Greifswalder Namensstreit beendet Umstrittener Dichter bleibt Uni-Patron

Die Freunde des Regionalheiligen siegen über die Gegner des antisemitischen Franzosenfressers: Der "schwierige Patron" Ernst Moritz Arndt bleibt Namensgeber der Greifswalder Uni. Eine Studenteninitiative wollte ihn loswerden, doch weder Studenten noch Senat folgten.

dpa

Die Universität Greifswald wird auch künftig den Namen des antisemitischen und deutschnationalen Dichters Ernst Moritz Arndt tragen. Einen entsprechenden Beschluss fasste am Mittwoch der Senat der Universität, nach monatelanger Debatte.

Für eine Umbenennung stimmten 14 Senatoren, 22 sprachen sich dagegen aus. Es gab keine Enthaltungen. Mit dem Ergebnis verfehlten die Arndt-Gegner die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Studentische Senatoren und ein Senator der Gruppe der Professoren hatten einen Antrag zur Änderung der Grundordnung der Universität eingebracht. Der Name sollte demnach in Universität Greifswald geändert werden.

Die Senatsvorsitzende Maria-Theresia Schafmeister sagte SPIEGEL ONLINE, die Debatte um Arndt dürfe nicht enden. Arndt sei "ein schwieriger Patron", mit dem man sich weiter auseinandersetzen müsse, so Schafsmeister. Der Antragsteller für eine Umbenennung, der Vize-Senatsvorsitzende Thomas Schattschneider, zeigte sich enttäuscht. Er sprach sich dafür aus, sich in der Forschung schwerpunktmäßig mit dem Namenspatron auseinanderzusetzen.

"Uni ohne Arndt"-Gründer Jabbusch gibt auf

Thorben Vierkant, Mitbegründer der Initiative "Arndt AG Uni Greifswald", war überrascht und erfreut über das Votum pro Arndt. Mit einer so deutlichen Mehrheit habe er nicht gerechnet, sagte er SPIEGEL ONLINE.

Enttäuscht zeigte sich hingegen Sebastian Jabbusch, Sprecher der Initiative "Uni ohne Arndt". Er sei "stolz darauf, dass wir überhaupt eine Debatte angeregt haben und nun offensiver mit dem Thema umgegangen wird", sagt Jabbusch SPIEGEL ONLINE. Nun müssten sich kommende Studenten-Generationen mit Arndt befassen. Der Student hatte einen fast dreijährigem Kampf gegen den Namen Arndt gefochten und gibt sein Engagement nun auf.

Jahrelange Debatte, Entscheidung nach 25 Minuten

Der Senatsentscheidung war eine jahrelange Debatte um den Dichter Ernst Moritz Arndt (1769-1860) vorausgegangen. Entsprechend groß war der Auflauf zur entscheidenden Sitzung des Hochschulgremiums: Rund 100 Gäste kamen zur Senatssitzung im Erdgeschoss des Hauptgebäudes, berichtet das Greifwalder Studentenmagazin "Webmoritz" in seinem Twitter-Feed aus dem Saal.

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Uni Greifswald: Mehrheitsvotum pro Arndt
Beide Lager standen sich demnach in ungefähr gleicher Stärke gegenüber. Nach nur 25 Minuten stand mit überraschend deutlichem Ergebnis fest, dass die Uni den Namen Arndt behalten werde. Auf der einen Seite brach Jubel aus, die Gegner waren sichtbar enttäuscht, berichtete "Webmoritz".

Bei einer studentischen Urabstimmung hatten sich Mitte Januar 43 Prozent der Greifswalder Studenten gegen den Namen Arndt ausgesprochen, knapp 50 Prozent jedoch dafür. Insgesamt hatte sich rund jeder Vierte der 12.300 Studenten an der Abstimmung beteiligt.

Namenstreitigkeiten haben an deutschen Bildungseinrichtungen eine lange Tradition. Meist geht es dabei um Figuren, die sich im "Dritten Reich" als Rassisten oder Verfechter der nationalsozialistischer Ideologie hervorgetan hatten.

Der Ernst-Moritz-Arndt-Universität war der Name 1933 durch den damaligen preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring verliehen worden. Während Kritiker und Historiker den Namensgeber vor allem wegen dessen Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus ablehnen, verweisen Befürworter einer Namensbeibehaltung auf Arndts Verdienste im Kampf gegen Leibeigenschaft sowie als Philosoph und Dichter.

cht/ste/ddp/dpa



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