Großbritannien Studenten müssen beim Brexit draufzahlen

Seit dem Brexit-Votum verliert das Britische Pfund an Wert. Dadurch steigen die Zinsen für Studienkredite - auf das 24-Fache des offiziellen Leitzinses der Bank of England.

Absolventen der Uni Oxford (Archiv)
REUTERS

Absolventen der Uni Oxford (Archiv)


Für britische Studenten könnte der Brexit teuer werden. Nach dem EU-Austrittsvotum ist die Inflationsrate in Großbritannien deutlich gestiegen - und damit auch der Zinssatz für Studienkredite. Ab September werden 6,1 Prozent Zinsen fällig. Ein Drittel mehr als die Studenten aktuell zahlen müssen, wie der "Guardian" berichtet.

Die fälligen Zinsen hängen vom britischen Retail Price Index RPI ab, einem Indikator für Inflation, der monatlich vom Office for National Statistics veröffentlicht wird. Er misst, wie sich die Kosten einer repräsentativen Stichprobe von Einzelhandelsgütern und Dienstleistungen verändern.

Entscheidend für die Zinssätze ist der RPI vom März des jeweiligen Jahres, weitere drei Prozent werden auf den Wert draufgeschlagen. Im März 2016 lag der RPI bei 1,6 Prozent, aktuell zahlen Studenten deshalb 4,6 Prozent Zinsen. Im März 2017 lag der RPI jedoch wegen der Inflation bei 3,1 Prozent. Studenten müssen deshalb künftig satte 6,1 Prozent Zinsen zahlen. Dadurch steigt der Zinssatz für Studienkredite auf mehr als 24-Fache des offiziellen Leitzinses der Bank of England.

"Schlimmer, als ich dachte"

Jake Butler, der Studenten bei finanziellen Problemen berät, sagte dem "Guardian": "Ich hatte damit gerechnet, dass die Zinsen für Studienkredite in diesem Jahr steigen werden, aber es ist schlimmer, als ich dachte." Er fordert, die Zinsen anders zu berechnen.

Von der Neuberechnung sind nicht nur Studienanfänger betroffen, sondern alle, die am oder nach dem 1. September 2012 einen Studienkredit aufgenommen haben. Allerdings gilt auch: Sie müssen ihren Kredit erst zurückzahlen, wenn sie mehr als 21.000 Pfund im Jahr verdienen, umgerechnet fast 25.000 Euro. Nach 30 Jahren verfallen alle Ansprüche.

koe



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
kumi-ori 12.04.2017
1.
Ich finde das gerecht. Denn wenn die Inflation bei 3,6% liegt, dann ist auch damit zu rechnen, dass der Student (im Durchschnitt) künftig 3,6% mehr verdienen wird. Der Student zahlt den gleichen Wert (+ 3% p. a.) zurück, nur der Betrag in Pfund ändert sich.
dirkozoid 13.04.2017
2. Da verdient jemand schön auf Kosten der Allgemeinheit
Wer vergibt denn diese Kredite? Derjenige verdient sich eine goldene Nase auf Kosten der Bildung junger Leute. Die Berechnung ist ein ziemlicher Skandal. Hier in Deutschland richten sich die Zinssätze der Studienkredite nach den Leitzinssätzen und sind dementsprechend niedrig. 6,1% für einen Studienkredit? Da kann ich mir ja gleich bei der Mafia Geld leihen. Das ist ein ziemlicher Skandal! Ist bestimmt auch die EU dran schuld und mit dem Brdxit wird alles besser - NICHT!
kinngrimm 13.04.2017
3. die den Brexit nicht wollten,
müßen jetzt für Ihn bezahlen. Das sollte sie zumindest dazu bewegen sich in der Politik zu engagieren, zumindest aber zur Wahl zu gehen.
HerrPeterlein 14.04.2017
4. Macht viel aus
Bei der Höhe der Kredite, gerade am Anfang der Berufslaufbahn, ist das schnell 1 Monatsgehalt mehr nur für Zinsen.
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