Abschlüsse von Fake-Unis Dr. Dödel

Abschlüsse von falschen US-Unis sind leicht zu haben - deutsche Xing-Nutzer tragen diese Fake-Diplome sogar in ihre Lebensläufe ein. Für die lumpigen Titel reicht oft ein bisschen Geld.

"American World University": Billig-Turbo zum falschen Titel
Illustration: Nils Kasiske/ UniSPIEGEL

"American World University": Billig-Turbo zum falschen Titel

Von Alexandra Zykunov


Frau S. hat fast 20 Jahre Berufserfahrung und spricht mehrere Sprachen. Derzeit ist sie laut ihres Xing-Profils Führungskraft in einem Pharmaunternehmen. Es scheint der Personalabteilung also nicht aufgefallen zu sein, dass sich die Dame mit einem dubiosen akademischen Titel schmückt, dessen Führung in Teilen der USA sogar unter Strafe steht.

Ihrem Profil zufolge hat Frau S. an der amerikanischen "Breyer State University" studiert, einer nicht akkreditierten Hochschule, die von ihren Absolventen so gut wie keine Leistungen erwartet, aber trotzdem Hunderte akademische Abschlüsse vergibt - gegen Geld, versteht sich. So kommt jeder Dödel ohne großen Aufwand an einen Bachelor, Master oder sogar an einen Doktortitel.

Es gibt mehr als 3000 solcher "Titelmühlen", die meisten davon in den USA. Sie heißen zum Beispiel "Columbus University", "Atlantic International University" oder "American World University". Einige verkaufen bis zu zehntausend Titel im Jahr und nehmen damit laut US-Experten etwa zehn Millionen Dollar ein. Geld, das auch von deutschen Kunden stammt. Wer in der Suchmaske des sozialen Karrierenetzwerks Xing nach Fake-Unis sucht, stößt auf etliche Männer und Frauen, die für hiesige Unternehmen arbeiten.

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Damit sie nicht sofort als Betrugshochschulen auffallen, wahren die Titelmühlen auf ihren Internetseiten den Anschein der Seriosität. So erklären einige, dass für den Erwerb eines akademischen Titels "Pflichtkurse" zu belegen und Scheine zu machen seien. Doch etwas weiter unten gibt es Entwarnung: Anstelle einer anstrengenden Teilnahme an irgendwelchen Seminaren würden auch Berufsjahre oder schlicht "Lebenserfahrung" als Leistungsnachweise akzeptiert.

Die Nachfrage schafft sich ihr Angebot

Besonders leicht wird es für Menschen, die schon an echten Unis studiert haben und sich nun einen zusätzlichen Titel wünschen: Sie können sich einfach alle früher erbrachten Leistungen noch einmal anrechnen lassen. Die Titelmühlen suggerieren, wissenschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden, verlangen von ihren "Studenten" aber praktisch nichts - abgesehen von Studiengebühren natürlich. Logisch, dass sie nicht über Seminarräume verfügen, geschweige denn über eine Bibliothek.

Das Einzige, was viele besitzen, ist ein Briefkasten auf Hawaii, in Rumänien oder Pakistan. So würden jährlich mehr als eine halbe Million "Abschlüsse" an Juristen, Lehrer oder Ärzte auf der ganzen Welt vergeben, behauptet der US-Experte John Bear. Zusammen mit dem FBI hat er jahrelang gegen die Titelmühlen ermittelt, doch es sei wie der Kampf gegen die Hydra gewesen: Wenn ein Kopf abgeschlagen war, wuchsen zwei neue nach. Die Nachfrage schafft sich eben ihr Angebot.

Als die Düsseldorfer Großdetektei Kocks für eine Studie 5000 Bewerbungen überprüfte, entdeckte sie bei 30 Prozent falsche Titel, ausgedachte Auslandsaufenthalte oder andere angebliche Qualifikationen, die so nicht erworben wurden.

Es kann unangenehm und teuer werden

Bei der Xing-Recherche fielen neben Frau S. auch etliche andere hochrangige Mitarbeiter deutscher Unternehmen auf, die sich mit Fake-Titeln schmückten. Zum Beispiel ein "Absolvent" mit einem MBA der "American World University", der jahrelang eine Führungsposition beim Tochterunternehmen einer großen deutschen Fluggesellschaft innehatte. Oder ein Professor an einer Hochschule, der neben einigen anderen akademischen Abschlüssen auch einen von der "Breyer State University" besitzt.

