Tipps für Erasmus-Studenten Hier geht's um Anerkennung!

Nach der Rückkehr aus dem Erasmus-Jahr kann Studenten eine böse Überraschung drohen: Die Heimat-Uni erkennt Kurse und Creditpoints nicht an. Hier sind die wichtigsten Tipps.

Auf dem Rückweg von der Vorlesung: Dominik Heuß studiert gerade in Bologna
Larissa Lee Beck/TMN

Auf dem Rückweg von der Vorlesung: Dominik Heuß studiert gerade in Bologna


Italien sollte es sein, da war sich Dominik Heuß von Anfang an sicher. Der Lehramtsstudent mit den Fächern Sport und Englisch studiert an der Universität Würzburg. Ein Jahr im norditalienischen Bologna klang gut, fand er.

Sprachkenntnisse verbessern, kultureller Austausch, internationale Erfahrung: Begeistert begann der 25-Jährige lange im Voraus, seinen Auslandsaufenthalt vorzubereiten.

Er überlegte sich rund fünf Monate vorher, welche Seminare er belegen wollte. Er besorgte sich die Curricula, sprach mit den zuständigen Dozenten. Sport, Stochastik, Algebra, Analysis und Statistik wollte er an der Universität Bologna machen.

Trotzdem weiß Heuß immer noch nicht, ob alle Kurse, die er gerade in Bologna besucht, anerkannt werden. Bei Statistik ist er sich nicht sicher, denn an der Uni Würzburg kommt der Kurs im Lehrplan nicht vor. Erst wenn Heuß den Kurs beendet hat, wird entschieden.

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Allein im Studienjahr 2013/2014 gingen rund 36.000 Studenten mit Erasmus ins Ausland, berichtet der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). Nicht wenige haben Probleme, ihre Leistungen zu Hause angerechnet zu bekommen.

Hier sind einige Tipps, wie es leichter geht:

  • Es ist hilfreich, vorher schon die Stellen zu kontaktieren, die später die Anerkennung regeln, sagt Bastian von Jarzebowski vom DAAD. Oft sind das die Erasmus-Büros oder International Offices. Sie können meist schon zu Beginn erklären, welche Leistungen grundsätzlich anerkannt werden und in welcher Form sie nachzuweisen sind.

  • Wer ins Ausland will, sollte auch mit ehemaligen Erasmus- und Austauschstudenten sprechen, um die passende Universität und Stadt zu finden, sagt Claudia Wernthaler, Erasmus-Koordinatorin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Der Studiengang im Ausland sollte idealerweise dem zu Hause möglichst ähnlich sein.

  • Einige Hochschulen verfügten außerdem über eine Datenbank, in der die bisher erfolgten Anerkennungen von Studienleistungen abgefragt werden können, sagt Jarzebowski.

  • Studenten sollten sich auch auf der Internetseite der Gastuniversität die Kursbeschreibungen herunterladen und sie mit den Lehrveranstaltungen des Heimatstudiengangs vergleichen. Zudem lohnt es sich, einen Blick auf die Creditpoints zu werfen. Für manche Universitäten ist es wichtig, dass die Kurse an der Gasthochschule keine geringere Anzahl an Punkten haben.

  • Studenten sind bei der Anrechnung ihrer Creditpoints in der Informationspflicht gegenüber der Heimatuni. Das heißt: Sie müssen nachweisen können, was sie gelernt und in den Vorlesungen und Seminaren gemacht haben. Wichtig ist deshalb, Leistungsnachweise, Modulbeschreibungen, Notenspiegel und sonstige Unterlagen sorgfältig aufzubewahren. "Sammelt alle Dokumente. Dazu gehören auch Notizen aus dem Unterricht", rät Student Heuß.

  • Heuß hat mit seiner deutschen Uni und der Gasthochschule zudem ein Learning Agreement unterzeichnet. Darin steht, welche Kurse er belegt, welche Sprachkenntnisse er besitzt und welche Personen an den beiden Hochschulen für ihn zuständig sind. "Der Haken ist allerdings, dass Kurse an der Gasthochschule sich ändern können oder das Informationsmaterial nicht so gut ist", sagt Wernthaler. In einem solchen Fall darf man nicht vergessen, die Lernvereinbarung zu überarbeiten.

