Eliteuni ENA Willy Brandt schlägt Zinedine Zidane

Zum ersten Mal hat sich eine Klasse an Frankreichs Kaderschmiede ENA nach einem Deutschen benannt. Bei der Wahl des neuen Namenspatrons lag Willy Brandt eindeutig vorn - selbst Churchill und Zidane hatten bei den Studenten keine Chance.


Straßburg - An der Elite-Verwaltungshochschule ENA trägt eine Klasse jetzt den Namen von Willy Brandt. Die Studenten, die ihre zweijährige Ausbildung im Januar begannen, entschieden sich für den Namen des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. Entsprechend der Tradition an der französischen Kaderschmiede sei die Entscheidung im Januar während einer Klausurtagung in den Vogesen nach langen nächtlichen Diskussionen gefallen, hieß es.

Willy Brandt (1973): ENA-Studenten zollen ihm Respekt
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Willy Brandt (1973): ENA-Studenten zollen ihm Respekt

71 der ENA-Hochschüler stimmten für den Namenspatron Willy Brandt, der sich damit gegen den ebenfalls vorgeschlagenen früheren britischen Premierminister Winston Churchill (49 Stimmen) durchsetzte. Zur Auswahl standen weiter unter anderem die deutschstämmige Philosophin Hannah Arendt, der Philosoph Jean-Jacques Rousseau und der französische Fußballstar Zinedine Zidane.

Mit der Benennung der Klasse 2007-2009 nach Brandt wollten die ENA-Schüler der deutsch-französischen Freundschaft, dem Widerstand des Ex-Kanzlers gegen die Nazi-Herrschaft und seinem Eintreten für Freiheit während des Kalten Krieges Respekt zollen. Außerdem sollte das Engagement des 1992 verstorbenen Sozialdemokraten für eine Annäherung zwischen Mittel- und Osteuropa gewürdigt werden.

Die ENA (Ecole Nationale d’Administration) ist eine renommierte französische Verwaltungshochschule. Ihre Absolventen - vom amtierenden Premierminister Dominique de Villepin bis zu Präsidentschafts-Kandidatin Ségolène Royal - besetzen häufig Spitzenpositionen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Die "Enarchen" bilden gleichsam Frankreichs Zentrum der Macht. Deshalb ist die Hochschule in Frankreich durchaus umstritten, im Wahlkampf forderte der liberale Kandidat Francois Bayrou gar ihre Abschaffung.

Jeder ENA-Jahrgang benennt sich nach einer herausragenden Persönlichkeit. Die Studenten schlagen dazu mehrere Namen vor, über die sie in einem Auswahlverfahren abstimmen.

jol/AFP

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