Milliarden für deutsche Elite-Unis Harvard geht anders

Milliarden haben deutsche Unis während der Exzellenzinitiative bekommen - endlich sollten sie international mithalten können. Das hat zwar nicht geklappt, aber ein Gutachten kommt jetzt zu dem Schluss: Es war nicht alles schlecht beim Elite-Wettbewerb.

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Studenten in Mainz (Archiv): Wie geht es weiter mit der Förderung der Unis?
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Studenten in Mainz (Archiv): Wie geht es weiter mit der Förderung der Unis?


Antragsprosa - so lautete ein böses Wort, das in Professorenbüros und in Hochschulverwaltungen während der Exzellenzinitiative kursierte: Gemeint war die Kunst, möglichst optimistisch aufzuschreiben, was man denn so vorhabe in Sachen Spitzenforschung, Vernetzung, Nachwuchsförderung - am besten so, dass sich daraus auch Powerpoint-Präsentation bauen lassen.

Mit solchen "Zukunftskonzepten" bewarben sich die Hochschulen um den Status einer "Elite-Uni" - und um viel Geld. Die Exzellenzinitiative hielt über Jahre Bildungspolitiker, Hochschulmanager und Professoren in Atem.

Jetzt hat eine Expertenkommission die Programme durchleuchtet und kommt zu dem Urteil: Die Spitzenforschung in Deutschland ist in den vergangenen acht Jahren ganz gut vorangekommen. Gleichzeitig aber weisen Kommissionsleiter Dieter Imboden, nach dem das Gremium benannt ist, und seine Kollegen auf erhebliche Probleme hin. Sie müssten bei einer Fortsetzung der Exzellenzinitiative gelöst werden.

Einerseits sollen sich die Unis künftig nicht mehr vor allem mit ihren Plänen für die Zukunft bewerben. Stattdessen sollen sie mit Daten über die Qualität ihrer bisherigen Arbeit überzeugen. Anderseits soll die Förderung flexibler und die Nachwuchsförderung im Rahmen des Elite-Konzepts ganz eingestellt werden.

Die wichtigsten Punkte des am Freitag vorgestellten Gutachtens im Überblick:

Gibt es noch Zweifel an der Fortsetzung der Eliteförderung ?

Nein, nach dem grundsätzlich positiven Gutachten ist klar: Auch über 2017 hinaus wird die Politik die Spitzenforschung mit viel Geld fördern. CDU und SPD im Bundestag hatten bereits deutlich gemacht, dass sie weitere fünf Milliarden für zehn Jahre einplanen - eine Summe, die sich auf dem Niveau der bisherigen Exzellenzinitiative bewegt. Die Entscheidung darüber soll im Sommer zwischen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten der Länder fallen. Die Imboden-Kommission weist hier aber auf einen wichtigen Punkt hin: Sie drängt auf eine automatische jährliche Steigerung der Förderung, weil steigende Kosten sonst zu einer schleichenden Kürzung führen würden.

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Elite-Unis: Das sind die deutschen Exzellenzen
Die Nachwuchsförderung soll laut Gutachten ausgeklammert werden. Was heißt das für die Doktoranden an den Elite-Unis?

Die Imboden-Kommission argumentiert, dass man sich bei der Förderung der Spitzenforschung auf wenige Ziele konzentrieren sollte - und die Ausbildung von Doktoranden gehört nicht dazu. Das ist im Hinblick auf die erhofften Spitzenleistungen nachvollziehbar. Schließlich fangen die Doktoranden gerade erst mit dem wissenschaftlichen Arbeiten an. Schwierig wird es allerdings, wenn die Graduiertenschulen, die viele Unis aufgebaut haben, jetzt auslaufen und damit die Versorgung mit gut ausgebildeten Nachwuchsforschern zusammenbricht. Hier müssten Bund und Länder einspringen, um die Ausbildung von jungen Forschern dauerhaft zu sichern.

Kann der Anschluss an die US-amerikanische Spitzenforschung gelingen?

Nein, das wäre eine Illusion. "Princeton oder Harvard können wir nicht nachmachen, dafür reicht das Geld hinten und vorne nicht", sagt Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK): "Zum Umkrempeln des gesamten Wissenschaftssystems in Deutschland fehlen ein paar Nullen." Möglicherweise wäre der Sprung in die Weltspitze möglich, wenn das gesamte Geld der Exzellenzinitiative an eine einzige Uni ginge und nicht über fünf Jahre, sondern nur auf ein oder zwei Jahre verteilt würde. Zusätzlich müsste diese massive Förderung noch dauerhaft gesichert sein. Dieser Plan taugt allerdings nur als Gedankenexperiment - in der Realität der föderalen Eifersüchteleien zwischen den Bundesländern wäre er nicht durchzusetzen.

