Cambridge und Co. Britische Elite-Unis melden Tausende Betrugsfälle

Gekaufte Aufsätze, erschummelte Noten: Laut "Guardian" verzeichnen Oxford, Cambridge und andere Top-Universitäten einen starken Anstieg akademischen Fehlverhaltens - und liefern die Erklärung gleich mit.

Oxford (Archivbild)
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Oxford (Archivbild)


Oxford, Cambridge und 17 weitere führende britische Universitäten haben in den vergangenen drei Jahren einen starken Anstieg von Fällen registriert, in denen Studenten beim Schummeln erwischt wurden, wie der "Guardian" berichtet.

Nach den Recherchen der Zeitung verzeichneten die Hochschulen im Jahr 2014/15 insgesamt 2640 Fälle akademischen Fehlverhaltens. Im Jahr 2016/17 waren es hingegen 3721 Fälle - ein Zuwachs von rund 40 Prozent. Plagiate machten weit mehr als die Hälfte der Verstöße aus.

Thomas Lancaster, Dozent am Imperial College London und Plagiatsexperte, sagte dem Blatt: "Mehr junge Menschen spüren mehr Druck als je zuvor - und greifen aufs Schummeln zurück, um leichter den Abschluss zu schaffen." Außerdem sei es einfacher geworden, fertige Aufsätze und Arbeiten übers Internet einzukaufen.

Ein weiterer Grund: Die Hochschulen sind laut Lancaster besser darin geworden, Verstöße gegen akademische Standards zu dokumentieren. Darauf verweist auch die Leeds University, wo sich die Zahl der Täuschungsfälle in drei Jahren von 181 auf 433 mehr als verdoppelt hat. Auch die Glasgow University verzeichnete einen deutlichen Anstieg, von 161 auf 394 Fälle.

Selten schlüsselten die Hochschulen auf, um welche Vergehen es sich im Einzelnen handelt. Doch ein wachsendes Problem, so Lancaster, seien Ghostwriter-Firmen, die Studenten Hausarbeiten und Dissertationen verkauften.

Plagiatsfälle und Betrugsversuche an deutschen Hochschulen werden nicht zentral erfasst. Jede Einrichtung sei selbst für die Dokumentation und Bearbeitung solcher Fälle zuständig, sagte ein Sprecher des Deutschen Hochschulverbands. Eine Aussage darüber, ob akademische Fehltritte zu- oder abnähmen, sei deshalb schwierig zu treffen.

In Großbritannien sind die Studiengebühren für einheimische und EU-Studenten in den vergangenen Jahren vielerorts drastisch gestiegen. Auch das setze Studierende unter einen höheren Druck, sagte Yinbo Yu von der National Union of Students.

Seit Jahresbeginn sind laut "Guardian" strengere Auflagen in Kraft, die Anbieter von Ghostwriting-Diensten dazu verpflichten, Studenten vor möglichen Sanktionsmaßnahmen ihrer Hochschule zu warnen. Die Anbieter fingen junge Kunden nicht nur auf dem Campus, sondern auch in sozialen Netzwerken und mit Werbe-E-Mails ab.

Solche und andere Täuschungsversuche seien eine "echte Gefahr für den exzellenten Ruf des britischen Hochschulwesens", warnte Ian Kimber von der Quality Assurance Agency, die die akademischen Standards an Universitäten in Großbritannien sichern soll.

lov

insgesamt 47 Beiträge
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JaguarCat 30.04.2018
1. Finde ich gut ...
... dass die Unis inzwischen stärker gegen Plagiate vorgehen. Geschummelt wurde ja schon immer, in Zeiten moderner Suchmaschinen ist es aber einfacher geworden, die jeweilige Original-Quelle zu finden.
dschmi87 30.04.2018
2. Ist in Deutschland nicht anders...
Wenn ich nur an die Kinder meiner ehemaligen Nachbarn aus Ulm denke. Beide Eltern Akademiker, die ihre Kinder in dem Glauben erzogen haben, das sie was besseres seien. Nur der Sohn musste nach der 7 Klasse das Gymnasium verlassen, er war einfach zu schlecht. Die Eltern schickten ihn auf die Privatschule, Kosten: 600€/Monat. Aber auch hier kam er nur mit ach und Krach durchs Abi... dann Studium, weil der Vater Ingenieur ist, muss der Sohn auch einer werden. Also eingeschrieben für Luft und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart, nach 3 Semester ist er rausgeflogen, O-Prüfungen nicht geschafft. Dann an der Uni Ulm, Elektrotechnik. Auch hier nach 3 Semestern, O-Prüfungen nicht geschafft. Dann schickte man den Herrn auf eine Private Uni in NRW, Kosten pro Monat waren glaub 1500€. Er schaffte nach 9 Semestern den Bachelor, nach 6 den Master. Bei seiner Verteidigung der Masterarbeit war er nicht so fest im Stoff eingearbeitet, wie er als angeblicher Verfasser dieser Arbeit hätte sein sollen. Ach ja er zeugte in der Zeit 2 Kinder, geht bis heute keiner Arbeit nach, von Beruf Sohn. Heute promoviert er als Externer an einem Institut, aber keine Sorge der Sponsor ist wieder Daddy, denn der Sohn braucht auch ums Verrecken einen Doktortitel. Daddy hat auch für den Doktorvater gesorgt... mit Geld kann man sich in Deutschland alles kaufen. Und nein ich bin weder neidisch noch sonst was, ich bin den ehrlichen und längeren Weg gegangen (erst Ausbildung, Studium, Promotion, dann für ein anständiges Gehalt in die Schweiz gegangen) und profitier vor allem jetzt davon! Es ist nur eine traurige Analyse das vieles nur Schein ist... wenn ich nur an Frau Schavan denke oder den Adeligen aus Bayern... edit: die oben genannte Person ist bis heute immer noch nicht fertig... aber er fühlt sich als Teil einer „Elite“.
arikimau 30.04.2018
3. Es gibt einen anderen Grund
Viele Abschlüsse sind nur Wichtig um Karriere zu machen, dabei ist es unwichtig ob man im Studium etwas gelernt hat.
citizen_k 30.04.2018
4. Die schöne neue Welt des Thatcherismus
Den Reichen, was immer Sie scheffeln und sich damit erkaufen können, den Armen das Ihre (politisch korrekt!). Toni und der kleine Gerd haben es ihr mehr als nachgedacht.
chrismuc2011 30.04.2018
5.
Ich wundere mich immer über die Aussagen, das Studium würde immer schwieriger werden und die Studenten unter Druck sein. Ein Bachelor- oder Masterstudium ist nachgewiesenermaßen leichter als ein Diplom, das Abitur ist leichter geworen, wenn man den gleichen Notenpegel sich ansieht. Auch früher stand man unter Druck. NC, aufwendige und zeitraubende Recherchen in Bibliotheken, Geldnot, die dazu zwangen, das Studium schnell zu beenden. Heute im Internet gibt es Tutorials, Recherche ist sehr einfach geworden, zudem internationaler. Und günstige Zimmer gab es auch nur bei einer Mutti, die einen streng kontrolliert und oftmals Familienanschluß gesucht hat und pingelig war, wer da zu Besuch kommt.
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