Grafik-Spielerei Der Student, der Obama zum Joker machte

Obama war ihm zu rechts - darum setzte sich der US-Student Firas Alkatheeb an den Rechner und machte aus dem Porträt des Präsidenten den Oberschurken "Joker". Jetzt ist sein Poster Kampagnenmunition für rechte Anti-Obama-Aktivisten. Tantiemen für T-Shirts will der Student nicht nehmen.

AFP

Im Wahlkampf war Barack Obama der Kandidat der Jugend und der Großstädte in Amerika und schaffte es auf dieser Welle der Euphorie bis ins Weiße Haus. "Hope", Hoffnung, stand auf Postern und Buttons, und Obama war der Hoffnungsträger.

Nicht für den Geschichtsstudenten Firas Alkhateeb. Der 20-Jährige war mit dem Hype um den schwarzen Kandidaten nicht einverstanden - vor allem, weil Obama in Alkhateebs "sehr, sehr liberalen Heimatstadt" Chicago zu stark überhöht wurde, wie der Student der Tageszeitung "Los Angeles Times" sagte.

Weil Alkhateeb in seinen Winterferien langweilig war, so die "L.A. Times", machte er sich an Obamas Gesicht zu schaffen. Er schnappte sich ein Obama-Cover des Nachrichtenmagazins "Time" und begann, das Bild zu verändern. Sein Ziel: Obama sollte zum Erzfeind des Comic-Superhelden Batman werden, zum Joker, in "The Dark Knight" besonders diabolisch verkörpert von Heath Ledger.

Fies grinst der ultimative Bösewicht. Seine Wangen sind bis zu den Ohren aufgeschlitzt, dann stümperhaft genäht und rot geschminkt. Die Haare grün, das Gesicht leichenblass und schwarz die Augenhöhlen. Mit dieser Fratze verschnitt Firas Alkhateeb das Gesicht des demokratischen Präsidentschaftskandidaten - und schuf damit ein ikonografisches Motiv, das er auf seine Seite beim Online-Bildportal flickr lud.

Eine Ikone für das rechte Amerika

Jetzt, im Sommer 2009, ist Amerika in Aufruhr: Das rechte Establishment hetzt Hand in Hand mit der Pharma- und Gesundheitsindustrie gegen die Idee, den USA ein Gesundheitswesen nach westeuropäischem Vorbild zu verpassen.

Ironischerweise sieht man bei den Protesten der rechten Obama-Gegner meist das Joker-Bild von Firas Alkhateeb, dem der Kandidat Obama nicht links genug war. Ausgerechnet er bescherte der Rechten in den USA mit seiner Photoshop-Arbeit ihr neues Lieblingsbild. Noch dazu versehen mit dem Wort "Socialist", dem absurden Vorwurf an Obama, in den USA den Sozialismus einführen zu wollen. Ein Punkt, der Alkhateeb ärgert: "Ihn einen Sozialisten zu nennen, ist wirklich kindisch", sagte der Student der L.A. Times. "Außerdem: Wer hat denn gesagt, dass es schlimm ist, Sozialist zu sein?

Wer das Bild von Alkhateebs Flickr-Seite nahm und abwandelte, ist nicht bekannt. Flickr jedenfalls löschte den Eintrag, so erzählte es Alkhateeb der "L.A. Times", das Unternehmen wollte dies nicht kommentieren. Mittlerweile haben andere Nutzer das Bild wieder auf Flickr hochgeladen.

"Nachdem Obama gewählt war, sahen ihn all die Leute praktisch als einen zweiten Heiland an", sagte Alkhateeb. "Aus meiner Sicht war da nicht viel dran." Zur Wahl ging Alkatheeb im November nicht, hätte er gewählt, wäre sein Kandidat der Demokrat Dennis Kucinich gewesen - ein wahrer Linker, zu dessen Zielen die Verstaatlichung der Federal Reserve, eine staatliche verpflichtende Krankenversicherung für alle Amerikaner und die Abschaffung der Welthandelsorganisation und der Nafta gehören.

Mit Grafikdesign hatte der Student Alkhateeb bislang nicht am Hut. Eigentlich will er Geschichtslehrer und Football-Trainer werden, sagte der Sohn palästinensischer Einwanderer der "L.A. Times". Von seinem landesweiten Erfolg und seinen derzeitigen Ruhm seien seine Verwandten sehr überrascht gewesen.

Bislang hatte er seine Identität aus zwei Gründen geheim gehalten: Erstens wollte er nicht zum Buhmann in seiner Heimatstadt Chicago werden, und zweitens fürchtete er urheberrechtliche Konsequenzen, weil er sowohl das Cover eines Nachrichtenmagazins als auch das Joker-Gesicht benutzt hatte. An Tantiemen für die T-Shirts, auf denen Alkhateebs Version des Obama-Konterfeis zu sehen ist, hat er noch nicht gedacht: "Das wäre schon nett, aber so eine große Sache ist das nun auch nicht."

cht

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