Besondere Studiengänge Master der Selbstverwirklichung

Von Britta Mersch

3. Teil: Bernard, 26, studiert Fisch und Meer: Dem Weißschnauzendelfin das Hirn zerlegt


Meerestiere-Master: Bernard Chéret und die Krabbeltiere
Marlen Henning

Meerestiere-Master: Bernard Chéret und die Krabbeltiere

"Ich habe zunächst in Cottbus Environmental and Resource Management auf Bachelor studiert. Bei meinem Auslandssemester in Amman habe ich gemerkt, dass ich mehr über Gewässer erfahren möchte. Meere, Flüsse oder Bäche sind immer dem Einfluss des Menschen ausgeliefert, was sich auch auf die Fische auswirkt. Darum brauchen Gewässer unseren besonderen Schutz.

Im Master Fish Biology, Fisheries and Aquaculture an der HU Berlin beschäftigen wir uns unter anderem damit, wie man Fische züchtet und Fischkulturen bewirtschaftet. Außerdem setzen wir uns intensiv mit dem Fischereimanagement auseinander, also mit der Fragen, wie man bedrohte Fischbestände schützt und erhält. Wir untersuchen auch, welche Fische es im Meer gibt, wie alt sie sind und welche Populationen weniger oder gar nicht mehr gefangen werden sollten.

Besonders schlecht steht es beispielsweise um den Granatbarsch, ein Speisefisch aus der Tiefsee, der Schätzungen zufolge 150 Jahre alt werden kann. Er erreicht erst nach mehreren Jahrzehnten die Geschlechtsreife. Durch starke Befischung sind seine Bestände zusammengebrochen. Der Fang wurde von Australien und Neuseeland verboten.

Zu meinem Studium gehören viele Exkursionen. Eine besondere Tour habe ich in diesem Jahr bei einer Summer School in Island gemacht. Mit den für Island typischen Eichenbooten waren wir in einer Bucht im Norden der Insel unterwegs, in Husavík, und haben Wale und Delfine beobachtet. Wir haben Bilder von Buckelwalen gemacht und von ihren Fluken, waren also ganz nah an den Tieren dran. Außerdem haben wir einen gestrandeten Weißschnauzendelfin seziert. Er hatte in seinem Echo-Zentralorgan einen riesigen Bluterguss und war wohl deshalb nicht mehr in der Lage zu navigieren.

Ich bin jetzt im vierten Fachsemester und könnte eigentlich meine Masterarbeit schreiben. Aber Ende Dezember kommt meine Tochter zur Welt, deshalb schiebe ich die Arbeit etwas nach hinten. Ich hoffe aber, dass ich nach fünf Semestern fertig bin. In Berlin werde ich wohl nicht bleiben können. Ich könnte mir aber vorstellen, nach Island zu gehen, wenn meine Familie das mitmacht."

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insgesamt 16 Beiträge
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jalu-2008 21.11.2014
1. Hobby studieren?
Kaukasiologie, Friesische Philologie , Musik des Mittelalters .... Haben die Studenten da vielleicht Hobby und Beruf verwechselt? Ich hoffe nur, dass die Ernüchterung nach dem Studium nicht zu heftig ausfällt, wenn es um die Jobsuche und das finanzielle Auskommen geht.
bonngoldbaer 21.11.2014
2. Hoffentlich
Hoffentlich werden diese Fächer nicht irgendwann abgewickelt. Wissenschaft, die nicht unmittelbar den Firmenimteressen dient, ist leider in Deutschland kaum noch gefragt. Vom Land der Dichter und Denker ist nur noch die erste Hälfte übrig geblieben - und die ist auch kurz vor dem Aussterben.
SpiDe1500 21.11.2014
3. ...
Ich hoffe alle vorgestellten Personen haben eine gültige Fahrerlaubnis und Freude am Autofahren. Nach dem Abschluss hat man dann die Wahl: Weiter aus Spaß studieren oder Taxi fahren.
HesaLhaina 21.11.2014
4. Wenn man solche Exoten studiert...
Zitat von jalu-2008Kaukasiologie, Friesische Philologie , Musik des Mittelalters .... Haben die Studenten da vielleicht Hobby und Beruf verwechselt? Ich hoffe nur, dass die Ernüchterung nach dem Studium nicht zu heftig ausfällt, wenn es um die Jobsuche und das finanzielle Auskommen geht.
... muss man a) eine Leidenschaft mitbringen und b) hat man gewiss schon mindestens die vage Vorstellung, dass man kein Millionär wird... denn muss es das denn immer sein? Wär es besser, wenn man ohne Herzblut BWL studiert, weil man da aber ganz sicher ein solides Studium hat, nur um kurz nach der Ausbildung festzustellen, dass man entweder unter Niveau arbeiten muss, weil zig hunderte den selben Gedanken hatten, oder es einem so wenig Freude macht, dass man schon mit Bauchweh in die Arbeit geht? In Deutschland besteht seit den 1960er Jahren vielfach das Denken, dass der Beruf die hauptsächliche Bedeutung der Lebensunterhaltssicherung hat. Man sieht das auch immer gerne in den "Milchmädchenrechnungen", dass wir soundso viele Arbeitslose haben, und soundso viele freie Stellen, beispielsweise in der Altenpflege, aber wer sich nicht ansatzweise in dem Beruf sieht, den kann man da auch nicht zu seinem Glück zwingen - er wird nur sich und andere unglücklich machen (auf längere Sicht). Ohne etwas Herzblut ist ein Beruf nicht lebenslang ausführbar. Schade ist, dass sich viele junge Menschen auch heute noch eher denken "Womit bekomm ich eine gut bezahlte Stelle?" statt sich zu fragen, was sie eigentlich gerne tun würden. Es muss ja auch nicht immer das Extrem sein (statt Jurist lieber Konditor werden (kein Anschlag auf Konditoren hier, der Beruf ist nur einer der am schlechtesten bezahlten Ausbildungsberufe)), aber irgendwie schon Freude am Arbeiten zu haben... Weiterhin muss es ja auch Menschen geben, die sich qualifiziert für den Erhalt von Kulturgut einsetzen - und solang diese Studiengänge (bei Masterstudiengängen handelt es sich auch übrigens oft um Spezialisierungen, mit denen man sich (im Idealfall) schon etwas mehr auseinandergesetzt hat) nicht vollkommen überrannt werden (wie z.B. BWL - ehrlich, wo arbeiten die alle?), finden die Absolventen schon irgendwo ihre Nische :)
Robeuten_II 21.11.2014
5.
Zitat von SpiDe1500Ich hoffe alle vorgestellten Personen haben eine gültige Fahrerlaubnis und Freude am Autofahren. Nach dem Abschluss hat man dann die Wahl: Weiter aus Spaß studieren oder Taxi fahren.
Hm, bis die fertig sind, werden autonom fahrende Fahrzeuge diesen Markt komplett aufgemischt haben... Bleibt nur, noch eine Promotion draufzusetzen ;-)...
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