Streit um Freizügigkeit EU setzt Erasmus-Programm für Schweizer Studenten aus

Schweizer Studenten dürfen in diesem Jahr nicht am Austauschprogramm Erasmus teilnehmen. Die EU hat die Verhandlungen darüber ausgesetzt - aus Ärger über den Volksentscheid zur begrenzten Freizügigkeit.

Studenten der Universität St. Gallen: Erasmus-Programm nicht mehr möglich
DPA

Studenten der Universität St. Gallen: Erasmus-Programm nicht mehr möglich


Die Europäische Union (EU) zieht Konsequenzen aus dem Volksentscheid zur Begrenzung der Zuwanderung in der Schweiz: So darf die Schweiz im kommenden Studienjahr 2014/2015 nicht am europäischen Austauschprogramm Erasmus+ für Studenten und Auszubildende teilnehmen. "Die Schweiz hat den Termin für die Stipendienvergabe 2014 für Erasmus+ verpasst", sagte EU-Sozialkommissar Laszlo Andor.

Soll heißen: Als Reaktion auf den Volksentscheid hat die EU die Verhandlungen über die Teilnahme der Schweiz ausgesetzt. Diese sollen erst wieder aufgenommen werden, wenn die Schweiz das Protokoll zur Umsetzung der Freizügigkeit für Kroaten unterschreibt. Die Regierung in Bern hatte ein geplantes Abkommen dazu nach dem Volksentscheid gestoppt.

"Die Teilnahme der Schweiz am EU-Forschungsprogramm Horizont 2020 und dem Austauschprogramm Erasmus+ hängt an der Umsetzung der Personenfreizügigkeit für das neue EU-Mitglied Kroatien", sagte Reinhard Hönighaus, Pressesprecher der EU-Kommissionsvertretung in Berlin.

Somit wird die Schweiz nicht wie ursprünglich geplant Studenten über das Erasmus-Programm empfangen oder entsenden können. Außerdem werden dem Land EU-Gelder für Forschung und Bildung entgehen.

Die Teilnahme der Schweiz sei nun "auf eine Kooperation wie mit anderen Nicht-EU-Staaten" begrenzt, heißt es aus Brüssel. Dies betrifft sowohl die Studenten an Schweizer Unis, als auch alle Studenten aus anderen Ländern, die an Schweizer Unis einen Austausch machen wollen. Alle Erasmus-Stipendien bis einschließlich des Sommersemesters 2014 seien jedoch gesichert.

In dem umstrittenen Volksentscheid hatten sich die Schweizer vor zwei Wochen für eine Begrenzung der Einwanderer ausgesprochen. Justizministerin Simonetta Sommaruga teilte daraufhin der kroatischen Außenministerin Vesna Pusic mit, dass die neue Verfassungsbestimmung ab sofort den Abschluss völkerrechtlicher Verträge untersage, die unbegrenzte Zuwanderung bedeuten würden. Das fertig ausgehandelte Protokoll hätte Kroatien nach zehn Jahren volle Freizügigkeit gewährt.

Die EU hatte daraufhin die Gespräche über eine Beteiligung der Schweiz an Erasmus+ sowie dem milliardenschweren EU-Forschungsprogramm Horizont 2020 vorläufig auf Eis gelegt.

Die Schweiz ist nicht Mitglied der Europäischen Union, doch hatten EU-Bürger bisher freien Zugang zum Arbeitsmarkt des Landes.

lgr/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 73 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karl41 27.02.2014
1. die geistige Reife der EU
Zitat von sysopDPASchweizer Studenten dürfen in diesem Jahr nicht am Austauschprogramm Erasmus teilnehmen. Die EU hat die Verhandlungen darüber ausgesetzt - aus Ärger über den Volksentscheid zur begrenzten Freizügigkeit. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/erasmus-schweiz-muss-das-studenten-programm-aussetzen-a-956011.html
Ein noch nicht Erwachsener (die EU) zeigt mit dieser Trotzreaktion eben dies, noch nicht ganz entwickelt, reif. Kindergarten !!
fuenfringe 27.02.2014
2. Jetzt bin ich mir nicht ganz sicher
Zitat von karl41Ein noch nicht Erwachsener (die EU) zeigt mit dieser Trotzreaktion eben dies, noch nicht ganz entwickelt, reif. Kindergarten !!
dass Sie mit der EU den richtigen Kindergartenkandidaten im Blick haben; Sie sind sich offenbar auch nicht sicher, sonst wäre der Zusatz "(die EU)" nicht notwendig gewesen. Also wer hier mit dem Füßchen aufstampft, sich zu Boden wirft und "Ich will, ich will, ich will..." ruft, scheint mir doch eher der Durchschnittsschweizer zu sein (wieviel? 52%?).
rolfmueller 27.02.2014
3.
Europa braucht die Schweiz nicht, aber die Schweiz braucht Europa. Das werden die Schweizer lernen müssen, so oder so. Offenbar haben sie sich für die harte Tour entschieden.
mightyschneider 27.02.2014
4. Schulz: losschlagen gegen die Schweiz
Die Schweiz wird sich nicht um die EU-Apparatschiks scheren, denn wer so klug ist, sich das "Wirtschaft über alles in der Welt"-Prinzip der Globalisten und Kapitalisten nicht auf die Fahne zu schreiben, der wird dadrüber stehen können. Bezeichnend ist, dass die EU-Apparatschik den Erasmus-Vertrag brechen, während die Schweiz sich bislang an alle Vereinbarungen hielt. Das meinte Schulz wohl, als er von "losschlagen gegen die Schweiz" schwadronierte. Meine Sympathie hat die Schweiz in jedem Fall - der (erste) Urlaub dort ist bereits geplant und ich freue mich drauf.
sehrsauer 27.02.2014
5. Kann nicht glauben
dass irgendein Mensch diesen Schritt für sinnvoll hält. Da sitzen die alten Schweizer in ihren Bergdörfern und könnten künftig ersetzt werden von einer Generation Jugendlicher, die mit Internationalität im Internet und Studium aufgewachsen wären - nein, obwohl bekannt ist, dass Austauschprogramme Toleranz fördern, verbieten wir aus Wut über Intoleranz genau das! Dumm!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.