Studenten mit Ehrenamt "Das lernt man in keinem Praktikum"

Von wegen nur Partys und Hausarbeiten: Viele junge Erwachsene übernehmen freiwillig Ehrenämter und machen mit Down-Syndrom-Patienten, Pfadfindern und Karotten-Züchtern Erfahrungen, die sich nicht in Credit-Points ausdrücken lassen. Der UniSPIEGEL hat sechs engagierte Studenten begleitet.

Von Feliks Todtmann


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Studenten helfen kostenlos: Wir machen das freiwillig
Gutes tun, anderen helfen, Erfahrungen sammeln und gleichzeitig den eigenen Lebenslauf aufpolieren: Es gibt etliche Gründe für Studenten, sich ehrenamtlich zu engagieren - und viele tun es auch. Doch die Zahl derer, die sich freiwillig einbringen, sinkt.

Laut dem "Dritten Freiwilligensurvey", einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums, engagierten sich 2009 vier von zehn Studenten im Alter zwischen 20 und 24 Jahren ehrenamtlich, zehn Jahre zuvor waren es noch 45 Prozent. Darunter fallen alle freiwillig übernommenen Tätigkeiten, die man unbezahlt oder gegen eine geringfügige Aufwandsentschädigung ausübt. Das sind zwar deutlich mehr Engagierte, als in dieser Altersgruppe insgesamt (34 Prozent), doch die Tendenz ist fallend.

Als einen möglichen Grund für diese Entwicklung führen die Autoren der Studie die Einführung des Bachelor-/Master-Systems an. Dieses sei zu verschult und erfordere zusätzliche berufliche Qualifizierungen von den Studenten, schreiben sie. Diese finden kaum mehr Zeit, sich freiwillig zu engagieren. Wer neben Studium, Arbeit und Praktika noch freie Stunden hat, hat meist keine Lust auf unbezahlten Dienst an der Gesellschaft nach Feierabend.

Ist ehrenamtliches Engagement in Zeiten von Bologna nicht mehr möglich? Die Erfahrungen, die junge Studenten neben ihrem Studium sammeln, lassen sich nicht in Credit-Points ausdrücken. Es sind Erfahrungen, die in keinem Studienverlaufsplan stehen, die aber nicht selten prägend für den Beruf und das spätere Leben sind. Der UNI SPIEGEL hat sechs Hamburger Studenten bei ihrem Ehrenamt getroffen und sich das Besondere ihrer Arbeit erzählen lassen.

Jacqueline Sternheimer und Bright: Einfach nur da sein
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Jacqueline Sternheimer und Bright: Einfach nur da sein

Jacqueline, 21: "Das Gefühl der Ohnmacht macht mich wütend"

Vor dem Altar steht ein Buffet mit belegten Broten und Nudelsalat, gespendet von Anwohnern. Der Kirchenraum ist leergeräumt, an den Wänden liegen Schlafsäcke. Im hinteren Teil der Hamburger St.-Pauli-Kirche sitzen Jacqueline Sternheimer und Bright, 23, aus Ghana und spielen Karten. "Ich möchte ihm und den anderen ein Stück Normalität zurückgeben", sagt Jacqueline.

Seit Monaten leben 80 Männer der sogenannten "Lampedusa-Gruppe" in der Hamburger Kirche. In dem Gotteshaus wird das Versagen der EU-Asylpolitik greifbar - es ist aber auch zu einem Synonym geworden für die Hilfsbereitschaft einer Zivilgesellschaft, die nicht wegsehen will. Viele Hamburger unterstützen die Flüchtlinge mit Essen, Sachspenden oder hören ihnen einfach zu - wie Jacqueline. Aus der Zeitung hatte die Studentin der Politikwissenschaft von den Flüchtlingen in der Kirche erfahren und wollte sich einbringen.

Seit August besucht sie die Flüchtlinge, anfangs sporadisch, später regelmäßig. Mindestens einmal in der Woche schaut sie vorbei. Sie hilft bei der Organisation der Unterkunft, macht Essen, hält Nachtwache oder ist einfach nur da.

