Erstsemester über 30 "Ich hab das Gefühl, ich bin verliebt"

Von Anne-Kathrin Gerstlauer

2. Teil: Heike Lee, 42: "Mama studiert jetzt"


Heike Lee, 42, war zuletzt Pflegedienstleitung. Jetzt studiert sie Angewandte Sozialwissenschaften an der FH Dortmund.
Anne-Kathrin Gerstlauer

Heike Lee, 42, war zuletzt Pflegedienstleitung. Jetzt studiert sie Angewandte Sozialwissenschaften an der FH Dortmund.

"Ich hab sehr früh geheiratet, mit 18, und dann drei Kinder bekommen. Meine älteste Tochter ist so alt wie meine Mitstudenten, die jüngste wohnt noch zu Hause und gibt manchmal an: Mama studiert jetzt. 2001 hab ich eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht, da war ich schon alleinerziehend. Ich dachte immer, ich kann was bewegen, wenn ich in der Leitung bin. Aber auch da gibt es viel Druck von oben, und ich hab zeitweise 240 Stunden im Monat gearbeitet. Irgendwann hatte ich Schlafstörungen. Da hab ich gedacht, das kann es nicht sein.

Ich hab mich nur an dieser Uni beworben und gedacht, wenn das funktioniert, dann soll es so sein. Eigentlich wollte ich in der Altenarbeit bleiben, aber zukunftsorientierter arbeiten: Was passiert mit alten Menschen? Wie kann man das besser organisieren?

Aber vom ersten Tag an war das, als ob mir jemand auf den Kopf gehauen hat. In der Einführungswoche gab es einen Workshop, der Dozent hat in der Straffälligenhilfe gearbeitet. Ich will das auch machen, weil ich glaube, dass Menschen nicht als schlechte Menschen auf die Welt kommen.

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Studenten und das liebe Geld: "30 Euro Bafög sind lächerlich"
Finanziell ist noch vieles ungeklärt, beim Bafög gibt es Sonderregelungen, und ich versuche, einen Nebenjob zu finden. Aber egal wie das aussieht: Das ist das, was ich machen will, und wenn ich dafür mein Auto verkaufen muss. Zu Hause hab ich schon 15 Bücher aus der Bibliothek liegen. Ich hab das Gefühl, ich bin verliebt."

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the.queen.of.mean 29.10.2013
1. lebenslanges Lernen
Angeblich gehört den a-typischen Lebensläufen die Zukunft. Ich habe mit 27 angefangen zu studieren. Da fühlt man sich dann mit 30 so kurz vor dem Abschluss auch als Opa an der Uni. Dennoch kann ich das jedem empfehlen. Der Mikrokosmos Universität kann wirklich viel Freude machen, wenn man ein Studium beginnt, das den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht.
wwwwalter 29.10.2013
2. lebenslanges Lernen ja, aber bitte keine Prüfungen mehr !
Zitat von the.queen.of.meanAngeblich gehört den a-typischen Lebensläufen die Zukunft. Ich habe mit 27 angefangen zu studieren. Da fühlt man sich dann mit 30 so kurz vor dem Abschluss auch als Opa an der Uni. Dennoch kann ich das jedem empfehlen. Der Mikrokosmos Universität kann wirklich viel Freude machen, wenn man ein Studium beginnt, das den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht.
Wenn man es durchhält und am Ende schafft, ist das schön und bewundernswert. Ich kenne allerdings viele, die es nur versucht haben mit dem Studium, und ganz schnell wieder zurück an ihren füheren Arbeitsplatz gegangen sind. Ein Studium reicht mir. Irgendwann mal hat man so viele Prüfungssituationen mit allem damit verbundenem Stress hinter sich, das man sich so etwas nie mehr antun möchte. Als Gasthörer gerne - lebenslanges Lernen ja, aber Prüfungen bitte nie wieder !
Micken 29.10.2013
3. Umwege erhöhen die Ortskenntnis
Bei steigender Lebenserwartung, späteren Renteneintrittsalter und Fachkräftemangel, warum sollten dann Menschen über 30 Jahren nicht studieren?! Ich finde es gut wenn an den Unis und Hochschulen jüngere und ältere Menschen gemeinsam studieren und bestenfalls voneinander lernen können. Von der Politik wird dies zwar nicht geünscht, siehe BAföG, PKV etc. aber ob ein stures Festhalten an "Turbo-Abi", immer mehr in weniger Zeit, der richtige Weg ist, ist fraglich.
Dengar 29.10.2013
4.
Ich hab auch erst mit 26 mein Studium aufgenommen. Es gab anfänglich sogar Kommilitonen, die mich gesietzt hatten, bis sie begriffen, dass ich kein Mitarbeiter, sondern Student war:-) Ich war sieben Jahre raus aus der Schule, und bei einem Ingenieursstudium ist das besonders hart, sich wieder einzufuchsen, aber ich hab's nie bereut, im Gegenteil. Mein Vorteil war, dass ich elternunabhängiges BaFög bekam (wegen fünfjähriger Berufstätigkeit) und auch in den Semesterferien in meinem alten Job weiterarbeiten konnte. Finanziell wäre es sonst hart gewesen.
blackpride 29.10.2013
5. Beautiful!
Ich war zwar noch recht weit diesseits der 30 als ich angefangen habe zu studieren, aber auch ich habe vorher eine Ausbildung gemacht und knapp drei Jahre lang gearbeitet. Insofern kann ich alles nachvollziehen. Bei mir war der Auslöser nämlich auch, dass ich dachte, das kann doch nicht alles gewesen sein. Es war immer mein Traum zu studieren, in Vorlesungen zu gehen, in der Bib zu sitzen und einfach das Leben als Student zu genießen. Ich habe es niemals bereut, meine Arbeit aufzugeben, um zu studieren, denn wenn ich vergleiche wo ich heute bin, was ich heute mache und was ich damals gemacht habe, kann ich nur schließen: Ich habe alles richtig gemacht! Einen Vorteil hat das Studium nach Ausbildung und Arbeit: Man studiert nicht einfach nur so. Man hat eine Arbeit aufgegeben für sein Studium und daher ist man vom ersten Tag Feuer und Flamme. Und so wie die erste Studentin berichtet hat war es auch bei mir: Es war wie frisch verliebt! @Kommentar1: Exakt! Mikrokosmus Uni, sehr schön ausgedrückt. Ich möchte diese Zeit nicht mehr missen; es ist aber auch schön, endlich wieder Geld zu verdienen ;) Ich wünsche allen Studenten viel Erfolg im Studium und natürlich viel Spaß im Studentenleben. Ihr habt euren Kommilitonen eine ganze Menge an Lebens- und Berufserfahrung voraus. Ihr müsst euer Licht nicht unter irgendeinen Scheffel stellen!!!
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