Matratzen-Protest in den USA Mutmaßlicher Täter bestreitet Vergewaltigung

Ihr Protest machte die US-Studentin Emma Sulkowicz bekannt: Sie will so lange eine Matratze tragen, bis ihr mutmaßlicher Vergewaltiger bestraft wird, ein Kommilitone. Der hat sich nun erstmals öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.

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Emma Sulkowicz: Ihr angeblicher Vergewaltiger äußert sich erstmals öffentlich zu Vorwürfen
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Emma Sulkowicz: Ihr angeblicher Vergewaltiger äußert sich erstmals öffentlich zu Vorwürfen


Sie sagt, er habe sie in ihrem eigenen Bett im Studentenwohnheim vergewaltigt. Sie sagt, ihr Vergewaltiger lebe noch immer mit ihr auf dem Campus. Das mache ihr Angst.

Er hat lange öffentlich nichts gesagt. Bis jetzt.

Sie, das ist Emma Sulkowicz, 21, eine Kunststudentin an der Columbia Universität in New York. Das "New York Magazin" zeigte sie und ihre Matratze im Herbst auf dem Cover. Die Matratze will sie so lange tragen, bis ihr mutmaßlicher Vergewaltiger bestraft wird. Mit "Carry that Weight" will sie für sexuelle Gewalt auf dem Campus sensibilisieren und gleichzeitig ihr Studium beenden: Denn über die Aktion will sie ihre Abschlussarbeit schreiben.

Er, das ist ein Student an der Columbia Universität in New York. Die "New York Times" widmet ihm am Montag einen umfangreichen Artikel. Erstmals äußert er sich darin öffentlich zu den Vorwürfen.

Er sagt, die gleiche Universität, die festgestellt habe, er sei "nicht verantwortlich", habe ihre eigene Verantwortung abgegeben, indem sie dabei zusehe, wie Studenten das offizielle Verfahren aushebeln. Das Matratzenprojekt sei kein Ausdruck freier Meinungsäußerung. Es sei Mobbing. Eine sehr öffentliche, sehr persönliche und sehr schmerzhafte Attacke, um ihn von der Universität zu verjagen. Auf dem Campus, schreibt die "New York Times", weiß inzwischen wohl jeder, wer er ist. Sein Name steht an Toilettenwänden, auf Flyern, in Blogs.

Er sagt, er sei unschuldig

Emma Sulkowicz und zwei andere Studentinnen haben ihm sexuellen Missbrauch vorgeworfen. Danach, sagt Emma Sulkowicz, habe sie sich geschämt und geschwiegen. Erst später erfuhr sie von zwei weiteren Frauen: Die eine sagt, er sei ihr auf einer Party gefolgt und habe sie angefasst. Die andere Frau war mehrere Monate mit ihm zusammen, in der Zeit habe er sie mehrfach emotional und sexuell missbraucht.

Er sagt der "New York Times", er habe Emma Sulkowicz nicht vergewaltigt.

Und der Vorwurf, er habe seine Freundin in der Partnerschaft missbraucht?

"Abgesehen von einer Zwangsehe oder Kidnapping fällt es sehr schwer, daran zu glauben, dass eine Person sich selbst immer und immer wieder in einer Situation begibt, wo sie davon ausgehen kann, dass genau dieses Verhalten auftritt", sagt er.

Die Frauen wandten sich gemeinsam an die Universität. Letztlich bestrafte die ihn nicht.

US-Unis grenzen sich ab

Anders als in Deutschland gleichen Hochschulen in den USA oft kleinen Stadtstaaten: Studenten leben meist auf dem Campus, beschützt von einer eigenen Polizei, die weit mehr ist als nur ein Sicherheitsdienst. Die Hochschulen sehen ihre Studenten nicht als fertige Erwachsene, sondern als junge Menschen, die noch erzogen werden müssen. Deswegen versuchen sie ihre Probleme selbst zu regeln; am liebsten so, dass niemand davon erfährt. Schließlich achten US-Unis sehr auf ihren Ruf. Das schafft mitunter eine seltsame Parallelwelt: Auf dem Campus gilt ein anderes Strafmaß als außerhalb.

Seit Monaten wehren sich Hunderte amerikanische Studentinnen im ganzen Land gegen sexuelle Gewalt auf dem Campus. Sie rufen inzwischen so laut, dass Politik und Gesellschaft nicht mehr weghören können. Regelmäßig informieren "New York Times", "Boston Globe", "Washington Post" über ihren Kampf, auch SPIEGEL ONLINE berichtete schon mehrfach.

Die Studentinnen berufen sich auf den "Title IX" und den "Clery Act". Seit 1972 verbietet der "Title IX" Diskriminierung aufgrund des Geschlechts an Hochschulen und Schulen - dazu zählen auch sexuelle Gewalt und Belästigung. Das Bürgerrecht soll Studenten schützen und Hochschulen verpflichten, sich zu kümmern. Wenn eine Studentin - oder ein Student - missbraucht wird, muss die Hochschule untersuchen, was passiert ist, darauf reagieren und die Betroffenen darüber informieren.

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Emma Sulkowicz: New Yorker schließen sich dem Matratzen-Protest an
Im ganzen Land reichten Studentinnen Beschwerde beim Bildungsministerium ein: Im Sommer liefen Untersuchungen gegen 79 Hochschulen, weil sie womöglich gegen "Title IX" verstoßen haben, darunter renommierte Unis wie Harvard, Dartmouth, Princeton und Berkeley. Auch Emma Sulkowicz hat gemeinsam mit 22 anderen Beschwerde gegen die Columbia Universität eingelegt.

"Meine Mutter hat mich als Feminist erzogen"

Eine vom Justizministerium finanzierte repräsentative Umfrage an zwei staatlichen Universitäten ergab: Jede fünfte Studentin wird während ihres Studiums sexuell missbraucht. Wobei Kritiker bemängeln, dass die Antwortrate bei dieser Studie mit rund 42 Prozent recht niedrig sei, das verzerre das Ergebnis. Fest steht: Nur wenige Menschen zeigen sexuellen Missbrauch an. Nur ein Bruchteil dieser Anzeigen erweist sich später als Falschaussage. Das zeigen Statistiken.

Und trotzdem gibt es natürlich Männer, deren Leben durch eine falsche Beschuldigung zerstört wurde.

Die Eltern des Studenten, berichtet die "New York Times", wandten sich mehrfach schriftlich an die Universität. Sie sagten demnach, die Situation habe sich "von einem Schock in einen fortdauernden Albtraum entwickelt, für ihn und für uns".

Es ist nicht so, dass ihm das Problem nicht bewusst ist. Sexuelle Belästigung sei ein Anlass zur Sorge, sagte er jetzt. Und er unterstütze Frauenrechte durchaus. Und: "Meine Mutter hat mich als Feminist erzogen."



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