Exzellenzstrategie 34 Unis bekommen 2,7 Milliarden Euro zusätzlich

Bund und Länder verteilen Fördergeld an Dutzende Universitäten für sogenannte Exzellenzcluster. Welche Hochschulen profitieren - und warum die wichtigste Entscheidung noch aussteht. Die Hintergründe.

Humboldt-Universität Berlin, eine der bisherigen Exzellenzunis
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Humboldt-Universität Berlin, eine der bisherigen Exzellenzunis


Knapp 2,7 Milliarden Euro für die kommenden sieben Jahre sind zu verteilen. Aber welche Universitäten sollen sie bekommen? Darüber hat jetzt die "Exzellenzkommission" entschieden, sie besteht aus Wissenschaftsrat, Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie der Wissenschaftsminister aus Bund und Ländern.

Der Beschluss fiel nach mehrstündiger Beratung im Bonner Wissenschaftszentrum. Damit steht nun fest, welche Universitäten künftig Geld aus der Exzellenzstrategie für besonders überzeugende Forschungscluster erhalten. 57 Exzellenzcluster an 34 Hochschulen sollen gefördert werden, wie die Kommission mitteilte.

Für die jetzt ausgewählten Unis ging und geht es um mehr als nur die zusätzlichen Geldspritzen für die Exzellenzcluster. Denn nur die Universitäten, die jetzt mindestens zwei Förderzuschläge erhielten, haben im kommenden Jahr in der nächsten Runde des Wettbewerbs eine weitere Chance auf zusätzliche Förderung. Dann werden erneut die Exzellenzunis ausgezeichnet.

Ein Selbstläufer wird das für keine der Hochschulen: Nur elf Unis können das Rennen um den Elite-Titel - und um weitere Finanzspritzen gewinnen. Beteiligen dürfen sich an diesem Wettbewerb nun 17 Universitäten mit mindestens zwei Exzellenzclustern und zwei Universitätsverbünde mit mindestens drei Exzellenzclustern.

Diese Unis können sich als Elite-Unis bewerben:

  • Rheinisch-Westfälische Technische Universität Aachen (RWTH)
  • Ruhr-Universität Bochum
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Technische Universität Braunschweig
  • Technische Universität Dresden
  • Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Universität Hamburg
  • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • Universität zu Köln
  • Universität Konstanz
  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Technische Universität München
  • Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Universität Stuttgart
  • Eberhard Karls Universität Tübingen

Antragsberechtigte Verbünde:

  • Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin
  • Leibniz Universität Hannover, Medizinische Hochschule Hannover
Infos zur Exzellenzstrategie
Wie funktioniert der Wettbewerb zur Exzellenzstrategie?
Unis können sich in zwei Förderlinien bewerben: Bei den Exzellenzclustern geht es um Forschungsfelder, die von einer oder mehreren Universitäten als Projekte bearbeitet werden. Bei den Exzellenzuniversitäten steht dagegen die dauerhafte Uni-Strategie zur Spitzenforschung im Mittelpunkt. Exzellenzuniversität kann nur werden, wer auch bei den Exzellenzclustern erfolgreich war.
Wie viel Geld gibt es?
Für die Exzellenzcluster werden ab Januar 2019 sieben Jahre lang jeweils 385 Millionen Euro vergeben, zusammen also knapp 2,7 Milliarden Euro. Die Exzellenzunis werden ab November 2019 zusätzlich mit 148 Millionen Euro pro Jahr gefördert, insgesamt also noch einmal mit über einer Milliarde Euro.
Wie ist der Zeitplan des Wettbewerbs?
27. September 2018: Förderentscheidung über Anträge zu Exzellenzclustern
10. Dezember 2018: Abgabe der Anträge zu Exzellenzuniversitäten
1. Januar 2019: Förderbeginn für Exzellenzcluster
19. Juli 2019: Förderentscheidung über Anträge zu Exzellenzuniversitäten
1. November 2019: Förderbeginn für Exzellenzuniversitäten

Der Wettbewerb soll nach der siebenjährigen Laufzeit in eine neue Runde starten.

