Hochschulförderung Bis zur echten Exzellenz ist es noch weit

Fünf Milliarden für deutsche Unis - lohnt sich das? Eine Kommission hat zehn Jahre Exzellenzinitiative ausgewertet. Ihre Bilanz ist positiv, aber: Künftig sollen Versprechen weniger und Fakten mehr zählen.

Von und Maximilian Gerl

DPA

"Erfolgreich", "beeindruckend" und immer wieder "exzellent": Zwischen all den hymnischen Vokabeln drohte die Kritik an der Exzellenzinitiative fast unterzugehen. Sicher, Dieter Imboden, der mit einer international besetzten Kommission die Aufgabe hatte, das größte Förderprojekt der bundesdeutschen Hochschulgeschichte zu bewerten, hatte schon vorher deutlich gemacht: Das Konzept hält er prinzipiell für richtig.

Doch am Freitag präsentierte er freundlich verpackt auch Kritik. Sie setzt an zwei zentralen Punkten an.

Zum einen: Geht es nach Imboden und seinen Experten, werden sich die Unis künftig nicht mehr vor allem mit Zukunftskonzepten bewerben, sondern müssen mit Daten über die Qualität ihrer bisherigen Arbeit um Geld konkurrieren. Zum anderen: Die Regeln für Exzellenzcluster, also fächerübergreifende Forschungsprojekte mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft, sollen künftig flexibler gestaltet werden.

Imboden lobt die Arbeit der Cluster zwar ausdrücklich. Mit weniger strengen Förderregeln will Imboden aber unter anderem erreichen, dass auch kleinere Cluster finanziert werden und damit auch kleinere Unis.

Neue Rangliste

Für mehr Wirbel könnten seine Empfehlungen zu den Zukunftskonzepten sorgen, dem wohl bekanntesten Baustein der Exzellenzinitiative. Das bisherige Verfahren: Universitäten reichen Zukunftskonzepte ein, oft hochtrabende Absichtserklärungen darüber, wie sie Forschung und Lehre mit den erhofften Fördergeldern umgestalten wollen.

Imboden sagt, dieses Verfahren fördere die Neigung, "Dinge zu versprechen, die nicht eingehalten werden". Bis die Umsetzung bewertet werden kann, ist das Geld längst geflossen. Er schlägt vor, wichtige Erfolgsdaten der Unis aus den vorangegangenen Jahren zu sammeln und so eine Rangliste zu erstellen. Die zehn besten Unis bekommen einen Bonus.

Welche Daten das genau sein sollen, ist unklar. In Betracht kommen Werte wie das Zahlenverhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden, die Zahl wissenschaftlicher Publikationen oder etwa Zufriedenheitswerte für Professoren. "Einen 50-jährigen Professor kann ich leicht bewerten", sagt Imboden - im Gegensatz zu Forschungsprojekten, die noch kommen. Ganz abschaffen will Imboden die Förderlinie der Graduiertenschulen für wissenschaftlichen Nachwuchs.

Insgesamt fällt seine Zehn-Jahres-Bilanz außerordentlich positiv aus: "Die Exzellenzinitiative hat es geschafft, an den Universitäten einen Strukturwandel in Gang zu setzen, Spitzenforschung zu fördern und die Internationalisierung voranzutreiben." Eine abschließende Bewertung sei aber erst nach drei oder gar vier Jahrzehnten möglich. "Die deutschen Universitäten sind auf dem Weg, aber das Ziel ist noch weit."

Kampf um Fördergelder

Nicht zuletzt läutet der Bericht eine neue Runde im Kampf um Fördergelder ein. 2017 läuft das gegenwärtige Förderprogramm aus, dann werden die Mittel neu verteilt.

So hat beispielsweise der Chef des Wissenschaftsrates, Manfred Prenzel, davon abgeraten, die Zahl der bisher elf Elite-Universitäten stark zu reduzieren. "Ich würde sehr vorsichtig sein, hier mit einer festen Zahl ins Gespräch zu gehen", sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Es könne sehr wohl mehr als fünf, sechs oder sieben herausragende Universitäten in Deutschland geben.

Eine Reduzierung der Zahl der Elite-Unis hatten Unionspolitiker ins Spiel gebracht. Bliebe der Geldtopf gleich, würde jede dieser Unis damit mehr Geld bekommen - aus der Sicht vieler ein Schlüsselfaktor, um in einer Liga mit den Universitäten in Cambridge oder Harvard zu spielen. Es sei aber nie Ziel der Exzellenzinitiative gewesen, ein deutsches Harvard oder Cambridge zu schaffen, sagte Manfred Prenzel.

