Uni-Kurse zu einvernehmlichem Sex Nein heißt nein

Sollten Studenten Kurse zu "einvernehmlichem Sex" besuchen müssen? Großbritannien diskutiert darüber, seit Cambridge die Einführung solcher Seminare erwägt. Denn viele Frauen erleiden auf dem Campus Übergriffe.

Paar (Archiv): Du willst es doch auch, sagt er. Du kannst mich mal, denkt sie.
Corbis

Paar (Archiv): Du willst es doch auch, sagt er. Du kannst mich mal, denkt sie.


Ein erregter Mann braucht einfach Sex, da kann er nichts gegen tun. Frauen beschuldigen Männer häufig, sexuell übergriffig geworden zu sein, obwohl es nicht stimmt. Wenn eine Frau sich küssen und streicheln lässt, will sie auch Geschlechtsverkehr haben.

All das ist Quatsch, gefährlicher, weil weit verbreiteter Quatsch.

Solche Mythen würde Lauren Steele gerne aus der Welt schaffen, sie ist Frauenbeauftragte an der Universität von Cambridge und hat einen Kurs für Studenten entwickelt, der dabei helfen soll. Das berichtete die BBC schon vor einigen Wochen. Mittlerweile ist daraus eine Debatte geworden. So fragt der "Guardian" jetzt: "Brauchen Studenten Kurse zu einvernehmlichem Sex?"

Die Zeitung hat Zahlen und Studien zu sexuellen Übergriffen an Unis ausgewertet und mit zahlreichen Studentinnen gesprochen. Einer zitierten Untersuchung zufolge sind von 2100 Befragten an der Elite-Uni Cambridge rund die Hälfte während ihrer Studienzeit begrapscht oder bedrängt worden. Mehr als 140 hätten sich gegen "ernsthafte sexuelle Übergriffe" und Nötigungen wehren müssen. Die Zeitung zitiert eine 19-jährige Studentin, die erzählt, dass so gut wie jede Frau, die sie kenne, Erfahrungen mit nicht einvernehmlichen Kontakten gemacht habe.

Dem "Guardian" zufolge wird nun diskutiert, ob Pflichtkurse helfen könnten, die Zahl der Übergriffe zu reduzieren. Lauren Steele sagte der Zeitung, es gebe ein Umfeld, das signalisiere: Die Grenzen sind fließend. Sie spricht von "rape culture", einer "Vergewaltigungskultur" - einer Umgebung, in der Übergriffe üblich sind und sexuelle Gewalt gegen Frauen heruntergespielt wird. "Ein Workshop, bei dem die Leute mitmachen, ist eine gute Art, das Problem anzugehen, besser als eine moralisierende Kampagne."

Aber setzen Uni-Kurse nicht zu spät an? Eine Medizinstudentin aus Leicester sagte dem "Guardian", schon in der Schule müssten solche Themen offensiv angesprochen werden.

In Deutschland wurden sexuelle Übergriffe im vergangenen Jahr breit diskutiert, als unter dem Hashtag #Aufschrei unzählige Frauen von Sprüchen, Anmachen, Angriffen berichteten und eine Debatte über Sexismus im Alltag anstießen. Die Protestaktion gewann den Grimme-Online-Preis.

otr

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