Feiernde Oxford-Studenten Uni findet Beweisfotos bei Facebook

Nach den Prüfungen sind Studenten in Oxford außer sich vor Freude. Sie sprühen Schaum, duschen mit Sekt oder werfen Eier. Die ehrwürdige Universität hält nichts von solchen Ritualen - sie fahndete erfolgreich bei Facebook und brummte den Studenten fette Geldstrafen auf.


Partyfotos auf einer Internet-Seite können nicht nur den Chef verschrecken, sondern auch Geldstrafen einbringen. Diese Erfahrung haben Studenten der Oxford University in England gemacht. Eine von ihnen ist die Mathematik- und Philosophie-Studentin Alex Hill, 21.

Im Blick: Die Uni Oxford beobachtet ihre Studenten bei Facebook
Getty Images

Im Blick: Die Uni Oxford beobachtet ihre Studenten bei Facebook

Sie bekam kürzlich eine E-Mail von ihrer Universität, in der stand, sie habe sich ordnungswidrig verhalten, berichtet die englische Zeitung "The Times". Drei Fotos auf der Internet-Seite Facebook wurden als Beweis für diesen Vorwurf angeführt. "Ich dachte, meine privaten Einstellungen würden nur zulassen, dass andere Studenten meine Bilder sehen können", wundert sich die Studentin.

Die drei Fotos zeigen Hill unter einem Rasierschaumberg. Die Bilder entstanden beim Trashing - einem traditionellen Studentensstreich am Ende des Semesters. Dabei besprühen Studenten einander mit Champagner und Schaum, werfen mit Eiern, Konfetti, Mehl und rohem Fleisch. Oder sie lassen sich ins Wasser fallen - von der "Brücke der Idioten".

Die Unileitung hat schon lange etwas gegen solche Bräuche - sie versucht seit Jahren, die Studenten im Zaum zu halten. Nachdem sich immer wieder Bürger und Polizisten über die hohen Reinigungskosten beschwert hatten, wurden vor drei Jahren Geldbußen für alle eingeführt, die beim Sprühen oder Eier-Werfen erwischt werden. Bis zu 100 Euro sollen sie zahlen. Doch die Strafen konnten gegen die ausgelassenen Studenten nichts ausrichten - weil zu wenig Personal die Verstöße der Studenten prüfen konnte, wurden nur 14 Störenfriede geschnappt.

Big Uni is watching you

Diesmal wollten die Aufseher der Uni schlauer sein und begaben sich im Internet auf die Suche. Ein Sprecher der Universität sagte der "Times": "Trotz des Hinweises, den wir vor den Prüfungen herausgegeben haben, gab es viele Beschwerden. Und es sieht so aus, als habe es viele Vorfälle gegeben." Facebook könne ein Weg sein, dies zu beweisen.

Wenn die Aufseher Fotos mit besprühten Studenten fanden, verschickten sie eine Mail und verhängten Geldbußen zwischen 60 und 150 Euro. Die Studenten sind wütend, dass ihre Online-Welt betreten wurde. Martin McCluskey, Präsident der Studentenvereinigung Oxford University Union, sagte: "Die Aktionen der Aufseher sind hinterhältig und die Geldstrafen, die auferlegt wurden, völlig unangebracht. Vielen, die schon ihre Noten bekommen haben, wurde ein Ultimatum gesetzt: Zahle, oder du bekommst keinen Abschluss."

Auch Alex Hill ärgert sich sehr: "Sie müssen die Profile stichprobenartig durchgesehen haben. Denn es würde Stunden dauern, jeden einzelnen Studenten zu überprüfen", vermutet sie und fügt hinzu: "Ich bin entrüstet. Es ist unglaublich, dass die ihre Belegschaft dafür bezahlen, rumzusitzen und Facebook durchzusehen."

kat/AP

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.