Klar ist nach der Entscheidung vom Donnerstag. Die Riege der Elite-Universitäten wird sich neu sortieren. Denn die Universität Bremen wird ihren Status als Elite-Uni sicher verlieren, weil sie keine ausreichende Zahl von Exzellenzclustern mitbringt.

Geradezu sensationell ist das Abschneiden der Universität Bonn in dieser Wettbewerbsrunde. Mit sechs bewilligten Forschungsclustern ist die Uni die erfolgreichste Hochschule überhaupt. "Jetzt wollen wir auch Exzellenz-Universität werden, das ist unser klares Ziel", sagte der Bonner Rektor Michael Hoch.

Die jetzt erfolgreichen Anträge werden ab Januar 2019 sieben Jahre lang gefördert. 75 Prozent der Summe zahlt der Bund, die restlichen 25 Prozent das Bundesland, in dem die Hochschule sitzt. Beworben hatten sich insgesamt 41 Hochschulen mit 88 Projekten. Rund 40 Prozent dieser Anträge knüpften an Exzellenzcluster an, die bereits in der vorausgegangenen Exzellenzinitiative gefördert wurden. 60 Prozent der Projekte waren für den aktuellen Wettbewerb neu konzipiert worden.

2016 hatten sich Bund und Länder nach monatelangem Gezerre auf eine Fortsetzung der Exzellenzinitiative geeinigt - unter dem neuen Namen "Exzellenzstrategie". Der Wettbewerb war im Jahr 2005 zum ersten Mal ausgelobt worden. Das erklärte Ziel: Spitzenforschung und Zukunftsfähigkeit der Universitäten u fördern.

Die Exzellenzcluster sollen den Unis helfen, sich international sichtbar als konkurrenzfähige Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen zu etablieren. Aktuell werden noch elf Hochschulen als Exzellenzuniversitäten gefördert.

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Elite-Unis: Das sind die deutschen Exzellenzen

Kritik: schöner Name täuscht über Missstände hinweg

Wie und wofür hier Milliarden Euro verteilt werden, stößt allerdings keineswegs nur auf reine Begeisterung. Kritiker kommt vor allem von Studierendenvertretungen:Das Geld fließt demnach nicht dorthin, wo es aus ihrer Sicht am nötigsten wäre - in die Lehre.

Der schöne Name Exzellenuniversität täusche über Missstände hinweg, die es auch an Deutschlands vermeintlichen Eliteuniversitäten seit Jahren gebe, kritisiert etwa der Studierendenrat (StuRa) der Technische Universität Dresden, eine der Exzellenzunis.

"Überfüllte Hörsäle, zu wenig und dazu noch dauerbefristetes Personal, Gebäude, in die es hineinregnet - wie paradox der Begriff Exzellenz angesichts dieser Umstände ist, wird schnell offensichtlich", heißt es in einer Mitteilung. Es bestehe ein akuter Investitionsstau in vielen Bereichen.

