Zoff im Studenten-Dachverband fzs Ihr vertretet nur euch selbst

"Intrigen" und "Egotrips" wirft eine ehemalige Funktionärin den Studentenvertretern vom bundesweiten Verband fzs vor. Ihre Wut ist echt, die Probleme sind es auch. Aber sie spielt damit den konservativen Gegnern in die Hände. Wie groß ist das Demokratieproblem an den Unis?

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Gefundenes Fressen: RCDS veröffentlichte das Schreiben der ehemaligen fzs-Beauftragten

Gefundenes Fressen: RCDS veröffentlichte das Schreiben der ehemaligen fzs-Beauftragten


Franziska H. muss sich gefühlt haben wie eine rosa Schleife, die um eine Schachtel faule Eier gewickelt wurde: Schön anzusehen, aber nur dazu da, vom üblen Geruch abzulenken. Nicht mal ein Jahr war sie Frauenbeauftragte der bundesweiten Studentenvertetung, dem Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs). Es hat gereicht, um sich vor Jahresfrist mit Grausen abzuwenden: "Ich bin es leid, schmückendes Beiwerk zu sein auf der glitzernden Rauschgoldverpackung der angeblichen Antidiskriminierungsarbeit", schreibt sie in ihrem Rücktrittschreiben.

"Unfassbar naiv" sei sie gewesen, weil sie dachte, der Verband würde die Förderung von Frauen ernst nehmen. Dabei habe sich auf Versammlungen nicht einmal die Redeleitung an die geschlechtergerechte Sprachregelung des Vereins gehalten, so H. Und Frauen-Themen seien nur für machtpolitische Interessen benutzt worden, etwa um zu verhindern, dass ein Antrag an einem bestimmten Tag noch diskutiert wurde. Es ging nur um "Intrigen" oder "persönliche Egotrips".

Scharfe Worte, die H. eigentlich nur intern äußern wollte. Doch seit ihre E-Mail nach außen drang, brodelt es in der Studentenvertretung. Die Vorsitzende Katharina Marth holt tief Luft bevor sie zur Verteidigung ihres Verbandes anhebt. Frauenförderung sei ein "Kernthema" des Vereins. Beim fzs sei schließlich so ziemlich alles quotiert: die Redeliste, der Vorstand, die Ausschüsse. Marth räumt aber ein, dass es vereinzelt "männlich dominantes Redeverhalten" gibt. Um eine Ansprechperson für solche Probleme zu haben, habe der Verein ja das Amt einer Frauenbeauftragten geschaffen - das sich im Übrigen erst einmal "einpegeln" müsste.

Solange wollen viele aber nicht warten: Unzufriedene Studenten gründeten bereits eine neue Initiative, die sich das "Studierendennetz Deutschland" nennt. Die Situation im fzs sei "unerträglich", seine Arbeit "desolat", schimpfen sie.

70 Personen für 1.000.000 Studenten?

Die Mitgliederzahlen des fzs steigen zwar seit Jahren, bundesweit aktiv sind aber nur rund 70 Personen. Auf den Mitgliederversammlungen sitzen Delegierte, die von den Studentenvertretungen der Hochschulen entsandt werden. Der fzs ist also indirekt durch die Wahlen der Studentenvertretungen an den Hochschule legitimiert. Doch an denen nahmen bei den vergangenen Wahlen nur noch zwischen 5 und 17 Prozent der Studenten teil.

Daraus den Anspruch abzuleiten, "rund eine Million" Studenten zu vertreten, wie es der fzs auf seiner Homepage tut, ist zumindest gewagt. Das Kernproblem: Je weniger Studenten sich für Hochschulpolitik interessieren, desto mehr verschärft sich das Demokratiedefizit. Kein Wunder, dass einer der Hauptvorwürfe der neuen Initiative "Studierendennetz" lautet, der fzs beschäftige sich permanent mit sich selbst.

Kritiker des Vereins, wie Michael Schema von der Studentenvertretung Köln, berichten von langen und ergebnislosen Diskussionen. So wie bei der fzs-Mitgliederversammlung in Bremen Anfang März: "Stundenlang" sei gestritten worden, am Schluss löste sich das Treffen auf, weil Teilnehmer schimpfend den Raum verließen. "Das war wiedermal Kindergarten" und "das Lächerlichste, was ich je erlebt habe", so kommentierten Teilnehmer die Veranstaltung via Twitter.

"Dafür möchten wir nicht 30.000 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr zahlen", sagt Schema vom Kölner Asta und Vorstandsmitglied der dortigen Juso-Hochschulgruppe. Mit dem Geld finanziert der fzs bundespolitische Kampagnen, politische Arbeit und Publikationen. Doch die Kölner meinen, der fzs werde durch seine inneren Streitereien von seiner eigentlichen Aufgabe zu sehr abgelenkt. "Da bilden sich Lager, die festgefahren sind in ihren Denkweisen", sagt Schema. Deshalb ziehen die Kölner Konsequenzen: Zum 30. September wollen sie aus dem fzs austreten.

