Frankfurter Uni-Einweihung Roland Kochs Rede ging in Studenten-Tumulten unter

Was als prunkvoller Festakt geplant war, geriet schnell aus den Fugen: Mit lauten Protesten störten einige Dutzend Studenten die Rede von Roland Koch zur Einweihung des neuen Frankfurter Uni-Campus und beschimpften den hessischen Ministerpräsidenten als "Rassistenschwein".


Unbehagliche Stunden beim Festakt: Roland Koch
DPA

Unbehagliche Stunden beim Festakt: Roland Koch

Frankfurt am Main - Mit Prominenz und Protesten ist am Freitag ein neuer Campus der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main eingeweiht worden. Beim Festakt am Vormittag sprangen Studenten bei der Rede von Roland Koch (CDU) auf, warfen beschriftete Spielkarten ins Publikum und bliesen auf Trillerpfeifen. Die Studenten hatten sich vor Beginn der Veranstaltung im Saal verteilt. Sie wurden aus dem Saal geleitet, setzten den Tumult aber draußen fort.

Die Zahl der Störer wird auf 70 bis 80 geschätzt. Mit "Hau ab!"-Rufen schlugen sie von außen an die Scheiben des Festsaals und beschimpften den hessischen Ministerpräsidenten als "Rassistenschwein" oder "Scheißrassisten". Koch setzte seine Rede fort, war aber kaum noch zu verstehen.

Saalordner ließen später Jalousien herab. Die Polizei beobachtete die Aktion, schritt aber nicht ein. Vertreter der Hochschulleitung versuchten zu vermittelten. Als Koch seine Rede beendete, verstummten die Proteste.

Mit dem Festakt feiert die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main den aufwendigen Teil-Umzug an einen neuen Standort. Die ehemaligen Gebäude der IG Farben bilden jetzt den Campus für die geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Wegen der Verstrickung des Konzerns im Nationalsozialismus war das Projekt lange umstritten - die IG Farben hatte ein eigenes Konzentrationslager betrieben und das Gift Zyklon B vertrieben, mit dem die Nazis Hunderttausende von Menschen ermordeten. Daran erinnert auch eine Gedenktafel am Eingang.

Bei der Einweihung erinnerte der frühere hessische Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) an die schwierige Umsetzung. 213 Millionen Mark hatten Kauf und Wiederaufbau gekostet. Vor allem wegen der Geschichte des Gebäudes habe er mit beträchtlichem Widerstand zu kämpfen gehabt, sagte Eichel am Freitag in Frankfurt.

Der jetzige Bundesfinanzminister erinnerte aber auch an die demokratische Tradition des IG-Farben-Baus: "Hier ist das moderne Hessen begründet worden." Die Geschichte des Gebäudes, das jetzt von 8200 Studenten und 500 Wissenschaftlern genutzt wird, müsse als Ganzes betrachtet werden.

Der Campus suche weltweit seinesgleichen, ergänzte die hessische Kultusministerin Ruth Wagner. Die Renovierung des 1931 fertig gestellten Hauses sei ein "wunderbares Beispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und moderner Nutzung". Bundestagspräsident Wolfgang Thierse betonte bei der Einweihung die Bedutung des Geisteswissenschaften. "Die dramatischen Veränderungen in der Welt stellen die Kulturwissenschaften vor neue Herausforderungen, sagte der SPD-Politiker.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.