him/fok



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
brotfresser 27.09.2018
1. Die Geisteswissenschaften scheinen für die DFG nicht mehr zu zählen
Dabei bräuchte Deutschland, Europa und die Welt mehr Geist denn je. Aber offensichtlich zählt nur noch die potentielle wissenschaftliche Vermarktung der Naturwissenschaften. Hauptsache High-tech. Armes Land der Dichter und Denker.
unglaeubig 27.09.2018
2. Haben sie die Liste der Bewilligungen gelesen?
Zitat von brotfresserDabei bräuchte Deutschland, Europa und die Welt mehr Geist denn je. Aber offensichtlich zählt nur noch die potentielle wissenschaftliche Vermarktung der Naturwissenschaften. Hauptsache High-tech. Armes Land der Dichter und Denker.
Hier wäre ein Link zu allen bewilligten Projekten: http://www.dfg.de/foerderung/exzellenzstrategie/index.html Da sind durchaus viele Geisteswissenschaften dabei und ich als Naturwissenschaftler frage mit der gleichen Naivität wie sie, wofür wir Forschung zu Manuskriptkulturen oder zu asymmetrischen Abhängikeiten in Gesellschaften mit Sklaverei brauchen.
Neophyte 27.09.2018
3. Das Herz hängt doch immer an der eigenen Stadt
"Der Beschluss fiel nach mehrstündiger Beratung im Bonner Wissenschaftszentrum". Beim lesen dachte ich mir gleich, wenn das in Bonn entschieden wird, wäre es ja seltsam wenn man nicht "seiner" Stadt ausgiebig hilft. Habe dann weitergelesen "Geradezu sensationell ist das Abschneiden der Universität Bonn in dieser Wettbewerbsrunde. Mit sechs bewilligten Forschungsclustern ist die Uni die erfolgreichste Hochschule überhaupt", na da haben wir es ja.. Sicherlich ist die Uni gut, aber wirklich so viel besser als alle anderen? ..
romanpg 27.09.2018
4.
Ich studiere an einer solchen „Elite“-Uni. Ich finde es auch schön, dass sich meine Professoren von dem Geld teures Spielzeug und Doktoranden teure Forschungsreisen kaufen können. Als gemeiner Student hat man davon allerdings herzlich wenig, wenn man nicht gerade das Glück hat, eine der wenigen HIWI-Stellen an einem geförderten Projekt zu ergattern. Es kann doch nicht sein, dass der Forschon an meiner Uni über den Zeitraum der letzten Förderung ein dreistelliger Millionenbetrag zugeschossen wurde, im selben Zeitraum aber die Anzahl an Tutoren abgebaut werden musste, weil dafür keine Mittel mehr da waren. Wie will man denn nachhaltig Exzellenz in der Forschung fördern, wenn man an der Ausbildung des Nachwuchs knausert?!
Akkon 27.09.2018
5.
Gerade die Sache mit den Gebäuden an der TU Dresden ist tatsächlich ein Lehrstück in Sachen Schildbürgertum. Diese Gebäude "gehören" nämlich nicht der Universität - es ist also vollkommen egal, wie viel Geld bei dieser ankommt und wie "exzellent" sie ist, sie kann nicht darüber entscheiden, ob Gebäude renoviert oder grundhaft erneuert werden (und einige, die meisten aus guten Gründen denkmalgeschützt, hätten das wirklich mehr als dringend nötig), denn dafür ist der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) zuständig - und der gehört dem Land Sachsen. Ein Schelm, wer denkt, dass jetzt findige Landespolitiker auf die Idee kommen könnten, die Mittel, die das Land im Rahmen der Exzellenz-Initiative zu tragen hat, könnte man vom genannten Staatsbetrieb abziehen und der Universität zuschlagen - und damit dafür sorgen, dass der Landes-Anteil eben nicht in langweilige Dinge wie Hörsaalgebäude fließt, wo doch eine neue Professur für irgendwas mit Nano-Mikro-Super-Hightech so viel besser aussieht! Ordentliche Räumlichkeiten für die Lehre und auch das - in der Lehre oft extrem engagierte - Personal sind da echt nicht wichtig, zur Not kann man ja wieder Zelte oder Container aufbauen und dort Büros, Unterrichtsräume und Mensen hinverpflanzen, die an anderer Stelle nicht mehr tragbar sind, weil der über 100 Jahre alte Putz von der Decke fällt und man einsieht, dass studieren und arbeiten unter Lebensgefahr eben doch etwas unangemessen sind... Und wenn es denn wirklich sein muss, dass man den nach wie vor steigenden Studentenzahlen Rechnung trägt, dann doch bitte mit einem komplett neuen, glänzenden Gebäude aus Stahl und Glas und nicht mit so einem ollen Ziegelbau, und sei er noch so aufgeladen mit Historie der Hochschule. Die Exzellenz und auch die Mittel hat die TU Dresden zweifellos verdient - es wäre nur eben auch angebracht, sich mal das Drumherum anzuschauen, ansonsten sieht jeder Lernende und Lehrende vor Ort das Ganze maximal mit einem lachenden Auge, während das andere weint...
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