehrern nicht mehr. Sie fordern Fremdsprachen, so früh wie möglich. In Magdeburg startet Ende August die bundesweit erste dreisprachige Grundschule - und ist schon völlig ausgebucht.


Sprachlicher Dreikampf: Die trilinguale Grundschule ist schon bis 2011 ausgebucht
DDP

Sprachlicher Dreikampf: Die trilinguale Grundschule ist schon bis 2011 ausgebucht

Magdeburg - "Mein Sohn soll später mindestens fünf Sprachen sprechen", sagt Grundschullehrer Kouakou Celestin N'da Konan. Dafür schickt er seinen Sohn schon jetzt in einen Magdeburger Kindergarten, wo die Erzieher mit den Kindern Französisch, Deutsch und Englisch sprechen. In Zukunft soll sein Sohn dann noch Spanisch und Chinesisch lernen. Das schwebt zumindest dem ehrgeizigen Vater vor.

N'da Konan, der seit elf Jahren in Deutschland lebt, wird ab dem 29. August in der bundesweit ersten dreisprachigen Grundschule unterrichten. Den ganzen Tag wird er mit den Kindern nur Französisch sprechen, Ausnahmen sind die Fächer Deutsch und Mathematik. Unter seinen Schülern werden auch einige Kindergartenfreunde seines Sohnes sein. Träger des Kindergartens und der Schule ist die Evangelische Jugendhilfe.

Lernen nach Farben

Die Klassenzimmer in dem grauen Gebäude sind in leuchtenden Farben gestrichen. "Gelb für die Französischklasse und Blau für die Kinder, die zunächst Englisch lernen", sagt Schulleiterin Heike Gruschke. Ende der zweiten Klasse werden die Kinder sich dann die zweite Fremdsprache aneignen. Der ganze Schulalltag ist damit dreisprachig. Einzige Ausnahme sind die Beratungen der Lehrer. "Dienstsprache ist Deutsch", betont die Schulleiterin.

Die Schule beginnt mit zwei Klassen und je 22 Kindern. Zwei Plätze bleiben frei. Sie sind für Gastkinder reserviert, deren Eltern beispielsweise am Fraunhofer Institut in Magdeburg beschäftigt sind. Ein großer Teil der Kinder beginnt in der neuen Schule erst mit dem Sprachenlernen. Doch sechs der Schulanfänger kommen vom trilingualen Kindergarten, den momentan auch N'da Konans Sohn besucht.

Die Eltern dieses Kindergartens seien es gewesen, die sich für eine dreisprachige Schule stark gemacht hätten, erzählt Heike Gruschke. Sie geht davon aus, dass sich die Eltern der Grundschule später auch dafür einsetzen werden, dass eine weiterführende Schule entsteht. Ein Gymnasium werde es aber nicht sein. "Davon gibt es genug", meint Gruschke. "Vielleicht wird es eine Gesamtschule." Die Grundschule werde zunächst bei zwei Klassen pro Jahrgang bleiben. "Wer weiß, vielleicht gibt es später mal eine Spanisch-Klasse und möglicherweise auch eine Russisch-Gruppe."

Voranmeldung schon kurz nach der Geburt

Für die erste Schulwoche steht das Programm schon fest: Die Mädchen und Jungen werden ihr eigenes Einschulungsprogramm einüben. "Es gibt ja keine zweite Klasse, die diesen Part gewöhnlich übernimmt", sagt Gruschke. Dadurch können auch mehrere hochbegabte Kinder, die die Schule besuchen werden, keine Klasse überspringen. Die Kinder sollen dafür individuell gefördert werden.

Die Schulleiterin erinnert sich noch an die schwierige Auswahl der Schüler. Mehr als 140 Bewerbungen waren eingegangen. Einen Rechtsanpruch auf einen Platz gebe es aber nicht. "Manche Menschen wurden richtig böse", beschreibt sie ihre Erfahrungen. Es sei nach bestimmten Kriterien gegangen, betont sie. Die Mädchen und Jungen aus dem Kindergarten hätten wie Kinder mit mehreren Geschwistern Priorität gehabt.

"Das Interesse ist groß", sagt Gruschke. Die Voranmeldungen reichten trotz eines Monatsbeitrages von 120 Euro für Schule und Hortbetreuung bis zum Jahr 2011. "Die Kinder sind wohl gerade erst geboren", fügt sie hinzu. Ein bisschen ist sie von den Vorschusslorbeeren auch irritiert: "Wir haben doch noch gar nicht gearbeitet. Es gibt nur das Konzept auf der Internetseite."

Von Ramona Köhler, ddp

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