Exzellenzinitiative "Cyberkriminelle" foppen Uni Mainz und Asta

Die Gutenberg-Universität Mainz will nicht Elite werden - mit dieser Falschmeldung schreckten unbekannte Täter Hochschule und Lokalpresse auf. Der ersten Ente, derzufolge die Uni aus der Exzellenzinitiative aussteigen wolle, folgte eine zweite: eine Reaktion des Asta. Witzig findet das niemand.

Domus Universitatis in Mainz: Gefälschte Pressemitteilung der Uni sorgte für Aufregung
DDP

Domus Universitatis in Mainz: Gefälschte Pressemitteilung der Uni sorgte für Aufregung


"Ausstieg aus der Exzellenzinitiative wegweisend für die Zukunft" - so lautete die Überschrift einer gefälschten Pressemitteilung, die am Freitagabend an mehrere Zeitungsredaktionen in der Region Mainz verschickt wurde.

Das berichtete unter anderem die Mainzer "Rhein-Zeitung" am Wochenende, die auch selbst auf die offiziell wirkende Mitteilung hereinfiel und die Meldung am Samstag ins Blatt nahm. Die Uni dementierte sofort - doch das Gerücht war in der Welt und hatte die Region in große Aufregung versetzt, wie das Blatt schreibt.

Auf drei Seiten erklärte die Falschmeldung, warum die Universität aus der Exzellenzinitiative aussteigen wolle. Den Kopf der Meldung zierte das Logo der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, Absenderin war angeblich die Pressesprecherin der Universität.

Die Falschmeldung enthielt auch Zitate, die die Autoren dem Mainzer Uni-Präsidenten Georg Krausch in den Mund legten - alle frei erfunden. Die Autoren schrieben im falschen Namen unter anderem, die Exzellenzinitiative führe zu einem "ruinösen Wettkampf" zwischen den Universitäten und einer ungerechtfertigten Bevorzugung einzelner Wissenschaftszweige, zitiert die "Allgemeine Zeitung" aus dem Papier.

Die Universität erklärte am Samstag, es handele sich bei der Aussendung um eine Fälschung. Sämtliche Inhalte seien "frei erfunden und völlig unzutreffend". Die Universität habe Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt. Die Bewerbung für die Exzellenzinitiative werde die Attacke mit der falschen Pressemitteilung aber nicht gefährden, gab sich der echte Uni-Präsident Georg Krausch in einem Interview mit der "Allgemeinen Zeitung" überzeugt.

Die Exzellenzinitiative ist in Hochschulkreisen nicht unumstritten - ein Ausstieg einer Hochschule aus dem laufenden Verfahren wäre allerdings eine sehr große Überraschung. Für die nächste Runde des mit 2,7 Milliarden Euro geförderten Wettbewerbs von Bund und Ländern ist die Uni Mainz mit einer Graduiertenschule und drei Exzellenzclustern im Rennen. Außerdem hat sie die Gutachter in der Vorauswahl mit einem Konzept für die prestigeträchtige dritte Förderlinie überzeugt,, in der es um den Titel zur Elite-Universität geht. Als eine von sieben neuen Universitäten hat sie nun bis Anfang September Zeit, ein überzeugendes Zukunftskonzept zu präsentieren. Es steht unter dem Titel: "The Gutenberg Spirit: Moving Minds - Crossing Boundaries". Die Entscheidung fällt dann im Sommer 2012.

Echter Asta vermutet Hackerangriff

Doch der Angriff auf die Reputation der Mainzer Uni traf nicht nur die Hochschulleitung - auch die Studentenvertreter des RCDS-geführten Asta wurden Zielscheibe der Falschmelder. In einer weiteren falschen Pressemitteilung reagierte scheinbar der Asta auf die Ankündigung vom vermeintlichen Ende der Mainzer Eliteambitionen.

Der Entschluss zeige, wie groß der Einfluss linksextremer Gruppierungen an der Universität sei, legten die Autoren dem Asta-Vorsitzenden in den Mund. "Offenbar hat die Universitätsleitung hier nur dem penetranten Lobbyismus dieser Gruppe nachgegeben, die aus rein ideologischen Gründen schon seit Jahren eine exzellente Forschung in Mainz zu sabotieren versuchen", wird der vermeintliche Asta zitiert.

In einer schnellen Reaktion nannte der echte Asta-Vorsitzende Wolfgang Schärfe (RCDS) den Inhalt der Pressemitteilung "blanken Unsinn". Kritik an der Exzellenzinitiative werde vom Asta nicht als linksextrem angesehen. "Wir lassen uns von Kriminellen nicht solche Worte in den Mund legen."

Der Asta vermutet, dass sich "Cyberkriminelle" Zugang zur Internetseite und zum E-Mail-Postfach des Pressereferats verschafft haben, um von dort aus die falsche Pressemitteilung des Asta zu versenden. "Wir werden gemeinsam mit der Universität überlegen, wie wir darauf reagieren und die entsprechenden Strafverfolgungsbehörden einschalten", sagte Schärfe.

mer



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