Bewerbung um Exzellenzcluster 41 Hochschulen ziehen in Endrunde ein

88 Projekte von 41 Hochschulen sind noch im Rennen um die Förderung als Exzellenzcluster. Nur Unis, die im Wettbewerb gut abschneiden, haben auch Chancen auf einen Titel als Exzellenzuniversität.

Die Humboldt-Universität zu Berlin hat es in die Endrunde geschafft.
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Die Humboldt-Universität zu Berlin hat es in die Endrunde geschafft.


Ein internationales Expertengremium hat aus 195 Bewerbungen 88 Hochschulprojekte ausgewählt, die in der finalen Bewerbungsrunde um Exzellenzcluster konkurrieren. Das teilte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit, die den Wettbewerb im Auftrag von Bund und Ländern durchführt.

Bund und Länder hatten sich im vergangenen Sommer mit der neuen "Exzellenzstrategie" auf den Nachfolger der Exzellenzinitiative geeinigt. Der Wettbewerb wurde 2005 erstmals ausgelobt. Mit ihm sollte die Spitzenforschung und die Zukunftsfähigkeit der Unis gefördert werden. Die Exzellenzcluster sollen den Unis helfen, sich international sichtbar als konkurrenzfähige Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen zu etablieren und zu vernetzen.

Die 88 ausgewählten Bewerbungen kommen von 41 Hochschulen aus 13 Bundesländern. Rund 40 Prozent der Projekte knüpfen an Exzellenzcluster an, die bereits in der vorausgegangenen Exzellenzinitiative gefördert wurden; rund 60 Prozent wurden für den Wettbewerb in der Exzellenzstrategie komplett neu konzipiert, teilte der DFG mit.

Die Unis müssen ihre Bewerbungsskizzen nun zu Förderanträgen ausarbeiten. Erst im September 2018 entscheidet die international besetzte Exzellenzkommission über die Gewinner. 45 bis 50 Projekte sollen es sein.

Studierendenvertretungen kritisieren Exzellenzstrategie

Die erfolgreichen Exzellenzcluster werden ab dem 1. Januar 2019 für sieben Jahre gefördert. Für alle Projekte zusammen sind jährlich rund 385 Millionen Euro Fördermittel vorgesehen. 75 Prozent zahlt der Bund, die restlichen 25 Prozent das Bundesland, in dem die Hochschule sitzt.

Die Entscheidung über die Exzellenzcluster ist eine wichtige Voraussetzung für eine Bewerbung als Exzellenzuniversität: Nur elf Unis können das Rennen gewinnen.

Studierendenvertretungen kritisieren die Exzellenzstrategie. Durch den Wettbewerb verkomme die wissenschaftliche Auseinandersetzungen zu einem behördlichen Verwaltungsakt, sagte Nathalie Schäfer, Vorstand des Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs).

Die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS) kritisiert, dass die Exzellenzstrategie nichts an der mangelnden Grundfinanzierung ändere, unter der zum Beispiel Hochschulen in Sachsen litten.

