Austauschstudenten und die Liebe "Es gibt eine Million Erasmus-Babys"

Ein Erasmus-Semester fördert die Völkerfreundschaft, meldet die EU-Kommission und untermauert das mit Zahlen: Ein Drittel ehemaliger Erasmus-Studenten liebt international.

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Liebespaar am Fluss: Viele junge Leute lernen sich im Erasmus-Jahr kennen
Corbis

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Über das Auslandsstudienprogramm Erasmus wird mitunter gespottet, es fördere eher den Austausch von Körperflüssigkeiten und Party-Ritualen als den von akademischen Anregungen. Völlig falsch ist das offenbar nicht: Laut einer Studie der EU-Kommission finden viele Auslandsstudenten in der Ferne tatsächlich oft die Liebe.

"Viele dieser jungen Menschen haben den Partner, den sie im Ausland gefunden haben, geheiratet. Es gibt rund eine Million Erasmus-Babys", sagte die EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou bei der Präsentation der Erasmus Impact Study (hier als pdf) am Montag in Brüssel. Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums lässt demnach die Wahrscheinlichkeit steigen, mit jemandem aus einem anderen Land zusammenzukommen.

Erasmus-Studenten sind seltener arbeitslos

In der Studie hatte die Beratungsgesellschaft CHE Consult im Auftrag der EU-Kommission die Auswirkungen von Erasmus auf Job, Fähigkeiten und Leben der Teilnehmer untersucht. Die Ergebnisse basieren unter anderem auf einer Online-Umfrage in 34 europäischen Ländern. Antworten von mehr als 75.000 Studenten und Absolventen flossen ein.

Mehr als 90 Prozent der Befragten hatten sich schon mal während eines Auslandsaufenthalts weitergebildet, also im Ausland studiert, dort einen Sprachkurs besucht oder anderweitig gelernt. Rund die Hälfte waren als Erasmus-Studenten an einer Hochschule. Nur etwa zehn Prozent der Befragten war noch nie zu Studienzwecken im Ausland.

Dafür gab es häufig finanzielle Gründe: 58 Prozent der Daheimgebliebenen geben an, die Unsicherheit über die Kosten des Austauschsemesters habe eine Rolle bei ihrer Entscheidung gespielt. 57 Prozent blieben unter anderem deswegen an ihrer Heimat-Uni, weil sie fürchten, der Auslandsaufenthalt könnte ihren persönlichen Beziehungen schaden.

Bei der Befragung ehemaliger Erasmus-Studenten gab ein Drittel an, ihr Lebenspartner komme aus dem Ausland und 27 Prozent hatten ihn im Rahmen des Programms kennengelernt. Bei Absolventen ohne Auslandsaufenthalt führten nur 13 Prozent internationale Beziehungen. Auf Basis der Zahlen schätzte die Kommission die Zahl der Kinder, die seit dem Programmstart 1987 aus Erasmus-Beziehungen hervorgingen, auf eine Million.

Allerdings bringt ein Auslandsstudium laut EU-Kommission noch weitere Vorteile: So seien Teilnehmer am Erasmus-Programm fünf Jahre nach ihrem Studienabschluss nur seltener arbeitslos als solche, die ausschließlich in ihrem Heimatland studiert hatten. Die Forscher führen das unter anderem auf die erhöhte Bereitschaft der Auslandsstudenten zurück, für einen Arbeitsplatz den Wohnort zu wechseln.

Auch die Persönlichkeit entwickelt sich während eines Auslandsaufenthalts weiter: Mehr als 90 Prozent gaben an, ihr Selbstvertrauen sei gestärkt worden, fast ebenso viele kamen nach eigenen Angaben neugieriger und gelassener aus dem Studium im fremden Land zurück.

Das Erasmus-Programm fördert Studienaufenthalte oder Praktika im Ausland. Das Nachfolgeprogramm Erasmus+ unterstützt seit Januar auch berufliche Aus- und Weiterbildungen. Das Budget liegt in den kommenden sieben Jahren bei durchschnittlich rund zwei Milliarden Euro pro Jahr.

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Grenzgänger: Studieren in Nord- und Westeuropa

Mit Material von dpa



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insgesamt 36 Beiträge
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hdudeck 22.09.2014
1. Jede Partnerschaft mit einem
das friedliche Zusammenleben. (ich weiss, das ehemalige Yugoslavien ist da Antibeispiel) Daneben hilft es einem selbst, andere Sitten und Gebraeuche besser zu verstehen und diesen offener gegenueber zu stehen. Sollte eigentlich Pflicht sein, speziell fuer Stammtischbrueder und Burschenschaften. Und die Fruechte werden mit der nachfolgenden Generation geerntet, die hoffentlich die Chance haben, mindestens zweisprachig aufzuwachsen.
EuroLoser 22.09.2014
2.
Oh, wie schön..und ich dachte immer Erasmus sei ein Bildungsprogramm. Dass die EU uns das nun als Kuppelprogramm verkaufen will, ist ja eine geniale Idee. Aber dass uns die EU für bekloppt hält, weiß man ja bereits. Die EU als Partnervermittlungsprojekt, nachdem das Friedens- und Wohlstandsprojekt in die Hose gegangen ist. Trotzdem egal...das nächste Mal wird wieder zur EU-Wahl gegangen.
gerd33 22.09.2014
3. Der Slogan ist bekannt:
ERASMUS ... Wir vögeln uns durch Europa oder auch ein lateinischer Vers, in dem sich "Erasmus" auf "Orgasmus" reimt. Text liegt mir leider nicht vor.
Jasro 22.09.2014
4. Naja...
In der ehemaligen Sowjetunion soll es seinerzeit auch jede Menge "Mischehen" zwischen Angehörigen unterschiedlicher Ethnien gegeben haben.
RandomName 22.09.2014
5. Man kann sich natürlich jetzt...
...darüber lustig machen und fordern das diese "Geldverschwendung" eingestellt wird. ABER ich gebe zu bedenken, nichts ist eine so gute völkerverbindende und friedenserhaltende Maßnahme. Wer zieht schon in den Krieg gegen ein Land wo er Familie hat? Je stärker die Staaten miteinander verknüpft sind über alle Kanäle (Familie aber auch Wirtschaft, Kultur etc.) desto friedlicher wird die Welt in Zukunft sein!
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