Auch zu dieser Streitfrage nahm Imboden Stellung. Er finde nicht, dass es zu viele Exzellenz-Unis gibt, sagte er. Acht bis zwölf Hochschulen halte er für eine sinnvolle Größenordnung.

Im kommenden Jahr will Bildungsministerin Johanna Wanka die Fortsetzung der Initiative in die Wege leiten. Die Eckwerte: Laufzeit von 2018 bis 2028, mindestens fünf Milliarden Euro. Um die Schwerpunkte werden Bund und Länder bis zu einer Entscheidung auf höchster Ebene im Sommer eifrig feilschen. Danach beginnt der Wettbewerb der Hochschulen um die besten Exzellenzkonzepte und ihre künftige Förderung.

Mit Material von dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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Freiheit für Europa 29.01.2016
1. Selbstkorrumpierendes Wissenschaftssystem
Manchmal sind ja Professorenfamilien ganz interessant, da gibt es vielleicht auch gegenseitigen Ansporn, aber manchmal ist es nur ein Warnzeichen wie hoffnungslos echte Wissenschaftler ohne akademisches Elternhaus die Chancenlosigkeit im deutsch-sprachigen Raum beurteilen sollten. Wer nicht mit Professorentitel geboren wurde, sollte es besser hierzulande lassen und einen seriösen Beruf lernen.
christiewarwel 29.01.2016
2. War da was?
Akademischer Mittelbau, überfüllte Hörsäle, marode Infrastruktur -war da was? Nicht so wichtig, Exzellenz klingt besser und verkauft sich besser als Grundlagenforschung und mühsame Kleinarbeit. Der einzige Rat, den man angehenden Wissenschaftlern bei uns noch geben kann: Abstimmung mit den Füßen!
molokai 29.01.2016
3. exzellente Lotterie
Die Auswahlverfahren sind zu wenig auf einheitliche Ziele gerichtet. Da wird viel verpestete Luft heiss gemacht, die sich stark ausdehnt. Ge-managte Universitäten, internationale Zusammenarbeit/industrielle-universitäre Verbünde, so geht es wahrscheinlich nicht. Am Anfang jeden Projekts steht immer eine, meist riskante Idee, meist eines einzelnen. Unsere Gesellschaft liebt keine Risiken, sie fördert auch nicht gerne riskante Forschung, es könnte ja was unberechenbares herauskommen, oder es geht ganz schief. Wie entsetzlich! Wir wünschen eine politisch verordnete Verteilung der Intelligenz und Kreativität wie eine gleiche Verteilung der Vermögen. Na denn!
Newspeak 29.01.2016
4. ...
Exzellenz entsteht nicht, weil man sie verordnet. Und sie entsteht auch nicht allein durch Geld. Exzellenz entsteht, wenn man gute Leute, das machen lässt, was sie wollen. Aber das birgt Risiken. Das setzt Vertrauen voraus. Beides kann unsere mittelmäßige politische Klasse nicht aushalten. Man sucht immer nur den kleinstmöglichen Konsens. Man muß alles kontrollieren (evaluieren). Und der deutsche Durchschnittsprofessor? Ein Opportunist vor dem Herrn. Woher also soll die Exzellenz kommen? Deutschland ist ein erbärmliches Land und in manchen Dingen nicht besser als die DDR. Die haben auch an verordnete Exzellenz geglaubt. Es ist nur schade, daß schlechte Systeme immer so lange brauchen, bis sie in sich zusammenfallen.
leif_tristan_laumann 29.01.2016
5. Mittelmäßig, phantasielos und dabei...
boshaft arrogant, teuer und selbstfortpflanzend. Die Beschreibung des deutschen Bildungsestablishments in einem Satz. Forschen auf Deutsch (ISBN: 978-3808555262) eben. Aber eigentlich gilt das allgemein für das deutsche Corporate Establishment (Politik, BASF, VW, etc...) Die Geschichte von Nobelpreisträger Stefan Hell spricht Bände, wenn er nicht nach Turku in Finnland gegangen wäre um da sein Thema anzufangen (kein Deutscher Prof. wollte ihm da Gelegenheit zu geboten), was hätte Ihn in Deutschland erwartet? TVöD E-13-L in Stufe 2 (wenn man sich honorig gibt sogar 3) befristet, durchsetzt mit AlG I / II Phasen, dann mit einer Wahrscheinlichkeit deutlich größer Null ein ALG II Dauerabo, um dann von dem Jobcenter seines Vertrauens "entakademisiert" (sic Jobcenterjargon) zu werden und sich bei McGeiz auf die Kasse bewerben müssen.
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