"Hätten sie mich hier nicht aufgenommen, säße ich vermutlich im Gefängnis oder wäre tot", sagt Bright, der ursprünglich aus Ghana kommt. Das Asyl in der Kirche habe sein Leben gerettet. Mit Jacqueline verbindet ihn mittlerweile eine Freundschaft. Sie reden viel, unternehmen gemeinsame Ausflüge. Vor kurzem waren sie in Planten und Blomen, einem ehemaligen botanischen Garten in der Hansestadt. "Es ist wichtig, dass die Flüchtlinge nicht nur an ihre Probleme denken müssen - das tun sie schon genug", sagt Jacqueline.

Sie sei nicht enttäuscht von der Politik des Hamburger Senates, der den Flüchtlingen ein Bleiberecht verweigert, sagt Jacqueline. Ihre Erwartungen seien eigentlich nur bestätigt worden: "Doch dieses Gefühl der Ohnmacht, das macht mich einfach nur wütend."

Sonja (l.) und Cornelia: Erwachsen, aber keine reinen Autoritätspersonen
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Sonja (l.) und Cornelia: Erwachsen, aber keine reinen Autoritätspersonen

Sonja und Cornelia, 23: "Das lernt man in keinem Praktikum"

Während sich viele Studenten für eine Feiernacht fertig machen, haben Cornelia Froese und Sonja Schöpff ihr Freitagabend-Outfit schon angelegt: Über ihre khakifarbene Blusen mit den zahlreichen Aufnähern haben sie ihr Erkennungszeichen geknotet: Das "leberwurstfarbene" Halstuch, das sie als Gruppenleiterinnen der Pfadfinder ausweist.

Zehn Kinder und Jugendliche sind heute gekommen, die Kluft tragen nur zwei. Sie sind die erste Gruppe der "Pfadfinderstufe", der 12- bis 15-Jährigen, im Stamm "Santa Lucia". Ihr Stamm ist noch jung, Cornelia und Sonja haben ihn erst vor vier Jahren gegründet.

Seitdem ist der Stamm auf 60 Kinder angewachsen. Sie treffen sich aufgeteilt in den drei Altersstufen jeweils einmal wöchentlich in den Räumen der St.-Ansgar-Kirchengemeinde. Cornelia und Sonja kümmern sich um die Finanzen, leiten die Treffen, organisieren Sommercamps. Letztes Jahr waren sie auf einem Harry-Potter-Camp in Dänemark.

Die Kinder spielen "Saustall", eine Art Stuhltanz ohne Stühle. Sonja erklärt, dass sie in der Schule solche Gruppenspiele niemals mitmachen würden: "Das wäre denen viel zu peinlich." Anschließend sollen sie sich verschiedene Gegenstände aussuchen und ihre Auswahl in Zusammenhang mit dem Motto der Pfadfinder - "Wagt es!" - erklären. Langfristig sollen die Ergebnisse zu einem Projekt führen, das die Jugendlichen spielerisch planen und umsetzen - einen Weihnachtsmarkt etwa oder eine Spendenaktion, könnte sich Cornelia vorstellen.

Die Arbeit im Stamm bringt Cornelia und Sonja nicht nur Spaß: "Ich nehme hier ganz viel für die Ausbildung mit. Zum Beispiel in der Elternarbeit. Das lernt man in keinem Praktikum", sagt Cornelia. "Wenn man vor einer Klasse steht, ist man einfach viel sicherer", sagt Sonja.

Sonja und Cornelia kennen die meisten Stammesmitglieder, haben sie bei ihrer Entwicklung begleitet. Vor kurzem noch Kinder, fragen manche sie heute nach Beziehungstipps. Mit den Jugendlichen entwickeln die Gruppenleiterinnen ein besonderes Vertrauensverhältnis: Ältere zu denen sie aufschauen, aber keine reinen Autoritätspersonen, erklärt Cornelia, "umso älter die Kinder werden, desto mehr wird man vom Leiter der Gruppe zum Begleiter."

