Wissenschaft Frauen im Nachteil

Sie veröffentlichen weniger und werden seltener zitiert: Frauen haben in der Forschung keinen guten Stand. Allein in Physik und Astronomie haben sie ihren Kollegen etwas voraus.

Corbis


In der deutschen Forschungslandschaft herrscht noch immer eine Kluft zwischen den Geschlechtern. Das ist das Ergebnis des Reports "Mapping Gender in the German Research Area", der am Donnerstag, am Vortag eines Gender-Gipfels, in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach stieg der Anteil von Frauen in der Forschung zwar fächerübergreifend von rund 28 Prozent in 2010 auf fast 31 Prozent im vergangenen Jahr. Im Ländervergleich steht Schleswig-Holstein mit einer Quote von 40,2 Prozent an Forscherinnen am besten da. Thüringen hat den kleinsten Frauenanteil in der Wissenschaft mit 32,6 Prozent.

In ganz Deutschland veröffentlichen Frauen aus verschiedenen Gründen weniger Studien als ihre männlichen Kollegen und werden auch seltener zitiert. Für den Report, der im Wissenschaftsverlag Elsevier erschien, werteten die Forscher knapp 709.000 veröffentlichte Dokumente von mehr als 405.500 Forschern aus.

Um zu erheben, wie häufig aus den Texten der Wissenschaftlerinnen zitiert wurde, wurde ein Zeitfenster von fünf Jahren ab der Veröffentlichung betrachtet. Grundlage dazu war der sogenannte "field-weighted citation impact (FWCI)", der die Zahl der Zitierungen ähnlicher Veröffentlichungen miteinander vergleicht.

Das Ergebnis: Publikationen von Frauen wurden seltener zitiert als die von Männern. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 lag der durchschnittliche FWCI von weiblichen Forschern demnach mit einem Wert von 1,68 etwas unter dem der männlichen mit 1,75.

Prof. Martina Schraudner, Leiterin des Fachgebiets Gender- und Diversity-Aspekte an der Technischen Universität Berlin, hält dafür verschiedene Gründe für möglich. Bestehende Seilschaften zwischen männlichen Wissenschaftlern seien nur eine denkbare Erklärung. Hinzu komme, dass sich Frauen in Fächern mit ähnlich hohem Männeranteil tendenziell eher mit neueren, unbekannteren Themenbereichen befassten. "Bis ein Thema sich als relevant festsetzt, vergehen etwa zehn Jahre", erklärte sie. Erst dann werde auch regelmäßig aus entsprechenden Texten zitiert.

Zudem veröffentlichen Forscherinnen ihre Ergebnisse dem Report zufolge seltener. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 kamen sie demnach lediglich auf 2,07 Publikationen im Jahr, während es bei den Männern im Schnitt 2,34 waren. Erst in leitenden Positionen gleicht sich die Publikationsrate demnach aus.

"Man kann entweder relativ lange an einem Thema arbeiten oder in vielen kleinen Scheibchen publizieren", erklärte Schraudner. Möglicherweise gehe bei Forscherinnen Qualität eher vor Quantität.

Überraschend: In eher männlich dominierten Fachbereichen veröffentlichten Frauen überdurchschnittlich viele Ergebnisse. In Informatik, Physik, Astronomie und Maschinenbau publizierten sie der Erhebung zufolge im Schnitt mehr als ihre männlichen Kollegen. Im Fach Physik und Astronomie waren es beispielsweise jährlich 4,03 Publikationen - im Gegensatz zu 3,27 bei den Herren. Schraudner zufolge könnte das auch daran liegen, dass Frauen sich dort besonders beweisen wollten.

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cpa/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
stefanmller800 05.11.2015
1. Naja
Eine Professorin die so einen Satz "Möglicherweise gehe bei Forscherinnen Qualität eher vor Quantität" von sich gibt.. der sollte sich eher über die Qualität der eigenen Aussagen Gedanken machen. Ausserdem werden grosse Paper eher zitiert... was also jetzt.. die Zahl der zitate oder die Zahl der Puplikationen? Es bleibt dabei.. Genderstudies etc ist sinnfreier Kram, der anderen Proleme einredet, die es nicht gibt! Das Frauen sich eher mit neueren Themen befassen ist auch nur Spekulation... Grausam, das jemand mit solchen "Argumenten" Professor ist.
noalk 05.11.2015
2. Mir reicht diese absurde Diskussion!
Auf 100 Mädchengeburten kommen ca. 105 Jungengeburten. Wurde dieses Verhältnis auch berücksichtigt? Garantiert nicht. Man kann dieses Gendergedöns auch so auf die Spitze treiben, dass es in die Lächerlichkeit abdriftet. Wenn es nicht schon längst geschehen ist.
Eduschu 05.11.2015
3. Gender-Wissenschaften
Zitat von stefanmller800Eine Professorin die so einen Satz "Möglicherweise gehe bei Forscherinnen Qualität eher vor Quantität" von sich gibt.. der sollte sich eher über die Qualität der eigenen Aussagen Gedanken machen. Ausserdem werden grosse Paper eher zitiert... was also jetzt.. die Zahl der zitate oder die Zahl der Puplikationen? Es bleibt dabei.. Genderstudies etc ist sinnfreier Kram, der anderen Proleme einredet, die es nicht gibt! Das Frauen sich eher mit neueren Themen befassen ist auch nur Spekulation... Grausam, das jemand mit solchen "Argumenten" Professor ist.
So ähnlich dachte ich auch, allerdings ist sie ja keine richtige Professorin, sie wird nur wie eine solche bezahlt.
mkalus 05.11.2015
4. Koennte mir....
---Zitat--- Demnach stieg der Anteil von Frauen in der Forschung zwar fächerübergreifend von rund 28 Prozent in 2010 auf fast 31 Prozent im vergangenen Jahr. Im Ländervergleich steht Schleswig-Holstein mit einer Quote von 40,2 Prozent an Forscherinnen am besten da. Thüringen hat den kleinsten Frauenanteil in der Wissenschaft mit 32,6 Prozent. ---Zitatende--- Der Autor mal erklaeren wie man im Durchschnitt unter dem niedrigsten anteil liegt?
bruno bär 05.11.2015
5.
komischerweise wird die einfachste Erklärung außer Acht gelassen. Die Arbeit ist einfach schlechter. Deswegen wird a) weniger publiziert, b) weniger oft zitiert und c) in den "Männerdomänen" bestehen die Frauen, die wirklich gut sind, die sich wirklich für diese Fächer interessieren und ergo im Durchschnitt besser sind als ihre männlichen Kollegen, die weniger Leidenschaft (wieder im Durchschnitt) und nur eine Karriere in diesem Bereich gesucht haben, weil es ihrem Rollenverständnis entspricht. Kein Wissenschaftler legt einen vielversprechenden Artikel zur Seite, weil der Autor eine Frau ist. Wenn ein Artikel nicht zitiert wird kann das im Grunde zwei Ursachen haben: 1. Artikel ist nicht bekannt (wenig relevant, kein hochangesehenes Journal, etc.) oder 2. Die Publikation ist methodisch Schwach und eine Zitation würde die eigenen Arbeit als wischi waschi dastehen lassen, in die jeder Populärwissenschaftlicher Text aufgenommen wird
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