Gute Noten gegen Sex Professor darf weiter unterrichten

Wegen sexueller Belästigung von Studentinnen wurde einem Professor der Universität Hannover das Gehalt um 5400 Euro gekürzt. Eine schärfere Strafe wollte das Wissenschaftsministerium wegen seiner "Bereitschaft zur Besserung" nicht. Dass der Hochschullehrer im Amt bleibt, stößt bei Studierenden auf Unverständnis.


Lediglich eine zehnprozentige Gehaltskürzung muss der Professor hinnehmen. Ute Stallmeister, Sprecherin des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums, bezeichnet den Fall als "äußerst unerfreulich". Und Helga Gotzmann, Frauenbeauftragte der Uni Hannover, sagt, es sei empörend und bedauerlich zugleich, "dass wir immer noch sexuelle Belästigung an den Hochschulen haben".

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Der Fall dreht sich, knapp gefasst, um gute Noten gegen Sex. Mindestens zwei Studentinnen gegenüber hat ein Professor der Uni Hannover ein solches Angebot gemacht. Dafür wurde der 60-Jährige auch bestraft, erhielt jedoch nur eine relativ milde Geldbuße. Entlassen wird er nicht. Und das können so manche nicht verstehen, sind verärgert und empört.

Die Vorgeschichte: Eine Studentin hatte sich an den Professor aus dem Bereich Geisteswissenschaften gewandt und ihn um Unterstützung bei ihrer Doktorarbeit gebeten. Bereits bei diesem ersten Treffen habe er sie zur Begrüßung und zum Abschied umarmt, ferner auch auf den Mund geküsst, so die verheiratete Frau. Sie habe zwar deutlich ihre Abneigung ausgedrückt, aber das habe ihn nicht gestört, erklärte sie. Stattdessen habe er vorgeschlagen, ihr noch mehr zu helfen, wenn sie einmal pro Woche mit ihm Zärtlichkeiten austausche. Ihr Ehemann bräuchte davon ja nichts zu wissen.

Nach Einspruch Gehaltskürzung verdoppelt

Gegenüber der zweiten Studentin soll der Professor angedeutet haben, dass seine Ehe schlecht laufe. Und in diesem Kontext habe er ihr zu verstehen gegeben, dass sie eine Klausur noch mal schreiben könnte, hieß es. Doch die junge Frau lehnte das Tauschgeschäft ab.

Unabhängig voneinander wandten sich beide Studentinnen an die Frauenbeauftragte. Die zwei hätten gewollt, dass die Belästigungen aufhörten, aber auf Anzeigen verzichtet, "weil aus vielen anderen Strafverfahren die Erfahrung da ist, dass es den Karrieren der Frauen schadet", so Helga Gotzmann.

Zunächst wurde die Sache Uni-intern geregelt. Der Professor erhielt eine Gehaltskürzung von fünf Prozent. Dagegen beschwerte er sich, jedoch mit zweifelhaften Argumenten. Daraufhin erhöhte Niedersachsens Wissenschaftsministerium den Abzug auf zehn Prozent, und zwar für die Dauer eines Jahres. Gesamt-Summe: 5400 Euro.

"Es gibt ganz viele Gerüchte"

Eine Disziplinar-Kammer bestätigte das, konnte sich überdies noch eine härtere Strafe vorstellen: "Wiederholte sexuelle Belästigungen von Frauen durch einen Beamten, der dabei seine dienstliche Stellung auszunutzen versucht, weisen auf ein hohes Maß an Pflichtwidrigkeit hin, so dass hier auch eine härtere Sanktion als eine Gehaltskürzung in Betracht gekommen ist", stellte die Kammer fest. Nach einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" erklärte sich der 60-Jährige mit der bis dato makellosen Personalakte bereit, an therapeutischen Gesprächen teilzunehmen.

Zudem darf eine solche Kammer immer nur zu Gunsten, nicht zu Lasten eines Betroffenen eingreifen. Für schärfere Sanktionen hätte das Ministerium ein förmliches Disziplinarverfahren einleiten müssen. Eine niedrige Besoldungsstufe oder gar Entlassung des Dozenten wären dann möglich gewesen. Aber das wollte man nicht, was Ministeriums-Sprecherin Ute Stallmeister so begründet: "Das wäre unangemessen, insbesondere deshalb, weil der Professor seine Bereitschaft gezeigt hat, sich zu bessern, sich beobachten zu lassen. Und das hat uns gezeigt, dass hier durchaus die Besserung gewollt ist."

So ist er der Professor weiter im Amt. An der Uni wissen nur wenige, um wen es sich tatsächlich handelt. "Es gibt ganz viele Gerüchte, Professoren werden zu Unrecht verdächtigt. Zum anderen rufen Eltern an und fragen, ob sie ihre Kinder hier studieren lassen können", sagt Asta-Sprecherin Anna Berlit.

Berlit ist unzufrieden mit der Geldbuße von 5400 Euro, zumal der Professor nach wie vor lehren und prüfen darf. In seinen Sprechstunden allerdings muss nun stets eine Aufsicht mit dabei sein - ansonsten keine weiteren Konsequenzen. Möglich, dass das noch passiert: Nach örtlichen Medienberichten über den Fall läuft jetzt ein staatsanwaltschaftliches Vor-Prüfverfahren gegen den Professor.

"Campus & Karriere" / Deutschlandfunk



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