Erstsemester über 30 "Ich hab das Gefühl, ich bin verliebt"

Sie standen im Beruf, jetzt wollen sie's noch mal wissen: Fünf Erstsemester über 30 kehren der Bank, dem Supermarkt oder dem Sekretariat den Rücken und gehen jetzt zur Uni. Hier berichten sie über Bauchkribbeln, Bafög-Sorgen und Butterbrote.

Von Anne-Kathrin Gerstlauer


21 Jahre, so alt ist ein deutscher Erstsemester-Student im Durchschnitt. Die jüngsten sind 17 oder 18, manche sogar erst 16. Aber es gibt auch das glatte Gegenteil: Erstis Ü30. So alt starten nur wenige in ein neues oder gar in ihr erstes Studium. Über-30-Jährige machten 2012/2013 nur 3,5 Prozent der Studienanfänger aus, insgesamt sind derzeit 15 Prozent der Studenten älter als 30 Jahre.

Für viele ist es eine zweite Chance. Damals wollten sie nicht studieren, hatten kein Abitur oder einfach nicht die richtige Idee. Jetzt oder nie? Gar nicht so einfach: Die meisten Studenten werden von ihren Eltern unterstützt oder bekommen Bafög. Doch Hilfe vom Staat gibt es für alle über 30 nur in Ausnahmefällen, bei gesetzlichen Krankenversicherungen endet mit dem 30. Geburtstag der Studentenrabatt, die Kosten müssen selbst getragen werden.

Semesterstart heißt deshalb für die Erstsemester Ü30 auch oft: auf Wiedersehen, alter Lebensstil. Hier erzählen die fünf Neu-Studenten Heike, Dominik, Manuela, Dietrich und Tanja von ihrer Motivation und der ersten Uniwoche.

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the.queen.of.mean 29.10.2013
1. lebenslanges Lernen
Angeblich gehört den a-typischen Lebensläufen die Zukunft. Ich habe mit 27 angefangen zu studieren. Da fühlt man sich dann mit 30 so kurz vor dem Abschluss auch als Opa an der Uni. Dennoch kann ich das jedem empfehlen. Der Mikrokosmos Universität kann wirklich viel Freude machen, wenn man ein Studium beginnt, das den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht.
wwwwalter 29.10.2013
2. lebenslanges Lernen ja, aber bitte keine Prüfungen mehr !
Zitat von the.queen.of.meanAngeblich gehört den a-typischen Lebensläufen die Zukunft. Ich habe mit 27 angefangen zu studieren. Da fühlt man sich dann mit 30 so kurz vor dem Abschluss auch als Opa an der Uni. Dennoch kann ich das jedem empfehlen. Der Mikrokosmos Universität kann wirklich viel Freude machen, wenn man ein Studium beginnt, das den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht.
Wenn man es durchhält und am Ende schafft, ist das schön und bewundernswert. Ich kenne allerdings viele, die es nur versucht haben mit dem Studium, und ganz schnell wieder zurück an ihren füheren Arbeitsplatz gegangen sind. Ein Studium reicht mir. Irgendwann mal hat man so viele Prüfungssituationen mit allem damit verbundenem Stress hinter sich, das man sich so etwas nie mehr antun möchte. Als Gasthörer gerne - lebenslanges Lernen ja, aber Prüfungen bitte nie wieder !
Micken 29.10.2013
3. Umwege erhöhen die Ortskenntnis
Bei steigender Lebenserwartung, späteren Renteneintrittsalter und Fachkräftemangel, warum sollten dann Menschen über 30 Jahren nicht studieren?! Ich finde es gut wenn an den Unis und Hochschulen jüngere und ältere Menschen gemeinsam studieren und bestenfalls voneinander lernen können. Von der Politik wird dies zwar nicht geünscht, siehe BAföG, PKV etc. aber ob ein stures Festhalten an "Turbo-Abi", immer mehr in weniger Zeit, der richtige Weg ist, ist fraglich.
Dengar 29.10.2013
4.
Ich hab auch erst mit 26 mein Studium aufgenommen. Es gab anfänglich sogar Kommilitonen, die mich gesietzt hatten, bis sie begriffen, dass ich kein Mitarbeiter, sondern Student war:-) Ich war sieben Jahre raus aus der Schule, und bei einem Ingenieursstudium ist das besonders hart, sich wieder einzufuchsen, aber ich hab's nie bereut, im Gegenteil. Mein Vorteil war, dass ich elternunabhängiges BaFög bekam (wegen fünfjähriger Berufstätigkeit) und auch in den Semesterferien in meinem alten Job weiterarbeiten konnte. Finanziell wäre es sonst hart gewesen.
blackpride 29.10.2013
5. Beautiful!
Ich war zwar noch recht weit diesseits der 30 als ich angefangen habe zu studieren, aber auch ich habe vorher eine Ausbildung gemacht und knapp drei Jahre lang gearbeitet. Insofern kann ich alles nachvollziehen. Bei mir war der Auslöser nämlich auch, dass ich dachte, das kann doch nicht alles gewesen sein. Es war immer mein Traum zu studieren, in Vorlesungen zu gehen, in der Bib zu sitzen und einfach das Leben als Student zu genießen. Ich habe es niemals bereut, meine Arbeit aufzugeben, um zu studieren, denn wenn ich vergleiche wo ich heute bin, was ich heute mache und was ich damals gemacht habe, kann ich nur schließen: Ich habe alles richtig gemacht! Einen Vorteil hat das Studium nach Ausbildung und Arbeit: Man studiert nicht einfach nur so. Man hat eine Arbeit aufgegeben für sein Studium und daher ist man vom ersten Tag Feuer und Flamme. Und so wie die erste Studentin berichtet hat war es auch bei mir: Es war wie frisch verliebt! @Kommentar1: Exakt! Mikrokosmus Uni, sehr schön ausgedrückt. Ich möchte diese Zeit nicht mehr missen; es ist aber auch schön, endlich wieder Geld zu verdienen ;) Ich wünsche allen Studenten viel Erfolg im Studium und natürlich viel Spaß im Studentenleben. Ihr habt euren Kommilitonen eine ganze Menge an Lebens- und Berufserfahrung voraus. Ihr müsst euer Licht nicht unter irgendeinen Scheffel stellen!!!
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