Gaststudenten in Australien Down in Down Under

300.000 Gäste aus dem Ausland studieren derzeit an australischen Unis und zahlen hohe Gebühren. Der Ruf als weltoffenes, freundliches Land ist bares Geld wert. Ausgerechnet in Australien werden aber ausländische Studenten nicht selten angepöbelt oder angegriffen, wie eine Untersuchung zeigt.


Känguru auf dem Campus: Guter Ruf der Unis steht auf dem Spiel

Känguru auf dem Campus: Guter Ruf der Unis steht auf dem Spiel

Magnet Australien - Spielplatz der Natur, Traum-Reiseziel und einer der beliebtesten Studien-Standorte der Welt. Das Bilderbuchwetter, eine multikulturelle Gesellschaft und renommierte Universitäten locken jährlich zehntausende von Studenten aus dem Ausland in Australiens Großstädte. Doch einmal in Sydney, Melbourne oder Brisbane angekommen, landen die Studenten schnell auf dem Boden der Tatsachen.

"Ich kann nachts nicht mehr ausgehen, sondern bleibe zu Hause. Und deshalb fühle ich mich einsam", sagt Wirtschafts-Studentin La Leigh aus China. Was genau passiert ist, darüber möchte sie nicht sprechen, aber seit sie in Sydney auf der Straße angepöbelt wurde, traut sie sich abends nicht mehr vor die Tür. Jetzt bleibt sie lieber allein in ihrem Zimmer.

Ihre Kommilitonin, die Südkoreanerin Tiffany So, hat ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht. "Viele sind hierher zum Studieren gekommen, weil sie glaubten Australien sei ein offenes, freundliches Land, denn so wird es auch beworben. Und dann wurden sie angepöbelt und oft sogar angegriffen. Jetzt gehen sie vorzeitig wieder zurück und sagen: Australien ist kein guter Studienort." Wer nachts in Sydney alleine unterwegs ist, meint sie, der werde zur Zielscheibe von Betrunkenen.

Einsam und alleingelassen

Die beiden asiatischen Studentinnen sind keine Einzelfälle. Sie bestätigen eine aktuelle Studie des Soziologen Simon Marginson von der Monash Universität in Melbourne. Er befragte mehr als 200 internationale Studenten in ganz Australien über den Alltag in ihrem Gastland. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Auslandsstudenten werden bei der Suche nach Zimmern oder Jobs gegenüber Einheimischen stark benachteiligt. Und zwei von zehn Studenten fühlen sich in Australien nicht sicher.

Weltstadt Sydney: Studenten fühlen sich hier angefeindet
AP

Weltstadt Sydney: Studenten fühlen sich hier angefeindet

"Am schlimmsten ist es in der Innenstadt von Sydney. Hier berichten internationale Studenten landesweit die größten Probleme", sagt Simon Marginson. "Die Folge ist, dass 70 Prozent der Befragten angaben, sich einsam und alleingelassen zu fühlen. Und bei Studenten aus bestimmten Ländern war das viel ausgeprägter." Junge Menschen aus Asien, Indien oder Afrika werden viel häufiger beleidigt, benachteiligt, attackiert oder beraubt als Kommilitonen aus Europa und den USA, so ein Ergebnis der Studie.

Leo Fischer aus München besucht seit zwei Jahren die Uni in Sydney. Aber Rassismus, Diskriminierung oder Gewalt sind ihm fremd. "Man hat nicht das Gefühl, dass man nicht auf die Straße gehen kann oder dass man blöd angeschaut wird", sagt er. "Das ist ein sehr positiver Eindruck, den man in manchen europäischen Großstädten nicht hat."

"Was uns fehlt ist Neugier"

Sprachbarrieren, eine andere Kultur und kaum Kontakte: Ausländische Studenten können sich oft nicht wehren - weder gegen gesellschaftliche Vorurteile noch gegen den Vorwurf, sie würden zu vielen Australiern die Studienplätze wegnehmen.

Soziologe Simon Marginson glaubt, dass es Zeit wird, Toleranz an australischen Universitäten wieder mit großem T zu schreiben. "Ich glaube nicht, dass wir eine fremdenfeindliche und rassistische Gesellschaft sind. Was uns vielleicht fehlt ist die Neugier, diese Studierenden besser kennen zu lernen", sagt er. "Wir müssen ihnen einfach noch mehr entgegenkommen, uns mehr mit ihnen auseinandersetzen und ihre Freundschaft suchen."

An Australiens Universitäten sind derzeit 300.000 Auslandsstudenten eingeschrieben. Die hohen Gebühren, die sie bezahlen, sind überlebenswichtig für die Bildungseinrichtungen des Landes. Der Wirtschaft bringen sie jährlich mehr als vier Milliarden Euro. Doch Australiens guter Ruf als sicheres und freundliches Studienland ist um vieles mehr wert.

Von Andi Stummer, "Campus & Karriere" / Deutschlandfunk



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