Erstsemester über 30 "Ich hab das Gefühl, ich bin verliebt"

Von Anne-Kathrin Gerstlauer

5. Teil: Dietrich Napiontek, 34: "Das ist auch ein Ego-Ding"


Dietrich Napiontek, 34, war Referent für Feedbackmanagement. Jetzt studiert er Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
Anne-Kathrin Gerstlauer

Dietrich Napiontek, 34, war Referent für Feedbackmanagement. Jetzt studiert er Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

"Der Erweckungsmoment kam, als ich mich um eine Stelle im Öffentlichen Dienst bewerben wollte. Ich hatte die Qualifikation. Aber als ich der Frau am anderen Ende sagte, dass ich keinen Abschluss habe, ist der fast der Hörer aus der Hand gefallen.

Ich denke darüber nach, wieder zu studieren, seitdem ich Informatik damals abgebrochen habe. Kurz vor dem Abi haben sich meine Eltern getrennt, danach ist mein Vater gestorben. Ich musste aus der Wohnung und hab's dann in den Sand gesetzt. Ich mache das nicht primär wegen der Arbeit, ich hatte eine gute. Das ist auch ein Ego-Ding. Ich will mir selbst beweisen, dass ich das kann.

Ich hab mich bei der Telekom richtig hochgearbeitet. Erst war ich Zeitarbeiter im Kundenservice in Berlin, am Ende festangestellt in der Zentrale in Bonn. Dieses Jahr haben sie mir ein Angebot gemacht, um mir den Abgang zu versüßen. Die Abfindung nehm ich jetzt zusammen mit meinen Ersparnissen. Ich hab einen Wohngeld-Antrag gestellt, meine Wohnung kostet 670 Euro. Wenn das nicht klappt, muss ich da eine WG draus machen und das Wohnzimmer vermieten. Große Lust habe ich darauf allerdings nicht.

In den ersten Wochen war noch Prassen angesagt, neuer Laptop, die Bücher, Ebook-Reader, neue Schuhe, neue Shirts. Kaufen, kaufen, kaufen. In nächster Zeit hab ich weniger Geld, da deck ich mich jetzt noch mal ordentlich ein."

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the.queen.of.mean 29.10.2013
1. lebenslanges Lernen
Angeblich gehört den a-typischen Lebensläufen die Zukunft. Ich habe mit 27 angefangen zu studieren. Da fühlt man sich dann mit 30 so kurz vor dem Abschluss auch als Opa an der Uni. Dennoch kann ich das jedem empfehlen. Der Mikrokosmos Universität kann wirklich viel Freude machen, wenn man ein Studium beginnt, das den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht.
wwwwalter 29.10.2013
2. lebenslanges Lernen ja, aber bitte keine Prüfungen mehr !
Zitat von the.queen.of.meanAngeblich gehört den a-typischen Lebensläufen die Zukunft. Ich habe mit 27 angefangen zu studieren. Da fühlt man sich dann mit 30 so kurz vor dem Abschluss auch als Opa an der Uni. Dennoch kann ich das jedem empfehlen. Der Mikrokosmos Universität kann wirklich viel Freude machen, wenn man ein Studium beginnt, das den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht.
Wenn man es durchhält und am Ende schafft, ist das schön und bewundernswert. Ich kenne allerdings viele, die es nur versucht haben mit dem Studium, und ganz schnell wieder zurück an ihren füheren Arbeitsplatz gegangen sind. Ein Studium reicht mir. Irgendwann mal hat man so viele Prüfungssituationen mit allem damit verbundenem Stress hinter sich, das man sich so etwas nie mehr antun möchte. Als Gasthörer gerne - lebenslanges Lernen ja, aber Prüfungen bitte nie wieder !
Micken 29.10.2013
3. Umwege erhöhen die Ortskenntnis
Bei steigender Lebenserwartung, späteren Renteneintrittsalter und Fachkräftemangel, warum sollten dann Menschen über 30 Jahren nicht studieren?! Ich finde es gut wenn an den Unis und Hochschulen jüngere und ältere Menschen gemeinsam studieren und bestenfalls voneinander lernen können. Von der Politik wird dies zwar nicht geünscht, siehe BAföG, PKV etc. aber ob ein stures Festhalten an "Turbo-Abi", immer mehr in weniger Zeit, der richtige Weg ist, ist fraglich.
Dengar 29.10.2013
4.
Ich hab auch erst mit 26 mein Studium aufgenommen. Es gab anfänglich sogar Kommilitonen, die mich gesietzt hatten, bis sie begriffen, dass ich kein Mitarbeiter, sondern Student war:-) Ich war sieben Jahre raus aus der Schule, und bei einem Ingenieursstudium ist das besonders hart, sich wieder einzufuchsen, aber ich hab's nie bereut, im Gegenteil. Mein Vorteil war, dass ich elternunabhängiges BaFög bekam (wegen fünfjähriger Berufstätigkeit) und auch in den Semesterferien in meinem alten Job weiterarbeiten konnte. Finanziell wäre es sonst hart gewesen.
blackpride 29.10.2013
5. Beautiful!
Ich war zwar noch recht weit diesseits der 30 als ich angefangen habe zu studieren, aber auch ich habe vorher eine Ausbildung gemacht und knapp drei Jahre lang gearbeitet. Insofern kann ich alles nachvollziehen. Bei mir war der Auslöser nämlich auch, dass ich dachte, das kann doch nicht alles gewesen sein. Es war immer mein Traum zu studieren, in Vorlesungen zu gehen, in der Bib zu sitzen und einfach das Leben als Student zu genießen. Ich habe es niemals bereut, meine Arbeit aufzugeben, um zu studieren, denn wenn ich vergleiche wo ich heute bin, was ich heute mache und was ich damals gemacht habe, kann ich nur schließen: Ich habe alles richtig gemacht! Einen Vorteil hat das Studium nach Ausbildung und Arbeit: Man studiert nicht einfach nur so. Man hat eine Arbeit aufgegeben für sein Studium und daher ist man vom ersten Tag Feuer und Flamme. Und so wie die erste Studentin berichtet hat war es auch bei mir: Es war wie frisch verliebt! @Kommentar1: Exakt! Mikrokosmus Uni, sehr schön ausgedrückt. Ich möchte diese Zeit nicht mehr missen; es ist aber auch schön, endlich wieder Geld zu verdienen ;) Ich wünsche allen Studenten viel Erfolg im Studium und natürlich viel Spaß im Studentenleben. Ihr habt euren Kommilitonen eine ganze Menge an Lebens- und Berufserfahrung voraus. Ihr müsst euer Licht nicht unter irgendeinen Scheffel stellen!!!
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