Mojgan Khoshmehr: Sie studiert Physiotherapie, gibt ebenso Mathe-Nachhilfe
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Mojgan Khoshmehr: Sie studiert Physiotherapie, gibt ebenso Mathe-Nachhilfe

Mojgan, 23: "Jeder hat das Recht auf einen Abschluss"

Eigentlich sei sie gar nicht schlecht in Mathe, sagt Angelina, doch auf dem letzten Zeugnis habe sie eine Fünf gehabt. Die 15-Jährige besucht die neunte Klasse der Stadtteilschule Mitte im Hamburger Stadtteil Hasselbrook - zum zweiten Mal. Mit dem Ausfall in einem Hauptfach gilt sie als sogenannte Risikoschülerin: Es besteht die Gefahr, dass sie den Hauptschulabschluss nicht schaffen wird.

Damit Angelina nicht zu den fast 50.000 Schülern gehört, die jedes Jahr ohne Abschluss die Schule verlassen, trifft sie sich einmal die Woche mit Mojgan Khoshmehr. Die 23-Jährige studiert Physiotherapie und ist ehrenamtlicher Coach für das Projekt "JEA - Jedem einen Abschluss". Einmal die Woche trifft sie sich mit Angelina und anderen "Risikoschülern" in der Schule, um sie auf die Mathe-Prüfung vorzubereiten.

Die Zahl der Schulabbrecher ist in den letzten Jahren zwar stetig gesunken, 2011 waren es 5,6 Prozent, doch die Jungen und Mädchen ohne Abschlusszeugnisse sehen nach wie vor einer schwierigen Zukunft entgegen: Wer über keinen Schulabschluss verfügt, hat einer Studie der EU-Kommission zufolge geringe Chancen auf einen Arbeitsplatz und neigt statistisch gesehen eher zu Straftaten. Ein Schulabbruch erhöht das Krankheitsrisiko und führt oft zu gesellschaftlicher Stigmatisierung und Ausgrenzung.

"Die Schüler, die zu uns kommen, benötigen eine besondere Aufmerksamkeit", erklärt Mojgan. Es sind Schüler, die oft aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen: Viele haben zerrüttete Familien, sprechen schlecht Deutsch oder haben zahlreiche Schulwechsel hinter sich.

In kleinen Gruppen bereiten die Coaches von "JEA" ihre Schützlinge auf die Prüfungen in Deutsch, Englisch und Mathe vor. Die Studenten übernehmen eine Art Patenschaft für die Jugendlichen: "Wir begleiten die Schüler zwei Jahre lang bis zum Abschluss", sagt Mojgan, das schaffe eine enge Bindung, die sich oft positiv auf die Motivation der Schüler auswirkt. "Gleichzeitig ist das aber auch eine große Verantwortung." Die Schüler bauen eine Bindung zu ihren Coaches auf, deswegen sollen diese das Projekt auch möglichst nicht vorzeitig beenden.

Wer bei "JEA" mitmacht, für den stehen die Chancen gut, am Ende der neunten Klasse seinen Hauptschulabschluss zu schaffen: 80 Prozent der Schüler, die an "JEA" teilnehmen, erreichen dieses Ziel. Mojgans Schützling Angelina ist zuversichtlich: "Wenn ich so weitermache wie bisher, schaffe ich den Abschluss auf jeden Fall."

Sozialökonom Carsten Otto: "Wir sind noch weit entfernt"
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Sozialökonom Carsten Otto: "Wir sind noch weit entfernt"

Carsten, 26: "Bei mir kann Stefan einfach Stefan sein"

Bei ihrem ersten Treffen war Carsten Otto aufgeregt. Stefan* sei ein schwieriger Charakter, wurde ihm gesagt. Autoritäten und Hierarchien zu akzeptieren, falle Stefan nicht leicht. Wenn ihm etwas nicht passt, könne er schnell aufbrausend und auch mal laut werden. Seine Arbeit in einer Behindertenwerkstatt hatte Stefan gerade verloren, weil er im Streit mit Kollegen ausgerastet war. Carsten holte Stefan in seiner Wohngruppe ab, gemeinsam gingen sie ins Schwimmbad.

