Eine Woche Internet-Entzug Ich bin dann mal offline

4. Teil: Mittwoch - Versuchung, dein Name sei Web!


Oh, du hinterhältiges Internet, wie hast du mich heute in Versuchung geführt! Zuerst ruft Michael von der Fachschaft an: "Kannst du bitte schnell mal deinen Flyerentwurf per Mail schicken? Wir müssen die jetzt drucken." Sorry, kein Internet, keine Mails. Dann fällt mir ein, dass ich eine Seminaraufgabe bis morgen noch nicht komplett erledigt habe: "Recherchieren Sie Daten zu Heinrich dem Seefahrer."

Solche Aufgaben gibt es in diesem Seminar immer. Wir klicken uns schnell durchs Netz und lesen einander jeden Donnerstag Wikipedia-Wissen vor. Die historischen Persönlichkeiten werden regelmäßig zu dem zurechtgestutzt, was das Online-Lexikon über sie weiß.

Wieder versuche ich mein Glück in der Bibliothek. Es gibt eine Lehrbuchsammlung, es gibt Geschichtsbereiche. Ich greife mir Überblickswerke und notiere die ersten Fakten zum Seefahrer-Heinrich. Dann versuche ich die Freizeitabteilung, dort gibt es auch eine Sparte für Biografien. Tom Cruise, John Lennon, Hitlers Klavierspieler und dann Heinrich, aber der Achte.

Genervt bettele ich bei der Information um Hilfe: Wie finde ich bloß in mehr als drei Millionen Titeln ein bestimmtes Buch, ohne im Online-Netzwerk der Bibliothek nachzuschauen?

Die Frau am Schalter schaut erst pikiert, dann amüsiert. Sie deutet auf einen Schrank mit Karteikärtchen. Dieser Schrank steht direkt im Foyer der Bibliothek, umringt von gut 50 Computern. Er war mir noch nie aufgefallen. Während ich die teils antiken handschriftlichen Kärtchen durchgehe, hallt um mich herum das Tastaturengeklapper. Fast jeder Rechner ist besetzt. Am Karteischrank stehe ich ganz alleine.



Forum - Leben ohne Netz - könnten Sie's?
insgesamt 238 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DJ Doena 14.07.2008
1.
Drei Wochen Urlaub am Strand, mit ein paar Büchern? Kein Problem, da brauche ich kein Netz. Aber so, im täglichen Leben, da wollte ich es nicht missen wollen. Für meinen Beruf ist das Netz unwahrscheinlich wichtig (ich bin Software-Entwickler). Privat? natürlich könnte ich drauf verzichten. Es wäre auch völig hinreichend, wenn ich in meiner Wohnung fließend Kaltwasser hätte und ne Matraze zum drauf schlafen. Ich würde überleben. Aber zu meinem Lebenskomfort gehört der tägliche Ausstausch im Netz seit über 13 Jahren jetzt einfach dazu.
Bernd3XL, 14.07.2008
2. Undenkbar!
Zitat von sysopDas Internet ist für viele Menschen längst unverzichtbar geworden, ob in Beruf oder Freizeit. Manche versuchen dennoch ein "Leben ohne Netz". Könnten Sie das auch? Wie wichtig ist Ihnen das Internet?
Eine der wenigen sozialen Kontakte, die ich habe. Außerdem müßte ich ca. 40km mit dem Taxi fahren, um meine Bank zu erreichen.
mr.gamer 14.07.2008
3.
Das World Wide Web ist das wichtigste Kommunikationsmittel, das ich nutze, abgesehen vom Telefon. Fernsehen und Radio habe ich schon lange nicht mehr und Zeitungen lese ich auch keine. Aber privat könnte ich auch ohne Internet leben, dann würde ich mehr Bücher lesen, und mehr fortgehen.
fernsehkind 14.07.2008
4. wenn ich müsste, könnte ich vielleicht
Der Morgenkaffee, mit dem Auto zur Arbeit, das Schnitzel in der Pfanne, das fliessende (Warm)Wasser, das Licht im Kühlschrank, das Internet (im Handy), und so weiter und so fort... - es würde wohl den Meisten schwer fallen auf Güter und Errungenschaften unserer Gesellschaft zu verzichten, wenn man sie erstmal kennengelernt hat. Insofern könnte ich wohl, wenn ich nicht anders könnte, aber zum Glück, ich kann und muss nicht....
Michael Giertz, 14.07.2008
5.
Zitat von sysopDas Internet ist für viele Menschen längst unverzichtbar geworden, ob in Beruf oder Freizeit. Manche versuchen dennoch ein "Leben ohne Netz". Könnten Sie das auch? Wie wichtig ist Ihnen das Internet?
Ich gebs unumwunden zu: Nein. Das Internet ist meine primäre Informations- und Unterhaltungsquelle, wenn es um Multimediales geht. Ich brauch keine gedruckte Zeitung! Alles, was ich wissen will, krieg ich fast schon live im Internet, während ich am nächsten Tag gelangweilt die Tageszeitung am Kiosk durchblättere und dort Nachrichten finde, die vom Vortag sind. Déjà vu pur! Klar, das WWW kann ich auch mal einen oder zwei Tage ignorieren. Aber wer schaltet bitteschön ein, zwei Tage den Fernseher oder das Radio ab und kuckt nicht in die Zeitung? Selbst im Urlaub tut das niemand. Somit ist tägliches Surfen im Internet also nicht zwangsläufig ein Suchtproblem. Wenn man dagegen den ganzen Tag nix anderes mehr macht, sollte zumindest mal drüber nachgedacht werden, ob es nicht doch eine Sucht ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.