Forschung für die Tüte "Lüsternen Bärchen ordentlich einheizen"

Dass es Wissenschaftlern generell an Humor fehlt, widerlegen die Professoren Wolfgang Hoeppner und Nicola Döring. Sie wissen alles über das Tütenleben elastischer kleiner Gesellen - zwei Beispiele aus ihrer kuriosen Lieblingsdisziplin Gummibärchen-Forschung.


Die sexuellen Phantasien der Gummibärchen erforschte Nicola Döring. Das würde man gar nicht vermuten, denn die Professorin für Medien, Design und Medienpsychologie an der TU Ilmenau gibt nur sehr zurückhaltend über sich und ihre Leidenschaft für die Bärchen Auskunft. Ihre "normalen" Forschungsschwerpunkte beleuchten in verschiedenen Varianten das Verhältnis von Mensch und World Wide Web.

Gummibären: ...und Erwachsene ebenso
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Gummibären: ...und Erwachsene ebenso

Warum mag Döring die Gummibären-Forschung? "Intelligenter Humor hat im oft anstrengenden Wissenschafts- und Universitätsalltag einen wichtigen Platz", sagt Döring, die gern auch ihre Vorlesungen mit netten Witzen und Cartoons würzt.

Und welche erotischen Träume haben Gummibärchen, nachts, wenn Ruhe in der Tüte herrscht? Eine kleine Kostprobe aus Dörings Werk: "Die für Bären typische, erstaunlich enge Verknüpfung zwischen Sexualität und Spiritualität gab der Gummibärchen-Forschung lange Zeit Rätsel auf. So deutete Gerdes (1996) das für Gummibärenträume typische, eindeutig auf den Tütenkleber gerichtete libidinöse Aufwärtsstreben profan als 'schwereloses Schweben im All', während Ratzinger (1990) das orale Bärgehren zur 'Vereinigung im Beten' verkürzt. (...)

Einige Gummibärchen gestanden ein, beim Masturbieren an Zähne (manchmal sogar: Zahnprothesen) zu denken. Andere ergötzen sich am Bild essender Menschen und stellen sich vor, selbst verspeist zu werden. Auch das Spiel mit dem Feuer ist Gummibärchen nicht fremd. Immer wieder trifft man in den bärigen Phantasie-Szenarien auf funktionsbereite Toaster, Mikrowellenherde und Backöfen, die nur darauf warten, einem lüsternen Bärchen ordentlich einzuheizen."

Und sie kommunizieren doch! Die sprachlichen Varietäten der Gummibären untersucht Wolfgang Hoeppner, 57. Das passt, denn er ist Professor für Computerlinguistik an der Uni Duisburg-Essen und beschäftigt sich dort mit Informationsextraktion aus nicht strukturierten Daten. Gummibären-Forschung betrachtet Hoeppner als "netten Quatsch und ein wunderbares Ventil, wenn man mal wieder bis drei Uhr morgens Seminararbeiten korrigiert hat".

Der Wissenschaftler ist schon in einigen TV-Talkshows aufgetreten. Von der Firma Haribo bekam er danach prompt ein Päckchen zugeschickt. Hoeppner sagt: "Man muss aufpassen, dass die Leute einen am Ende nicht nur mit Gummibären in Verbindung bringen."

Nach zahlreichen Experimenten mit Bärchen-Gruppen hier nun erste Erkenntnisse: "Eine noch sehr vorläufige Evaluation unserer Forschungsunternehmen deutet darauf hin, dass es eine Korrelation zwischen dem Sprachverhalten und den Farben der VGen [Versuchs-Gummibären] geben könnte (…) Weiße VGen unterhalten sich am liebsten über Blumenkohl und Kohlrabi (…) Gelbe VGen lesen gerne im Branchentelefonbuch (…) Grüne VGen sind meistens dabei, sich zu ärgern (Typ 'Nörgler'). Orangene VG kommunizieren am häufigsten über das Leib-Seele-Problem. Dies scheinen die kompliziertesten VGen zu sein, und wir erwägen, zu diesem Thema einen Sonderforschungsbereich zu initiieren. (…)"

Man kooperiere, so der Bericht weiter, bereits mit Kollegen der Stanford University, die Maulwurf-Sprachen untersuchten. Sind die Bärchen - evolutionsbiologisch betrachtet - vielleicht eine Art "Gummiwürfe"?, fragt sich Hoeppner.

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