"Ich wollte etwas für jemanden tun, der nicht so viel Glück gehabt hat wie ich", sagt Carsten. Er fand Stefan, 22, mit dem Down-Syndrom geboren und geistig sehr eingeschränkt. Stefans Mutter, die zentrale Bezugsperson in seinem Leben, starb als er elf war. Der Vater war als Fernfahrer selten zu Hause und mit der Verantwortung für den Sohn überfordert. Seit dem Tod der Mutter lebt Stefan in einer betreuten Wohngruppe mit neun anderen geistig und körperlich Beeinträchtigten aller Altersgruppen. Konflikte mit den Mitbewohnern hat er dort oft.

Carsten Otto kam 2011 zum Studieren nach Hamburg, hatte aber zunächst keinen Studienplatz. Die freie Zeit wollte der 26-Jährige möglichst sinnvoll überbrücken. Als er auf der Freiwilligenbörse eaktivoli.de die Annonce "Freizeitbegleiter für Down-Syndrom-Patienten gesucht" fand, rief er an und traf sich mit Stefan. Seit dem Nachmittag im Schwimmbad sehen sie sich regelmäßig, einmal die Woche seit zwei Jahren. Mal gehen sie ins Kino, mal in die Sauna, oft schwimmen.

"Stefan brauchte Kontakte außerhalb der Wohngruppe", erzählt Carsten. Zu Hause, auf der Arbeit - ständig wollten die Leute etwas von ihm. "Ich bin der Einzige, bei dem er einfach Stefan sein darf, wo er lästern, Luft ablassen kann." Stefan vertraut Carsten, fragt ihn, wenn etwas Wichtiges ansteht. Zum Beispiel, wenn sich Stefan, der in seinem Leben nicht viel selbst entscheiden kann, einen Computer zulegen will.

Für Carsten hat die Zeit mit Stefan vor allem zu einem neuen Blick auf Menschen mit Behinderungen geführt. Ihn stört, dass viele Menschen glaubten, Behinderte seien hilfebedürftig und könnten nicht für sich selbst entscheiden. "Von einem respektvollen, gleichberechtigten Umgang miteinander sind wir noch weit entfernt."

* Name von der Redaktion geändert

Leonarda Ring: "Ein Garten entschleunigt einen auch selbst"
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Leonarda Ring: "Ein Garten entschleunigt einen auch selbst"

Leonarda, 24: "Mehr als Gießen und Unkraut jäten"

Große Freiheit - bevor der Name der Hamburger Partymeile für feierwütige Touristenmeuten stand, genossen hier einst Handwerker das Recht, ihr Gewerbe frei von der Mitgliedschaft in einer Zunft auszuüben. Die Aktivisten vom Gartendeck St. Pauli e.V haben diese Tradition in ihrer eigenen Form bewahrt.

Zwischen Hinterhöfen und einer ehemaligen Fischverarbeitungshalle, am Ende der Großen Freiheit, wachsen hier in orangefarbenen Plastikkisten Kohl, Kartoffeln und Karotten. Es ist ein Idyll mitten in der Stadt, das die Aktivisten geschaffen haben, ein Rückzugsort und eine Stätte des gesellschaftlichen Miteinanders.

"Man wird hier in eine Gruppe integriert, die man so als Studentin gar nicht kennenlernen würde", erzählt Leonarda Ring. Junge Familien mit Kindern, alteingesessene Bewohner von St. Pauli, Zugezogene und Studentinnen wie sie kämen hier zusammen. Die 24-Jährige studiert Chemie und Geografie auf Lehramt und engagiert sich seit zwei Jahren beim Gartendeck.

Urbane Community Gärten wie das Gartendeck, gibt es derzeit viele in deutschen Großstädten. Der Nutzpflanzengarten im Hamburger Kiez wurde im Juni 2011 von einem Dutzend Freiwilliger angelegt. Die Idee dahinter ist die Aneignung des öffentlichen Raums durch die Bürger, das Zusammenbringen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten und nicht zuletzt das Erzeugen nachhaltig angebauter Nahrungsmittel in der eigenen Nachbarschaft.

"In Geographie beschäftigt man sich viel mit urbanen Community-Strukturen und hier bin ich eins zu eins am Strukturwandel beteiligt", sagt Leonarda. Außerdem sei Gärtnern in der Stadt "einfach faszinierend", findet sie. "So ein Garten hat seinen eigenen Rhythmus, das entschleunigt einen auch selbst."

