Statistisches Bundesamt Hochschulen zählen mehr minderjährige Studenten

An deutschen Unis studieren so viele Minderjährige wie nie zuvor. Fast 3000 Studenten unter 18 Jahren zählte das Statistische Bundesamt. Ohne Erlaubnis der Eltern dürfen sie eigentlich nicht einmal einen Bibliotheksausweis ordern.

Erstsemester in Koblenz: Immer mehr Campusküken in den Reihen
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Erstsemester in Koblenz: Immer mehr Campusküken in den Reihen


Sie werden mehr, und sie werden jünger: Als Folge des G8-Abiturs steigt die Zahl der minderjährigen Studenten an deutschen Hochschulen. Im Wintersemester 2013/2014 sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2884 unter 18-Jährige eingeschrieben - und damit siebenmal so viele wie vor zehn Jahren. Damals zählten die Statistiker nur 393 Minderjährige an deutschen Unis.

Die Campusküken stellen die Unis vor neue Herausforderungen: Theoretisch dürfen 17-Jährige sich weder immatrikulieren noch einen Bibliotheksausweis beantragen. Auf Uni-Partys dürfen sie keinen hochprozentigen Alkohol trinken und sich nicht ohne Erlaubnis für den Hochschulsport oder Ausflüge anmelden.

Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben inzwischen ihre Landeshochschulgesetze dahingehend geändert, dass unter 18-Jährige in allen Belangen des Studiums voll handlungsfähig sind. Damit benötigen sie zum Beispiel für den Bibliotheksausweis oder die Anmeldung zu Prüfungen keine Unterschrift der Eltern mehr.

In Ländern ohne gesetzliche Regelung holen die meisten Hochschulen zu Beginn des Studiums eine Generaleinwilligung der Eltern ein, wenn der Studienanfänger noch unter 18 ist. Dieser Weg sei praktikabel und rechtssicher zugleich, erklärte die Hochschulrektorenkonferenz.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, unter 18-Jährige sollten durch bestimmte Gesetze voll "rechtsfähig" gemacht werden. Diese Formulierung ist falsch, sie sind vielmehr voll "handlungsfähig". Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.

vet/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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nikolaus.tiefensee 09.12.2014
1. Werden die Jungen immer schlauer?
Wohl kaum. Chancen angleichen vor Schulbeginn und bessere Förderungen für die Unterforderten IN der Schule.
frankfurtbeat 09.12.2014
2. so ein ...
das Bildungssystem der BRD GmbH ist ein Schwachsinn hoch 20 ... wie in allen Bereichen wurde das vom Ami kopiert - was bringt es tatsächlich? lasst den "Kindern" ihre Zeit - alles andere ist quatsch! Die Altersfruppe >50 sitzt Zuhause + bekommt ausser evtl. beim Wachdienst, bei der Zeitarbeit keinen job mehr ... doch unsere betriebsblinen auf eigenen Vorteil agierenden Pappnasen von Politikern sehen das nicht?!
fresigo 09.12.2014
3.
Wenn die Kindheit zu schnell beendet wird, dann brauchen wir uns nicht über unreife Erwachsene zu wundern.
manu1337 09.12.2014
4. Eine bedauerliche Entwicklung
Die mangelnde Reife der Studenten spürt man an der Hochschule immer deutlicher. Viele junge Menschen wissen in dem Alter eigentlich noch gar nicht genau, was sie im Leben erreichen wollen und machen mit dem Studium einfach das, was die Eltern gut finden oder auf den ersten Blick am klügsten erscheint. Die Grenzen zwischen Schule und Hochschule verschwimmen, auch aufgrund des nahtlosen Übergangs, immer mehr.
dickebank 09.12.2014
5. Einschulungsalter
Also selbst bei GAcht dauert der Schulbesuch 12 Jahre. Bei einem Einschulungsalter von 6 Jahren müsste eigentlich alle volljährig sein beim Wechsel an die Hochschule. Liegt vielleicht an den besondersehrgeizigen Eltern, die ihre Kann-Kinder bereits mit fünf Jahren einschulen lassen.
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