Korrekturpanne in Freiburg Eine Hausarbeit, zwei verschiedene Noten

Noten sind oft subjektiv und deshalb gefühlt ungerecht. Ein Jura-Student aus Freiburg kann das bestätigen: Er gab seine Hausarbeit zweimal ab, sie wurde zweimal bewertet - und zwar sehr unterschiedlich.

Hausarbeiten: gerecht bewertet? (Symbolbild)
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Hausarbeiten: gerecht bewertet? (Symbolbild)


Wer hat sich noch nie über eine Note geärgert, die sich ungerecht angefühlt hat? Aus der Schule oder von der Uni kennen die meisten das Problem. Man hatte sich mehr erhofft, doch es reicht nur für eine Drei. Und der Lehrer lässt nicht mit sich reden.

Wie unfair und willkürlich Noten oft sind, macht der Fall eines Jura-Studenten aus Freiburg nun offensichtlich. Er gab seine Hausarbeit zweifach ab, wie das Onlinemagazin "Fudder" berichtete. Und er bekam zwei unterschiedliche Noten: 5 Punkte, also gerade so bestanden, und 9 Punkte, was auf der Jura-Notenskala von 0 bis 18 immerhin "befriedigend" ist.

Der Student hatte Sorge, dass das erste Exemplar der Arbeit per Post nicht rechtzeitig ankommen würde, schreibt "Fudder". Also gab er sie dem Bericht zufolge noch ein zweites Mal persönlich ab, mit einem entsprechenden Hinweis.

Eigentlich hätte der Uni auffallen müssen, dass die Arbeit doppelt vorlag. Denn: "Grundsätzlich überprüfen die Lehrstühle, welche Hausarbeiten eingehen", sagte Daniel Kachel, Leiter des Prüfungsamts der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.

In diesem Fall sei allerdings wohl problematisch gewesen, dass in kurzer Zeit - nämlich zwischen Ende April und Ende Mai - rund 400 Arbeiten à 25 bis 30 Seiten zu korrigieren gewesen seien.

Der Lehrstuhl leitete die Hausarbeiten vermutlich direkt an die Korrektoren weiter. Das können Mitarbeiter der Fakultät oder externe Korrekturassistenten sein, die die Hochschule fürs Korrigieren bezahlt, zum Beispiel Rechtsanwälte oder ehemalige Jura-Studenten.

Dass die Korrektoren einen gewissen Bewertungsspielraum haben, sei juristisch unstrittig, sagte Kachel. "Es ist eben nicht alles schwarz-weiß." Das "Problem der Objektivität von Bewertungen" betreffe nicht nur das Jurastudium, sondern den ganzen sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich.

Dass dieses Problem so offensichtlich wird, ist allerdings selten. Davon dürften sich diejenigen bestätigt fühlen, die ohnehin schon lange fordern, Hausarbeiten abzuschaffen.

Für den Freiburger Studenten sei die Sache zufriedenstellend ausgegangen, schreibt "Fudder". Er habe am Ende 8 Punkte auf seine Arbeit bekommen - besser als der Durchschnitt aus 5 und 9.

lov



insgesamt 58 Beiträge
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Geographus 03.07.2017
1. ...
Wir hatten so etwas Ähnliches einmal während der Schulzeit mit einer Projektarbeit. Diese war als Partnerarbeit ausgelegt und hätte auch eigentlich als gemeinsame Ausarbeitung abgegeben werden müssen. Ein Duo hatte das wohl jedoch missverstanden und die Arbeit einfach 2x ausgedruckt und jeder für sich abgegeben, einziger Unterschied war der Name auf dem Deckblatt. Die Lehrerin hatte dies anscheinend übersehen, was dazu führte, dass sie beide Arbeiten separat bewertete. Einer der beiden bekam dafür eine 2+, der andere so grade eine 3. Das ersterer einer der Lieblingsschüler der Lehrerein war mag vermutlich nicht wenig dazu beigetragen haben.
Mr T 03.07.2017
2.
In GB muessen 2 Lektoren eine Arbeit korrigieren und bei (groesserer) Diskrepanz einen Kompromiss finden
steffen.ganzmann 03.07.2017
3. Unüblich?
Für die Hausarbeit zum grossen Strafrechtsschein in Freiburg bekam ich von Korrektor wörtlich : "Nicht vertretbar! 4 Punkte (im Gegensatz zum Rest der Kommilitonen, welche das OLG-Oldenburg-Urteil bemühten, blieb ich im "Ländle" und nahm ein vom Inhalt her völlig konträres Urteil des OLGs Stuttgart). Dann kam sie dem Kursleiter Prof. N. in die Hände. Er strich die Note mit Rot durch und schrieb lapidar darunter "Doch vertretbar! 12 Punkte" Bei der Hausarbeit zum grossen Bürgerliches -Recht--Schein gaben zwei Freunde und ich drei genau gleiche Hausarbeiten ab, denn diese im Team zu schreiben, war nicht verboten. Dennoch bekamen wir drei verschiedene Noten! Man steckt eben im Prüfer nie drin ...
womo88 03.07.2017
4. Völlig normal!
Meine Examensarbeit wurde vom Erstkorrektor mit "gut" bewertet, vom Zweitkorrektor mit "mangelhaft", vom Drittkorrektor auch mit "mangelhaft". ;-) In der 13. Klasse Gymnasium hielten sowohl meine damalige Freundin als auch ich das von uns beiden erarbeitete Referat in Gemeinschaftskunde. Damals sprach keiner von uns frei. Wir haben alles abgelesen, waren allerdings in verschiedenen Klassen. Sie bekam eine Eins, ich eine Vier. So geht`s. ;-)
euroeddy 03.07.2017
5. Vor etwa 35 Jahren -ebenfalls in Freiburg in Jura-
kopierte ein Student die Hausarbeit eines Kommilitonen. Die kopierte Arbeit ging als genügend durch, während das Original durchfiel. Da unterschiedliche Assisten die Arbeiten korrigierten, war das möglich. Die Freundschaft der beiden Studenten -es waren Verbindungsstudenten- wurde dadurch allerdings schon belastet
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