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insgesamt 7 Beiträge
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GueMue 29.09.2017
1. Exzellenz ist Fehlsignal
Einzelne Forscher oder -innen sind exzellent. Der Auswahlprozess der Sieger extrem aufwendig. Danach ist Lehre zweitrangig. Es geht nicht anders, als dass erstklassige Forscher sich selbstausbeuterisch auf die Forschung konzentrieren muessen. Lehre wird von nachrangige Personen bestritten. Lehre mag didaktisch gut und spassig sein, inhaltlich erstklassig ist sie von lehrprofessoren fast nie.
Benjowi 29.09.2017
2. Politische Kungelei-wie alles in dieser tollen Republik
Seitdem die Auswahl dieser Exzellenzcluster in die politische Kungelei verlagert wurde, sind die Auswahlkriterien eigentlich nichts mehr wert. Abgesehen davon sagt das ganze Getue keineswegs irgendetwas über die Qualität der Lehre an der entsprechenden Universität aus-eher das Gegenteil.
ka888amazon 29.09.2017
3. Exzellenz ist wichtig
Die Exzellenzinitiative und die jetzt dauerhaft verankerte Exzellenzstrategie sind wichtig für Deutschlands Forschungslandschaft. Man kann sicherlich darüber streiten, ob jeder Euro in der Exz-Strategie genauso viel "bringt" (Nobelpreise, Veröffentlichungen, "Fortschritt an sich"), wenn man ihn einem Max-Planck-Institut gibt oder über einen Sonderforschungsbereich der Forschung zur Verfügung stellt (weil die Exzellenzcluster riesige Verbünde sind, deren Effizienz durchaus schwankt), aber die Werbewirkung für den Forschungsstandort Deutschland ist international gesehen enorm! Unser Forschungsstandort ist international nämlich absolut unterschätzt, das sieht man auch an den weltweiten Rankings aller Universitäten. Exzellenzcluster erlauben es, eine neue Forschungsidee in relativ schneller Zeit auf ihre Tragfähigkeit zu testen, weil man mit großem Personalbudget rangehen kann. So können sich die Forscherinnen und Forscher in Deutschland einen enormen Wettbewerbsvorteil sichern, der in vielen Fällen auch zu Innovationen führt, von denen Deutschland profitieren kann! Beispielsweise Medizintechnik. Zudem: Die Themen werden NICHT von irgendwem (zum Beispiel in der Politik) vorgegeben, sondern von den Forschenden vorgeschlagen. Lehre und Grundfinanzierung. Ja, Lehre wird in diesem Programm nicht gefördert, ABER die Aussage, gute Lehre habe mit guter Forschung nichts zu tun, kann ich nicht unterstreichen. Ich bemühe mich, sehr gute Lehre anzubieten, weil ich gerne gut ausgebildete Studierende später in meiner Gruppe haben möchte, damit ich z.B. in einem Exzellenzcluster oder einem Sonderforschungsbereich auch weltweit konkurrierende Forschungen durchführen kann! Ich bin auf clevere Studierende angewiesen, die ich in meinen Arbeitsbereich mit guter Lehre anziehen möchte, WENN sich die Studies auch noch für mein Forschungsgebiet interessieren. Ja, die Grundfinanzierung ist ein Problem. ABER - das ist LÄNDERSACHE! Hilft nix. Die Kritik "Durch den Wettbewerb verkomme die wissenschaftliche Auseinandersetzungen zu einem behördlichen Verwaltungsakt" kann ich gar nicht nachvollziehen. Ich habe schon genügend behördlichen Verwaltungsakt, einem Doktoranden den Arbeitsvertrag zu verlängern nach dem neuen WissZeitVG!!! (Darüber würde ich mit denen, die uns dieses Gesetz eingebrockt haben, gerne einmal reden.)
mafreschi 29.09.2017
4. EX-INI politisch ausgekungelt? FAKE NEWS
@Benjowi: Zu Ihrer Information, die Politik ist beim Auswahlprozess vollkommen aussen vor. Im Expertengremium sitzen nur ausgewiesene WissenschaftlerInnen, mit voller Absicht keine Leute aus der Politik!!! Informieren Sie sich auf den Seiten der Deutschen Forschubgsgemeinschaft: www.dfg.de
Stillner 30.09.2017
5. Fehlinvestition
Die Ausgaben für die sogenannte Exzellenzinitiative sind eine riesige Fehlinvestition. Hier wird Wettbewerb propagiert, tatsächlich aber nur eine gigantische Verschwendung von Ressourcen organisiert. Rechnet man allein schon, wieviel Arbeitszeit von Professoren, Mitarbeitern und Verwaltungspersonal in die 195 Anträge geflossen ist, von denen 107 nun auf der Strecke geblieben sind, dann ist schon das ein unglaublicher Kollateralschaden. Doch darüber hinaus wird hier beharrlich vorgespiegelt, man könne ein unterfinanziertes System dadurch verbessern, dass man punktuell einzelne Forschungsprojekte und einzelne Universitäten besonders fördert. Dabei war es immer die große Qualität des deutschen Hochschulsystems, dass es gleichmäßig ein hohes Niveau hatte und Studierende an jedem Standort ein ziemlich gutes Studium erhielten. Immer mehr aber sind die Universitäten, wenn sie eine halbwegs ausreichende Grundfinanzierung herstellen wollen, auf Overhead-Einnahmen aus Drittmittelprojekten und Erfolge bei Wettbewerben angewiesen. Dadurch entsteht auch das Phänomen, dass fortlaufend mehr Leute habilitiert werden als jemals im System gebraucht werden können. Alles das wird dadurch noch verschlimmert, dass es in der Bildungspolitik eine mehr oder weniger alle Parteien umfassende riesengroße Koalition gibt, die Opposition allenfalls noch in einigen Redaktionen findet, die beharrlich den Quatsch kritisieren, der da angestellt wird.
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