Als das FBI 2005 eine Titelmühle namens "St. Regis University" hochnahm, tauchten auf der Absolventenliste ebenfalls 50 Deutsche auf. Die Männer und Frauen hatten Diplome in BWL, Gesundheitswesen, Maschinenbau und Jura erworben, oft für Spottpreise. Ein Mann aus Baden-Württemberg legte gerade mal 328 Dollar "Studiengebühr" für einen Abschluss in Steuerrecht auf den Tisch, ein anderer zahlte knapp 2000 Dollar für eine ganze akademische Laufbahn samt Psychologiestudium und Doktortitel in Kriminalpsychologie.

Fliegt der Schwindel auf, kann es unangenehm und teuer werden. Bundesweit droht Freiheitsentzug, in Nordrhein-Westfalen werden nach dem dortigen Hochschulgesetz bis zu 500.000 Euro Strafe für das Führen eines Fake-Titels fällig. "Führen" heißt, den Titel in seinem Lebenslauf, auf seiner Visitenkarte oder eben in seinem Xing-Profil anzugeben.

Von den vom UniSPIEGEL gefundenen "Absolventen" wollte sich fast niemand äußern. Ein Mann meldete sich und spekulierte, dass seine ehemalige Hochschule wohl "auf Abwege" geraten sei, ein anderer Mann räumte seinen Schwindel indirekt ein: Nach der Anfrage löschte er den Abschluss der dubiosen "Hamilton University" kurzerhand aus seinem Profil.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 124 Beiträge
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widower+2 05.04.2015
1. Egomanen
Titel sind sowieso überbewertet und sagen oft recht wenig über das tatsächliche Können aus. Wer es allerdings nötig hat, sein Ego und zuweilen auch sein Einkommen mit einer derartig billigen Betrugsmasche zu pushen, tut mir einfach nur leid. Die empfinden sich wahrscheinlich sogar als "Leistungsträger". Dabei sind sie nur träge bei der Erbringung von Leistungen.
tailspin 05.04.2015
2. Soziale Anerkennung Nr 3 der Maslow Beduerfnispyramide
Da lobe ich mir doch das Geschaeft vom guten alten Konsul Weyer. Der hatte exzellente Beziehungen. Wenn man unbedingt einen Titel haben wollte, konnte man dem gegen einen angemessenen Beitrag zB Honorarkonsul von Haiti werden. Voellig straffrei.
billabongchen 05.04.2015
3. Für 5 Euro beim Standesamt
Ich finde Titel wie Dr., Prof. von und zu, Graf und Gräfin, Fürst und Edler sollte jeder für 5 Euro beim Standesamt in seinen Ausweis eingetragen bekommen. Das würde Gleichheit vor dem Gesetz und in anderen Lebenslagen schaffen. Denn ich weiß, dass einem das Führen eines Titels bei Ämtern, im Kindergarten und bei der Bäckerin einen erheblichen Vorteil bringt. Die Mär, dass ein akad. Titel ja erarbeitet wurde, lass ich nicht gelten, da ich eine ganze Menge Doktores und sonstig akademisch geehrte kenne, die nichts können, oft sogar noch weniger. Andererseits frage ich mich, wieso ein Arzt, der 3 Jahrelang Brüste betatscht hat und darüber eine 200-seitiges unlesbares Pamphlet hervorbrachte sich nun mit einem Dr. schmücken dürfen soll, mit all den Vorteilen bei Gericht, wie gesagt, der Bäckerin und sonst noch wo, während die Altenpflegerin, die tagein, tagaus dafür sorgt, dass dem Vater des Herrn Doktor nicht der A... wund wird, nur schlecht bezahlt und ohne akad. Bonus auf das freundliche nur dem Doktor und seiner Gemalin geltende Lächeln der Bäckersfrau verzichten muss. Natürlich gilt das gleiche korrekt gegendert umgedreht genauso. Also Bäckersmann lächelt freundlich für Doktorinnengatten usw.
20mm14 05.04.2015
4. Titel?
So lange selbst in den Medien der "Doktor" immer wieder als Titel bezeichnet und nicht als das, was er wirklich ist, dargestellt wird, nämlich als akademischer Grad, wird die Titelhascherei deutscher Pseudoakademiker kein Ende finden. Das "Dr." ist weder Namensbestandteil noch sonst irgendetwas, das im Personalausweis oder auf Klingelschildern oder sonstwo etwas zu suchen hat. Hier sollte einmal Klarheit geschaffen werden. Dann kauft auch keiner mehr irgendwelche "Titel".
joG 05.04.2015
5. Wie manch einer an deutschen. ....
....Unis seinen Doktor erhält, wissen wir ja auch. Wir sollten nicht so tun als wären nicht erstaunlich viele Politiker mit zweifelhaften Federn geschmückt gewesen. Und das war sicher nur die Spitze des Eisbergs.
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