Uni-Fotoprojekt In der Kammer des Lernens

An der Uni Göttingen gibt es Lernkabinen, in die sich Studenten zum ungestörten Arbeiten zurückziehen können. Drei Kommilitonen haben sie dort fotografiert.

Petja Ivanova

Wenn die Abschlussarbeit ansteht, ist selbst die Bibliothek zu lärmig. Jeder Kommilitone, der hustet, mit dem Stuhl wackelt oder nur eine Buchseite umblättert, wird zum Ärgernis. Einschließen müsste man sich, ganz allein, abgeschottet in eine winzige Kammer, damit auch ja niemand stört.

Genau für diese Fälle bieten viele Universitäten Lernkabinen an. Sie messen nur wenige Quadratmeter und sind spärlich eingerichtet. Ein schmaler Tisch, ein Stuhl, zwei Regale, mehr Komfort gibt es in der Regel nicht. Vor allem Studenten, die ihre Abschluss- oder Doktorarbeit schreiben, sind trotzdem von dem Angebot begeistert. Wer eine Lernkabine ergattern will, muss sich an einigen Unis Monate im Voraus darauf bewerben.

Fotostrecke

12  Bilder
Lernkabinen: Eine Kammer, immer anders

Ist diese Hürde genommen, wird die karge Zelle für Monate zum Lebensmittelpunkt. Viele Studenten richten sich häuslich ein, hängen Wimpel auf, bringen Wolldecken mit oder stellen Pflanzen aufs Fensterbrett.

"Das müsste man fotografieren", dachte sich Petja Ivanova, die an der Uni Göttingen studiert. Gemeinsam mit ihren Kommilitonen Vincent Ruppel und Kevin Kessing startete sie deshalb ein Fotoprojekt - und porträtierte Studenten in ihren Lernkabinen. "Es war überraschend einfach, unsere Kommilitonen für das Projekt zu begeistern", sagt sie.

Und nicht nur diese waren begeistert, sondern auch die Uni-Leitung. Sie organisierte eine Ausstellung für die Bilder und zeichnete die drei Fotografen mit einem Kreativpreis aus.

koe



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zora81 01.07.2018
1.
Als ich für meine Staatsexamina in Medizin gelernt habe, hätte ich mir einen Arm ausgerissen für eine solche Kabine, vor allem in der Zeit als ich eine mehrjährige Großbaustelle vor meiner Tür hatte. In meiner Bibliothek gab es auch solche Lernkabinen, die waren immer über Monate ausgebucht - und wurden tatsächlich kaum benutzt! Ich habe ja mehrere Monate bis zu 12 Stunden täglich in der Bibliothek verbracht und hatte eine gute Aussicht auf die Kabinen. Das hat mich immer wahnsinnig geärgert! Der Platz war so knapp und begehrt bei uns, dass es Parkkarten gab, die auf die Tische gelegt werden mussten, sobald man seinen Platz verließ. Es gab regelmäßig Zoff zwischen den Medizinen bzw. Juristen und den anderen Studenten, da die Tische geräumt werden durften, sofern ein Tisch länger als eine Stunde verlassen wurde.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.