Gescheitertes Fundraising FU Berlin versenkt eine Million Euro in New York

Die Freie Universität Berlin fühlt sich den USA historisch nah - und versuchte dort von ihren Ehemaligen Spenden einzusammeln. Dazu gründete die Uni eine schicke Residenz in New York City, die nach Informationen des SPIEGEL mehr kostete als sie einbrachte. Jetzt wird die Vorzeige-Adresse dichtgemacht.

FU-Drittmitteljagd in den USA: Manchmal muss es eben Manhattan sein
AP

FU-Drittmitteljagd in den USA: Manchmal muss es eben Manhattan sein


Die Freie Universität Berlin will ihr Engagement für eine eigene Ehemaligen-Organisation in den USA beenden. Nach einem internen Bericht aus dem Präsidium hat die Universität in den letzten Jahren mehr als eine Million Euro für ein Büro und Mitarbeiter in New York ausgegeben, aber weniger als eine Viertelmillion Euro eingenommen.

Statt erhoffter Großspenden ehemaliger Studenten - der Alumni - gibt es nun internen Zwist und juristische Probleme, unter anderem um eine Spende von 600.000 Dollar für die Renovierung des Henry-Ford-Baus in Berlin. Die Alumni- Organisation, die "Friends of Freie Universität Berlin", hat laut dem internen Bericht die Spende bislang allenfalls teilweise nach Deutschland weitergeleitet. Ein beträchtlicher Anteil der Summe hingegen sei in den USA bereits ausgegeben worden.

Auf Anfrage des SPIEGEL wollte die Hochschule zu Details keine Stellung nehmen und verwies auf eine laufende Prüfung sowie noch nicht abgeschlossene Verhandlungen mit der Alumni-Organisation. Das Engagement der Freien Universität Berlin in den USA hatte große Beachtung gefunden. Die Hochschule ist als "Internationale Netzwerkuniversität" in der Exzellenzinitiative ausgezeichnet worden; zum prämierten Konzept zählte auch die Alumni-Organisation in den USA.

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insgesamt 10 Beiträge
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Björn Borg 21.05.2010
1. Turbo-Bologna
Zitat von sysopDie Freie Universität Berlin fühlt sich den USA historisch nah - und versuchte dort von ihren Ehemaligen Spenden einzusammeln. Dazu gründete die Uni eine schicke Residenz in New York City, die nach Informationen des SPIEGEL mehr kostete als sie einbrachte. Jetzt macht die Vorzeige-Adresse dicht. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,695988,00.html
Ach deshalb hat sich El Presidente nach Hamburg davon gemacht (wunderte mich schon)... und deshalb auch will Koch nicht, dass die Studiengebühren erhöht werden, jetzt ist alles klar.
h0l0fernes 21.05.2010
2. Dessen ungeachtet gilt selbstverständlich immer noch:
Wenn ein Durchschnittsdeutscher sich zu popelig fühlt, meint er, er könne sein Selbstwertgefühl aufmotzen, indem er sich möglichst us-amerikanisch gibt, in Gedanken, Worten und Werken. Wie armselig!
starbuckxxx 21.05.2010
3. "Eine schicke Residenz" in New York ....
sowie Mitarbeiter (Plural) in den letzten Jahren (Plural) für eine Million EUR ist dich wohl wirklich nicht teuer. Kann denn niemand mehr rechnen ? Und wenn's nicht geklappt hat ... So what, war doch ein guter Versuch. Wenn wir nicht bald aufhören, so kleinkariert zu denken, können unsere Enkelkinder als Putzhilfen in Shanghai arbeiten (wenn sie Glück haben).
weltoffener_realist 21.05.2010
4. Sie sprechen mir aus der Seele!
Zitat von starbuckxxxsowie Mitarbeiter (Plural) in den letzten Jahren (Plural) für eine Million EUR ist dich wohl wirklich nicht teuer. Kann denn niemand mehr rechnen ? Und wenn's nicht geklappt hat ... So what, war doch ein guter Versuch. Wenn wir nicht bald aufhören, so kleinkariert zu denken, können unsere Enkelkinder als Putzhilfen in Shanghai arbeiten (wenn sie Glück haben).
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt - diese Weisheit wird in Deutschland gern vergessen. Und so haben wir weltweit mit die höchste Förderung für Existenzgründer und doch eine der niedrigsten Gründerquoten. Und warum? Weil wirtschaftlich misslungene Wagnisse sozial geächtet sind. Erfolg schürt Neid, Misserfolg erntet Häme und soziale Sanktionen - ein tolles Klima
zerogruen 21.05.2010
5. Warum auch spenden?
Ungeachtet der Wahrheiten der beiden vorhergehenden Beiträge, möchte ich doch anmerken, das dieses Unternehmen scheitern musste. Wer seine Studierende wie zu verwaltendes Stückgut behandelt und jede noch so geringe affektive Bindung mit neuem Regelwerk zerstört, der braucht keine Großspender erwarten. Dieser Uni verdankt keiner was, wer hier was reißt verdankt es überdurchschnittlich engagierten DozentInnen oder dem eigenen Können. Die Uni und insbesondere ihre Leitung trägt dazu nichts bei. Ich persönlich würde und werde dieser Institution keinen Cent zufließen lassen.
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