Erstsemester über 30 "Ich hab das Gefühl, ich bin verliebt"

Von Anne-Kathrin Gerstlauer

3. Teil: Dominik Simonis, 30: "Ich geh weiter Vollzeit arbeiten"


Dominik Simonis, 30, arbeitete für einen Finanzdienstleister und bei Aldi. Jetzt studiert er BWL an der Universität Duisburg-Essen.
Anne-Kathrin Gerstlauer

Dominik Simonis, 30, arbeitete für einen Finanzdienstleister und bei Aldi. Jetzt studiert er BWL an der Universität Duisburg-Essen.

"Das Studium war eine Schnapsidee. Ich beklagte mich bei meinem Bruder über meine teure Bahnfahrkarte, da sagte er: Schreib dich doch einfach an der Uni ein. Im August wurde aus dem Spaß eine konkreter Plan, und ich dachte: Du ziehst das jetzt durch, bei der Bank kommst du nicht weiter. Ich hab dort weiter meinen Job, abends arbeite ich noch bei Aldi. Drei Jahre werde ich die Pobacken zusammenkneifen. Vergangene Woche hatte ich ein erstes Blockseminar, dafür habe ich mir freigenommen, der Rest meines Urlaubs wird für die Klausurphase draufgehen.

Wenn es mit der Arbeit passt, werde ich zu den Vorlesungen gehen, sonst gibt's für BWL die Skripte alle im Internet. Freizeitbeschäftigungen werde ich erst einmal komplett knicken, ob es Fußball, Joggen oder Freunde sind. Ich habe mir vorgenommen, zusätzlich zu den Skripten jeden Tag eine Stunde zu lernen. Momentan muss ich so viel arbeiten, weil ich mir gerade einen Kleinwagen gekauft habe, der muss noch abbezahlt werden. Danach lasse ich den Zweitjob sausen.

Ich bin in einer Lerngruppe, auch mit jüngeren Kommilitonen. Das war erst gewöhnungsbedürftig, aber wir ergänzen uns gut. Ich kenne vieles aus dem Job, aber Ableitungen zum Beispiel, die sind bei mir zehn Jahre her. Klar beneide ich die anderen. Bei Mama wohnen, nach Hause kommen, die Sachen in die Ecke und dann relaxen oder den ganzen Tag lernen. Aber ich gönne es ihnen."

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the.queen.of.mean 29.10.2013
1. lebenslanges Lernen
Angeblich gehört den a-typischen Lebensläufen die Zukunft. Ich habe mit 27 angefangen zu studieren. Da fühlt man sich dann mit 30 so kurz vor dem Abschluss auch als Opa an der Uni. Dennoch kann ich das jedem empfehlen. Der Mikrokosmos Universität kann wirklich viel Freude machen, wenn man ein Studium beginnt, das den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht.
wwwwalter 29.10.2013
2. lebenslanges Lernen ja, aber bitte keine Prüfungen mehr !
Zitat von the.queen.of.meanAngeblich gehört den a-typischen Lebensläufen die Zukunft. Ich habe mit 27 angefangen zu studieren. Da fühlt man sich dann mit 30 so kurz vor dem Abschluss auch als Opa an der Uni. Dennoch kann ich das jedem empfehlen. Der Mikrokosmos Universität kann wirklich viel Freude machen, wenn man ein Studium beginnt, das den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht.
Wenn man es durchhält und am Ende schafft, ist das schön und bewundernswert. Ich kenne allerdings viele, die es nur versucht haben mit dem Studium, und ganz schnell wieder zurück an ihren füheren Arbeitsplatz gegangen sind. Ein Studium reicht mir. Irgendwann mal hat man so viele Prüfungssituationen mit allem damit verbundenem Stress hinter sich, das man sich so etwas nie mehr antun möchte. Als Gasthörer gerne - lebenslanges Lernen ja, aber Prüfungen bitte nie wieder !
Micken 29.10.2013
3. Umwege erhöhen die Ortskenntnis
Bei steigender Lebenserwartung, späteren Renteneintrittsalter und Fachkräftemangel, warum sollten dann Menschen über 30 Jahren nicht studieren?! Ich finde es gut wenn an den Unis und Hochschulen jüngere und ältere Menschen gemeinsam studieren und bestenfalls voneinander lernen können. Von der Politik wird dies zwar nicht geünscht, siehe BAföG, PKV etc. aber ob ein stures Festhalten an "Turbo-Abi", immer mehr in weniger Zeit, der richtige Weg ist, ist fraglich.
Dengar 29.10.2013
4.
Ich hab auch erst mit 26 mein Studium aufgenommen. Es gab anfänglich sogar Kommilitonen, die mich gesietzt hatten, bis sie begriffen, dass ich kein Mitarbeiter, sondern Student war:-) Ich war sieben Jahre raus aus der Schule, und bei einem Ingenieursstudium ist das besonders hart, sich wieder einzufuchsen, aber ich hab's nie bereut, im Gegenteil. Mein Vorteil war, dass ich elternunabhängiges BaFög bekam (wegen fünfjähriger Berufstätigkeit) und auch in den Semesterferien in meinem alten Job weiterarbeiten konnte. Finanziell wäre es sonst hart gewesen.
blackpride 29.10.2013
5. Beautiful!
Ich war zwar noch recht weit diesseits der 30 als ich angefangen habe zu studieren, aber auch ich habe vorher eine Ausbildung gemacht und knapp drei Jahre lang gearbeitet. Insofern kann ich alles nachvollziehen. Bei mir war der Auslöser nämlich auch, dass ich dachte, das kann doch nicht alles gewesen sein. Es war immer mein Traum zu studieren, in Vorlesungen zu gehen, in der Bib zu sitzen und einfach das Leben als Student zu genießen. Ich habe es niemals bereut, meine Arbeit aufzugeben, um zu studieren, denn wenn ich vergleiche wo ich heute bin, was ich heute mache und was ich damals gemacht habe, kann ich nur schließen: Ich habe alles richtig gemacht! Einen Vorteil hat das Studium nach Ausbildung und Arbeit: Man studiert nicht einfach nur so. Man hat eine Arbeit aufgegeben für sein Studium und daher ist man vom ersten Tag Feuer und Flamme. Und so wie die erste Studentin berichtet hat war es auch bei mir: Es war wie frisch verliebt! @Kommentar1: Exakt! Mikrokosmus Uni, sehr schön ausgedrückt. Ich möchte diese Zeit nicht mehr missen; es ist aber auch schön, endlich wieder Geld zu verdienen ;) Ich wünsche allen Studenten viel Erfolg im Studium und natürlich viel Spaß im Studentenleben. Ihr habt euren Kommilitonen eine ganze Menge an Lebens- und Berufserfahrung voraus. Ihr müsst euer Licht nicht unter irgendeinen Scheffel stellen!!!
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