  • Hilft das alles nichts, können sich Studenten auf die Lissabon-Konvention berufen. Sie wurde 1997 von 55 Staaten unterzeichnet. In Deutschland trat sie zum 1. Oktober 2007 in Kraft. Sie besagt, dass die Hochschule im Falle einer Nichtanerkennung einen wesentlichen Unterschied zur geforderten Leistung im Heimatstudiengang nachweisen muss.

  • Außerdem können Studenten auf die Erasmus-Charta für Hochschulbildung verweisen. Denn mit der Teilnahme am Erasmus-Plus-Programm verpflichten sich die Hochschulen, die gesammelten Creditpoints im Rahmen des Mobilitätsprogramms vollständig anzuerkennen.

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dpa/Larissa Lee Beck/lgr/lov

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
zerr-spiegel 05.01.2016
1. Erst fördern und dann hängen lassen ...
Typisch deutsch mal wieder. Erst fördert man die Studenten, dann lässt man sie hängen. Gibt es so einen Schwachsinn anderswo auch oder passiert das nur bei uns?
joehe 05.01.2016
2. Unglaublich !
Das Verhalten dieser Universitäten ist schändlich und Europa feindlich. Studenten, die in eine solche Situation geraten sind, sollten sich überlegen sich direkt an die EU zuwenden: SOLVIT ist eine Abteilung der EU-Komission, die sich um solche grenzüberschreitenden ungereche Regelungen, Entscheidungen oder sogar diskriminierende Bürokratie kümmern kann und jedem EU-Bürger und auch EU-Unternehmen offen steht, so lange keine Gerichtsverfahren diesbezüglich laufen. http://ec.europa.eu/solvit/index_de.htm
Sibylle1969 05.01.2016
3. Hochachtung
Ein Lehramtsstudent für Englisch und Sport belegt Kurse in Analysis, Algebra und Stochastik! Wenn er das schafft, dann Hochachtung. Aber warum er die Kurse für das Englisch- und Sportstudium angerechnet haben möchte, erschließt sich mir nicht.
snark 05.01.2016
4. Learning Agreement!
Also "eigentlich" kann es keine bösen Überraschungen geben, denn im Rahmen einer Förderung über Erasmus+ muss vor (!) dem Auslandsaufenthalt ein Learning Agreement abgeschlossen werden, in dem die geplanten Kurse aufgeführt werden und deren Anerkennung von der entsendenden Uni zugesichert werden. Wenn dann vor Ort nicht alle Kurse belegt werden können (was aus vielerlei Gründen häufiger vorkommt) muss nachverhandelt werden. Eine solche Vereinbarung zur Angerkennung ist Voraussetzung für die Förderung! Wenn es danach "böse Überraschungen" gibt, hält sich irgendwer nicht an geltendes Recht (dass nur bestandene Kurse auch anerkannt werden können, versteht sich natürlich von selbst).
joehe 05.01.2016
5. Im Prinzip ja, aber ...
Zitat von snarkAlso "eigentlich" kann es keine bösen Überraschungen geben, denn im Rahmen einer Förderung über Erasmus+ muss vor (!) dem Auslandsaufenthalt ein Learning Agreement abgeschlossen werden, in dem die geplanten Kurse aufgeführt werden und deren Anerkennung von der entsendenden Uni zugesichert werden. Wenn dann vor Ort nicht alle Kurse belegt werden können (was aus vielerlei Gründen häufiger vorkommt) muss nachverhandelt werden. Eine solche Vereinbarung zur Angerkennung ist Voraussetzung für die Förderung! Wenn es danach "böse Überraschungen" gibt, hält sich irgendwer nicht an geltendes Recht (dass nur bestandene Kurse auch anerkannt werden können, versteht sich natürlich von selbst).
Das erinnert mich fatal an die Struktur der Radio Eriwan Witze aus den 80'ern: "Im Prinzip darf es bei der Erasmus Anerkennung keine bösen Überaschungen geben, aber ..." Und natürlich wird die Beweispflicht dann auf das schwächste Glied in der Kette, den Studenten, abgewälzt. Es kann doch nicht so schwierig sein, das zwei EU-Universitäten sich bezüglich der Inhalte Ihrer Kurse austauschen, oder ?
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