Fzs-Vorsitzende Marth kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen: Bei der Mitgliederversammlung in Bremen habe sich der Verein "nicht mit sich selbst, sondern mit hochschulpolitischen Themen beschäftigt und mehrere Anträge verabschiedet", sagt sie. Doch die breite Kritik kann sie damit nicht abfangen.

Es seit Zeit für eine alternative bundesweite Studentenvertretung, sagt Martin Röckert, Vorsitzender des Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). Die Konservativen sehen den eher linken Verband fzs seit jeher kritisch. Daran, dass bei seinem Erzfeind gerade die Fetzen fliegen, ist er nicht ganz unschuldig. Das interne Schmähschreiben der ehemaligen fzs-Frauenbeauftragten H. wurde auf der Homepage des RCDS veröffentlicht.

Die Streitereien im fzs sind für den RCDS-Vorsitzenden nun eine gute Gelegenheit, für einen ganz eigenen Vorschlag zu werben. Der RCDS nämlich will eine neue bundesweite Studentenvertretung - und die soll direkt beim Bundesbildungsministerium angegliedert sein. Die Delegierten würden von den Hochschulgruppen der Parteien ernannt, also etwa vom RCDS, von der Grünen Hochschulgruppe und den Hochschul-Jusos.

Ob diese Strategie aufgeht, ist fraglich. Denn in einem sind sich die zerstrittenen Parteien im fzs doch einig: Ein Gremium, in das Parteivertreter Abgesandte schicken, sei "undemokratisch" und nicht mehr als ein "Kleingarten des Bundesministeriums". Vielleicht bewirkt die Streiterei sogar, dass beim fzs wieder Frieden einkehrt. Denn kaum etwas eint ja bekanntlich besser als ein gemeinsamer Feind.



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Seite 1
Derax 18.03.2014
1. ....
Zitat von sysop"Intrigen" und "Egotrips" wirft eine ehemalige Funktionärin den Studentenvertrern vom bundesweiten Verband fzs vor. Ihre Wut ist echt, die Probleme sind es auch. Aber sie spielt damit den konservativen Gegnern in die Hände. Wie groß ist das Demokratieproblem an den Unis? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/fzs-streit-nach-aussteiger-brief-rcds-will-vertretung-abschaffen-a-958465.html
für die wahlen an der uni haben sich schon immer nur spinner interessiert :) man nehme sozusagen die leute die den grünen/linke/jusos zu realitätsfern und abgedreht sind und schon hat man ein bild. ich halt mich da raus und studier lieber, soll ja leute geben die irgendwann auch fertig werden wollen :P
spindoctw 18.03.2014
2. Oha!
"Dabei habe sich auf Versammlungen nicht einmal die Redeleitung an die geschlechtergerechte Sprachregelung des Vereins gehalten, so H." Mensch, sind die Studenten immer noch nicht weiter? Was ein trauriges Bild...
serafino 18.03.2014
3.
Zitat von Deraxfür die wahlen an der uni haben sich schon immer nur spinner interessiert :) man nehme sozusagen die leute die den grünen/linke/jusos zu realitätsfern und abgedreht sind und schon hat man ein bild. ich halt mich da raus und studier lieber, soll ja leute geben die irgendwann auch fertig werden wollen :P
In dem Fall muss man sich nicht wundern, wenn irgendwelche komischen leute einen Vertreten. An der Uni genauso wie im Parlament.
tropfstein 18.03.2014
4. geschlechtergerechte Sprache
Schade dass nicht erläutert wird, hier mit "geschlechtergerechte Sprachregelung" gemeint ist. Hoffentlich nicht der "Mitglieder- und Mitgliederinnen"-Schwachsinn oder "das Mensch" und "das Person" (weil ja keiner wissen kann, dass bei "Nichtraucherschutz" oder "Mensch" oder Person" auch Frauen gemeint sein könnten. Oder etwa doch? In diesem Fall wäre der fzs hochgradig spinnertumverdächtig.
McMuffin 18.03.2014
5. Ja,ja, die Uniwahlen
Ich kann mich noch gut erinnern, wie damals an meiner Fakultät die dummen Studenten nicht verstanden haben, dass sich die Studentenvertreter bei der Zusammenstellung der (einzigen) Liste viele Gedanken gemacht hatten. Deswegen wurde doch tatsächlich ein junges Mädel nach vorne gewählt und landete vor dem Berufsfunktionär. Aber kein Problem, dann musste sie eben verzichten und er rückte nach. Das waren die gleichen Leute, die dann die Studenten auf Plakaten beschimpft hatten, weil die Beteiligung an den "Wahlen" so niedrig war.
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