Welchen Einfluss nimmt die Politik auf die Förderentscheidungen der Exzellenzinitiative II?

Ein direktes Hineinreden in wissenschaftliche Förderentscheidungen dürfte kaum durchzusetzen sein. Die Forschungspolitiker in Bund und Ländern gehen da subtiler vor: Sie werden versuchen, ganz generell die Chancen für ihre Klientel, ihr Bundesland oder ihre Lieblingshochschule zu verbessern. Wichtig dafür ist vor allem die Frage, wie viele Spitzenunis in Zukunft gefördert werden und wie viele Forschungsnetzwerke, die über mehrere Hochschulen hinweg zusammenarbeiten, Geld aus dem Elite-Topf bekommen. Je stärker die Mittel auf wenige Hochschulen und Projekte konzentriert werden, desto geringer die Chancen der einzelnen Regionen und Bundesländer, etwas vom großen Fördertopf abzubekommen.

Wie geht es jetzt weiter?

Bis zum Sommer soll die Entscheidung stehen, wie es ab 2017 mit der Exzellenzinitiative weitergeht. Das ist ein ambitionierter Zeitplan, weil es nicht zu viel Streit darüber geben darf, wie die Förderung genau aussehen soll. Andererseits liegt mit dem Gutachten der Imboden-Kommission jetzt eine Blaupause vor, an der sich die Politik orientieren kann - damit sollte eine schnelle Entscheidung möglich sein.

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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
iamwiesl2 29.01.2016
1. deswegen sollte
jeder Student auch Gebühren zahlen! Natürlich müssten dafür auch die Banken bereit sein das entsprechend zu finanzieren und nicht wie jetz mit einem zins von über 8%!!! dann hätten die unis auch mehr Geld...Aber nur vom Staat finanziert ist auf Dauer ein witz
Reza Rosenbaum 29.01.2016
2. Spitzenforschung is nicht nur eine Frage des Geldes
Auch mit allem Geld der Initiative auf eine Hochschule konzentriert, koennte eine Forschungsanstalt wie Harvard in D derzeit nicht entstehen. Das System in D zieht angepasste Opportunisten heran, die sich durch Promotion und Habilitation in die Reihen der Altvorderen aalglatt einfuegen. Spitzenforschung aber lebt von den Wilden, den Stoerenfrieden, den Verrueckten, die sich an Dinge wagen, die andere fuer plemplem erklaeren. Die nicht morgens ins Labor kommen, weil sie den Doktorvater oder Lehrstuhlinhaber nicht veraergern wollen, sondern weil sie fuer Forschung brennen. Die US Spitzen-Unis haben das kapiert, die deutschen werden das in diesem Jahrhundert wohl nicht mehr schnallen.
kfp 29.01.2016
3. Nachwuchsförderung = Schneeballsystem
Sehr ermutigend, dass endlich mal die Nachwuchsförderung nicht als Nonplusultra hochgelobt wird. Universitäten und Forschungsinstitute setzen vermehrt auf Nachwuchswissenschaftler, die ja meistens billiger, quasi von selbst befristet und hochmotiviert sind, sich zu bewähren. Aber wehe, die erreichten dann ihr Ziel und wollten plötzlich eine richtige Stelle... Es wird höchste Zeit, dass jemand in exponierter Position sich dafür ausspricht, dieses Schneeballsystem nicht weiter zu unterstützen...
demophon 29.01.2016
4. Spendenranking
---Zitat--- "Princeton oder Harvard können wir nicht nachmachen, dafür reicht das Geld hinten und vorne nicht", sagt Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz ---Zitatende--- Die amerikanischen Spitzen-Unis finanzieren sich zu einem großen Teil durch Spenden wohlhabender Alumni. Dabei steht die Uni Stanford an erster Stelle mit $1,63 Milliarden, gefolgt von Harvard mit $1,05 Milliarden im letzten Jahr. Princeton kommt erst an 8. Stelle mit rd. $550 Millionen. Etwas mehr Sachkenntnis sollte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz schon aufweisen. http://time.com/money/4195204/2015-donations-colleges-universities/
marthaimschnee 29.01.2016
5.
Die Frage ist doch, ob es für ein kleines Land wie unseres überhaupt Sinn macht, einige wenige mit aller Macht an die Spitze zu hieven., oder ob wir nicht besser der Breite eine möglichst gute akademische Ausbildung zukommen lassen sollten. Sieht man ja perfekt an der Bundeswehruni, die selektieren sich um die 50% der Besten raus und beschweren sich dann allen Ernstes über Nachwuchsprobleme. Das ist doch völlig schizophren.
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