Elite-Uni erwägt Stellenabbau Exzellenter Sparzwang

Die Uni Köln hat einen Exzellenzstatus, erwartet also Millionen Fördergelder für ihre Spitzenforschung. Trotzdem hat sie sich einen Sparkurs verordnet, der auf harsche Kritik stößt. Was ist da los?

Studierende in einem Hörsaal der Universität in Köln
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Studierende in einem Hörsaal der Universität in Köln

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Überfüllte Hörsäle, zu wenig Dozenten - an Deutschlands Universitäten fehlt dringend Geld für die Lehre, und wenn es dann eine Finanzspritze gibt, geht sie in die Forschung. So lautet im Kern die Kritik an der Exzellenzstrategie - dem milliardenschweren Programm von Bund und Ländern zur Förderung von Spitzenforschung in Deutschland. Die Universität Köln ist ein Beispiel für dieses Dilemma.

Die Hochschule gilt als Elite-Uni. Sie erwartet mit vier sogenannten Exzellenzclustern ab Januar 2019 einen üppigen Geldsegen für ausgewählte Forschungsgebiete - und muss trotzdem sparen. Das Haushaltsdefizit belaufe sich auf rund 17 Millionen Euro pro Jahr, sagt Pressesprecher Patrick Honecker dem SPIEGEL. "Das ist die Summe, die wir derzeit pro Jahr mehr ausgeben, als wir über den Landeshaushalt bekommen." Allein 11 Millionen Euro davon entfielen auf Bewirtschaftungskosten wie Mieten und Strom.

Sparen, Stellen streichen

Die Universität hat deshalb in diesem Jahr bereits 17 Millionen Euro eingespart. Künftig soll eine ähnliche Summe eingespart werden. Potenzial dafür sieht man unter anderem bei den Personalkosten, wie Honecker sagt.

Im Klartext: es sollen Stellen wegfallen. Wer an der Uni befristet beschäftigt ist, dessen Vertrag wird unter Umständen nicht verlängert, sondern läuft aus. Wie viele und welche Stellen genau betroffen sein werden, ist den Angaben zufolge noch unklar. Es sollen auch Ausgaben für angemietete Gebäude reduziert werden. Der Sparkurs betreffe alle Fakultäten.

Gleichzeitig bekommt die Uni im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern Gelder in Millionenhöhe für die Spitzenforschung. An der Hochschule wurden vier sogenannte Exzellenzcluster, also bestimmte Forschungsbereiche, zur Förderung ausgewählt. Die Mittel dürfen nicht anderweitig ausgegeben werden. Wie hoch genau die Finanzspritze für die Kölner Uni sein wird, steht nach Honeckers Angaben noch nicht genau fest.

Mitte September hatte die "Exzellenzkommission" - sie besteht aus Wissenschaftsrat, Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie der Wissenschaftsminister aus Bund und Ländern - entschieden, dass 34 Hochschulen für 57 besonders überzeugende Forschungscluster Geld erhalten sollen. Gesamtsumme: 2,7 Milliarden Euro für sieben Jahre. Die Exzellenzcluster sollen den Unis helfen, sich international sichtbar als konkurrenzfähige Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen zu etablieren. Von Studierenden wird das allerdings oft kritisch gesehen- auch in Köln.

"Das ist schlicht zynisch"

"Exzellent in der Forschung und amateurhaft in der Lehre - das ist schlicht zynisch", sagt Theodor Jost, der Erste Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität zu Köln (AStA). Er fordert das Rektorat auf, die Kürzungspläne zu stoppen. "Die Sparpläne treffen alle, insbesondere die Fächer ohne vermeintlichen Exzellenzstatus. Zahlreiche Lehrstellen werden wegbrechen - ohne einen Plan, wie das im Alltag aufgefangen werden soll."

Einige Fächer seien bereits geschlossen worden. "So darf es nicht weitergehen", sagt Jost. Es könne nicht sein, dass das Geld aus der Lehre abgezogen werde, um Versäumnisse der Verwaltung zu kompensieren. Die Pläne bedeuteten, dass Geisteswissenschaften und Lehrerbildung nur noch in kümmerlicher Form erhalten blieben.

Die studentische Senatorin Imke Ahlen kritisierte, durch die Sparmaßnahmen könnten weniger Studierende ihren Abschluss in der Regelstudienzeit erreichen. "Es gibt dann schlichtweg keine Dozierenden mehr, die sie betreuen können." Ahlen forderte Unterstützung vom Land: "Würde die Landesregierung endlich die Hochschulen ausfinanzieren, hätten wir diese Probleme nicht. Es braucht keinen fortgesetzten Sparkurs, sondern mehr Geld und Flexibilität, um die Studienbedingungen zu verbessern."

"Es geht auch um den Status"

Die Hochschulleitung dagegen betont: Es sei für die Exzellenzstrategie kein Geld in der Lehre gekürzt und stattdessen für Forschung genutzt worden. Außerdem findet Honecker, es komme nicht nur auf die Finanzen an. "Es geht auch um den Status", sagt er, und der komme auch Studierenden zugute, unter anderem im Sinne eines Imagegewinns.

Das Rektorat sehe jedenfalls keine Alternativen zu den Kürzungsplänen: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, sind wir irgendwann nicht mehr handlungsfähig", sagt der Sprecher. Die Uni Köln sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Das Budget habe sich massiv erhöht: von 450 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 810 Millionen Euro in 2017. Die Anzahl der Studierenden sei innerhalb von sechs Jahren von 38.000 auf aktuell 50.000 gestiegen.

Darauf habe man mit mehr Ausgaben und Investitionen reagieren müssen, sagt Honecker. Inzwischen sei der Ansturm jedoch nicht mehr so groß. Außerdem gehe die Leitung davon aus, dass die Uni mit Auslaufen des aktuellen Hochschulpakts im Jahr 2020 künftig deutlich weniger Geld bekomme als bisher.

Die Hochschule will sich erneut für den Titel als Exzellenz-Uni bewerben, mit dem weitere Fördergelder verbunden sind. Die Entscheidung darüber fällt im Sommer 2019.



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