Elite-Debatte FDP-Vorstand will mehr Akademiker-Babys

In der Debatte um sinkende Geburtenraten schlägt das FDP-Vorstandsmitglied Daniel Bahr ungewöhnlich offen elitäre Töne an: "In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder", sagt er und erklärt damit auch schlechte Pisa-Ergebnisse. Mit einem Förderprogramm will der Jungpolitiker den Zeugungseifer von Akademikern anregen.


Neugeborene in Cottbus: Manche Kinder sozial vorteilhafter als andere?
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Neugeborene in Cottbus: Manche Kinder sozial vorteilhafter als andere?

Berlin - Deutschland gebe viel Geld aus, um sozial schwachen Familien zu helfen, sagte Bahr der "Bild am Sonntag". Die Politik versage aber dabei, Akademikerinnen bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches zu unterstützen. Eine steigende Geburtenrate allein helfe nicht weiter.

Bahr wird mit den Worten zitiert: "Es ist falsch, dass in diesem Land nur die sozial schwachen die Kinder kriegen." Das führe zu Folgeproblemen. So hänge laut Pisa-Studie in Deutschland der Lernerfolg eines Kindes stark vom Bildungsniveau der Eltern ab. Wenn Hochschulabsolventinnen künftig mehr Kinder bekämen, stünde Deutschland auch bei der Pisa-Studie besser da.

Bahr: Haushaltshilfen für Wohlhabende fördern

Jungpolitiker Bahr: Volkswirt, Single, kinderlos
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Jungpolitiker Bahr: Volkswirt, Single, kinderlos

Der FDP-Politiker verwies auf Studien, nach denen sich rund 80 Prozent der deutschen Studentinnen mindestens ein Kind wünschen. Dennoch seien 44 Prozent der Akademikerinnen zwischen 35 und 39 Jahren in Westdeutschland kinderlos.

Um Anreize für Akademikerinnen zu schaffen, solle sich die Steuerpolitik künftig an der Familie ausrichten, forderte Bahr. "Die Steuerklasse V muss abgeschafft werden, damit berufstätige Ehefrauen wirklich Geld auf dem Konto haben" sagte er. Statt des Ehegattensplittings solle es ein Familienrealsplitting geben. Damit würden alle entlastet, die Kinder haben - auch Alleinerziehende.

Darüber hinaus verlangte Bahr, die Kosten für Haushaltshilfen in Deutschland sollten bis 12.000 Euro im Jahr abgesetzt werden können. In Frankreich sei dies bereits so. "Dort gibt es auch viel mehr Kinder von Frauen mit Hochschulabschluss", sagte Bahr. Außerdem sollten Frauen in Deutschland früher nach der Geburt wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Die deutsche Frist von fünf Jahren sei viel zu lang.



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