Nach dem Umzug von Tübingen nach Hamburg sei ihr "Wunsch nach Pflanzen" groß gewesen. Zwar kannte sie sich mit Pflanzen kaum aus, aber im Gartendeck passiert viel mehr, als nur Unkraut jäten und gelegentliches Gießen. Die Gärtner treffen sich regelmäßig zum Kochen - natürlich mit Zutaten aus eigenem Anbau. Es werden Yoga-Kurse angeboten, man tauscht sich aus und entwickelt das Projekt weiter: "Wir sind hier sehr frei. Jeder darf kommen und sich einbringen", sagt Leonarda. Große Freiheit eben.

Die Studentin Marie Schäfer hilft bei Krisen: "Ich bewerte nicht, ich stelle Fragen"
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Die Studentin Marie Schäfer hilft bei Krisen: "Ich bewerte nicht, ich stelle Fragen"

Marie, 22: "Ich schreibe wie eine Freundin"

"Ich könnte das niemals jemandem ins Gesicht sagen", ist so ein Satz, den Marie Schäfer*, 22, oft von ihren "Klienten" liest. Ihre Klienten, das sind Jugendliche und junge Erwachsene, die in einer akuten Krise stecken. Sie haben Probleme in der Schule, leiden an Depressionen, haben Essstörungen oder verletzen sich selbst. Viele wissen nicht weiter, möchten sich das Leben nehmen.

Nach Verkehrsunfällen sind Suizide die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren. Etwa alle zwei Tage nimmt sich in Deutschland ein Mensch unter 20 das Leben. Die Gründe für den Einzelnen sind vielfältig, Schwierigkeiten, darüber zu sprechen, haben sie fast alle.

Diesen Jugendlichen bietet das Projekt [U 25], für das Marie ehrenamtlich arbeitet, die Möglichkeit sich per E-Mail beraten zu lassen. Keine Namen, kein Wohnort: Die Mails sind anonymisiert. Von den Jugendlichen weiß Marie nicht mehr, als diese selbst von sich preisgeben. "Wir bieten ein niedrigschwelliges Angebot, das macht es für die Klienten und für mich leichter."

Eines der Prinzipien von [U25] ist die Peer-Beratung: Die Hilfesuchenden sollen von etwa gleich alten Jugendlichen betreut werden. Die Peer-Berater erhalten eine sechsmonatige Ausbildung, die sie auf die Arbeit mit dem Thema Suizid vorbereiten soll.

Von den Jugendlichen, die sich melden, habe viele schon Therapien und stationäre Unterbringungen hinter sich. Es hilft ihnen, ihre Probleme Gleichaltrigen schildern zu können. Marie weiß, dass sie niemanden belehren muss: "Ich bewerte nicht, stelle viele Fragen oder ich schreibe, wie ich mich dabei fühle." Oft stoße sie durch ihre Fragen einen Nachdenkprozess bei den Jugendlichen an.

Freunde sagen Marie oft, dass sie das "nicht könnten". Zu emotional sei das Thema Selbstmord, zu groß die Verantwortung, die sie tragen würde. Sie selbst sieht das gelassen: Ihr Anspruch sei es nicht, Antworten für die Klienten zu haben, sondern einfach da zu sein. Sie freut sich, wenn Klienten ihr "bis morgen" schreiben. "So komisch das klingen mag, aber ich habe Freude an meiner Arbeit", sagt sie.

* Name von der Redaktion geändert

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narzissenfee999 12.11.2013
1. Lebensqualität
Seit meinem Studium bin ich in Ehrenämtern tätig, auch heute noch mit 57. Ich kann dazu nur sagen, dass es, abgesehen von dem was man lernt, große Befriedigung und Lebensqualität bringt, wenn man Benachteiligten etwas Lebensqualität verschaffen kann. Meiner Meinung nach gehört das zu einem erfüllten Leben. Allen die sich dazu entschließen kann ich nur sagen: "Weiter so und bitte nicht aufhören."
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