Müll bei Open-Air-Konzerten Was vom Festival übrig bleibt

Plastikflaschen, Isomatten, Sofas - getürmt zu grotesken Müllbergen: Jeder Festivalbesucher hinterlässt im Schnitt fast 15 Kilo Abfall. Das ärgert nicht nur die Putzkolonnen, es gefährdet auch die Open-Air-Saison.

DPA

Ehrlich gesagt: Nach drei Tagen Heavy Metal, lauwarmem Billigbier, halbfertigen Grillwürsten und schlechtem Schlaf auf der Isomatte fühlt man sich nicht mehr ganz so doll. Lust aufzuräumen hat man schon gar nicht, also lässt man den ganzen Kladderadatsch aus Tetrapacks, verbeulten Blechbüchsen, senfverschmiertem Einwegbesteck und irgendwelchen Sonnenschirmfragmenten am besten gleich ganz da und fährt verkatert und mit Piepen im Ohr dorthin zurück, wo es eine halbwegs saubere Toilette gibt.

Kommt schon irgendeiner zum Aufräumen, dachten sich wohl auch diejenigen, die im Jahr 2012 das hier abgebildete Mülldesaster auf dem Zeltplatz des Wacken Open Air hinterließen. Ja, es kommt einer, der den Dreck wegmacht. Allerdings bereitet den Festival-Veranstaltern die Müllentsorgung immer größere Probleme, wie man im beim Angucken dieser Fotostrecke lernen kann.

Fotostrecke

8  Bilder
Typologie der Festivalbesucher: Flirter, Jünger, Vandale, Kinnbart
Es ist nicht überliefert, ob die abgebildeten Besucher des Open Air in Wacken körperlich und geistig dazu in der Lage waren, ihren Zeltplatz besenrein zu hinterlassen. Klar ist aber, dass der durchschnittliche Festival-Besucher immer mehr Dreck und mancherorts sogar Sofas zurücklässt. Folkert Koopmans, Veranstalter des Hurricane-Festivals in Scheeßel, fand Folgendes heraus: Hinterließ jeder Besucher 2006 durchschnittlich vier Kilo Abfall, waren es im vergangenen Jahr fast 15 Kilo. Bei rund 70.000 Fans summiert sich das auf 1000 Tonnen Müll.

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Die Abfallberge bereiten den Entsorgern in Scheeßel zunehmend Probleme - und gefährden letztlich das Festival. Grund: ohne die Garantie einer zügigen Entsorgung keine Genehmigung für die Veranstaltung. Wer weiterhin ein Hurricane-Festival haben wolle, solle daher unbedingt die angebotenen Entsorgungsmöglichkeiten konsequent nutzen und seinen Müll nicht einfach liegen lassen, sagt Koopmans.
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insgesamt 113 Beiträge
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deranaluest 07.06.2014
1. Festivals
sind doch deshalb so beliebt weil man einfach mal die Sau rauslassen kann und rülpsen und pfurzen kann wie es einem gefällt. Da gehört der Müll zum Livestyle und Saurauslassen dazu. Sonst gibts doch auch kaum noch Gelegenheiten dazu, alles ist schön geregelt, man muss artig sein und Karriere machen und wenn man das falsche Bild auf Facebook hat dann wars das mit der Beförderung. Da tut es mal ganz gut einfach rauszukommen, sich die Kleider vom Leib zu reißen und gepflegt auf die Wiese zu kacken.
ph.latundan 07.06.2014
2. solche ...........
solche veranstaltungen einfach nicht mehr genehmigen. oder vom veranstalter ein deposit verlangen welches die reinigungskosten abdeckt. wenn der platz nicht sauber ist geht das deposit nicht zurueck. ist doch ganz einfach ....
frank_n_furter 07.06.2014
3. Wohlstandsverwahrlosung
...ist die adäquate Bezeichnung. Warum das Billigzelt abbauen, säubern, trocknen lassen und einpacken, wenn Papa nächstes Jahr ein neues kauft?
Spiegelleserin57 07.06.2014
4. ein Abbild unserer Gesellschaft!
hier zeigt sich die Einstellung , eben Egozentrik , Hauptsache ich! Man kann diesen Phänomenen nur begegnen durch hohe Eintrittspreise um die Müllabfuhr zu finanzieren. Das Gemeinschaftsbewußtsein ist verloren gegangen und auch das Verantwortungsgefühl für eine Gemeinschaft existiert nur noch bruchstückhaft, sonst gäbe es solche Hinterlassenschaften nicht. Es stellt sich auch die Frage wer sind diese Besucher?
abby_thur 07.06.2014
5. Müll bei Open-Air-Konzerten
Dafür gibts doch schon seit Jahren den Müllpfand.
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