Guttenberg gegen Uni Bayreuth Rache des Depromovierten

Da will einer alte Rechnungen begleichen, auch mit früheren Freunden: Karl-Theodor zu Guttenberg wirft der Universität Bayreuth Parteilichkeit in der Plagiatsaffäre vor. Der Ex-Doktor greift damit ausgerechnet jene Hochschule an, die ihm lange wohlgesinnt war.

Von

Ex-Minister Guttenberg (CSU) in Kanada: Mit 80 Datenträgern zum Doktortitel
dapd

Ex-Minister Guttenberg (CSU) in Kanada: Mit 80 Datenträgern zum Doktortitel


Vorsätzlich getäuscht? Ein Betrüger gar? Nein, das will er nicht auf sich sitzenlassen. Und deshalb teilt Ex-Minister und Ex-Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg jetzt noch einmal aus - auch gegen seine alte Universität in Bayreuth, an der er einst mit Bestnote promoviert wurde, die ihm dann aber in diesem Jahr den Doktortitel wieder aberkennen musste.

In dem Interview-Buch, für das sich Guttenberg vom "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo befragen ließ, gibt sich der Depromovierte zwar reuig und spricht von ungeheuerlichen Fehlern. Aber er ist auch äußerst angriffslustig und wird mit den Worten zitiert: "Die Universität war in dieser Sache leider nicht unabhängig, sondern immer Partei." Das Urteil der Prüfung seiner Arbeit habe von vornherein festgestanden. Den Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung, den die Uni erhoben hat, weist er weit von sich. Und dann fügt Jurist Guttenberg noch an: "Ich bin nicht bereit, mir von einer Kommission, die noch nicht einmal mehrheitlich mit Juristen besetzt gewesen ist, eine rechtlich relevante vorsätzliche Täuschung vorwerfen zu lassen."

Da keilt jemand gegen seine alte Hochschule, obwohl die es ihm ziemlich lange ziemlich leichtmachen wollte, einigermaßen gesichtswahrend aus der Affäre herauszukommen. Noch als sich kaum mehr leugnen ließ, dass mit der Doktorarbeit vieles nicht stimmte, nannte der Uni-Präsident Guttenberg einen "Freund der Universität". Und es sah einen Moment lang so aus, als sollte die Angelegenheit damit beendet werden, dass der Promotionsausschuss Guttenberg - auf dessen Wunsch hin - den Titel aberkannte.

Es kam anders. Oliver Lepsius, Rechtsprofessor in Bayreuth und dort Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle, stellte sich vor die Kameras und sprach das aus, was viele in der akademischen Welt dachten: Guttenberg sei ein Betrüger. Lepsius empörte sich über ein "Ausmaß an Dreistigkeit, das wir bisher nicht gesehen haben". Schließlich bescheinigte auch die Uni ihrem prominenten Ex-Doktoranden "vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten".

"Nicht alles, was unanständig ist, ist strafbar", sagt Jura-Professor Lepsius

Doch auch das will Guttenberg so nicht stehenlassen und wirft dem renommierten Rechtswissenschaftler Lepsius mangelnde "juristische Kunstfertigkeit" vor. Lepsius habe einen Betrugsvorwurf gezimmert, obwohl doch jeder Jurist wissen müsse: "Es kann rechtlich kein Betrug sein, ganz egal wie man zu Guttenberg steht", so Guttenberg. "Und niemand lässt sich gern Betrüger nennen, wenn es kein Betrug ist." Das habe auch die Staatsanwaltschaft Hof klar festgestellt.

Mit seinen Attacken bringt Guttenberg so erneut die akademische Welt gegen sich auf. Der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) reagierte prompt, nahm die Uni Bayreuth in Schutz und wies die Vorwürfe ihres früheren Doktoranden zurück: Die Bayreuther Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft habe "sorgfältig und unabhängig geprüft und ist zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Daran gibt es nichts zu deuten".

Jura-Professor Lepsius will von seinen Worten ebenfalls nichts zurücknehmen. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte er: "Meine damaligen Äußerungen waren angemessen und haben die Dinge beim Namen genannt, wie sie vom Anstandsgefühl her empfunden werden." Guttenberg wolle die vorsätzliche Täuschung nicht wahrhaben, das sei juristisch gesehen absurd. "Einer Strafe entgeht er nur deshalb, weil das Urheberrecht sich an Vermögensschäden orientiert. Sich nun darauf auszuruhen, finde ich unbillig. Wir wissen doch: Nicht alles, was unanständig ist, ist strafbar." Lepsius hält selbst einen Realitätsverlust Guttenbergs für möglich, so verdreht findet er die Anwürfe des Ex-Ministers.

Guttenberg argumentiert in dem Interview-Buch, das an diesem Dienstag erscheint: Wenn er hätte täuschen wollen, hätte er es schlauer angestellt. Er sei mit dem Verfassen seiner Doktorarbeit einfach überfordert gewesen und habe irgendwann nicht mehr überblicken können, was von ihm und was aus anderen Quellen stamme. Auf der Internetplattform GuttenPlag sind zwar 1218 Plagiatsfragmente aus 135 Quellen auf 371 von 393 Seiten dokumentiert, das kontert Guttenberg aber mit Zahlen, die er ebenfalls für beeindruckend hält: Seine Arbeit sei auf 80 Datenträgern verteilt gewesen, und er habe an vier Computern daran gearbeitet. Alles ein großes Durcheinander.

Strafrechtlich wird die Plagiatsaffäre ihn allerdings nicht mehr einholen. Die Staatsanwaltschaft Hof fand zwar 23 rechtlich relevante Urheberrechtsverstöße, stellte das Ermittlungsverfahren aber pünktlich zur bevorstehenden Buchveröffentlichung ein, gegen die Zahlung von 20.000 Euro an die Deutsche Kinderkrebshilfe - den Termin konnte Guttenberg offenbar mitbestimmen.

Die Politologin und Journalistin Sonja Volkmann-Schluck, die Guttenberg angezeigt hatte, weil er von ihr abgeschrieben hatte, kritisierte im SPIEGEL-ONLINE-Interview, dass er sich "mit einer Spende sozusagen freikaufen kann und ohne Verfahren aus der Affäre herauskommt". Ähnlich sahen es die SPIEGEL-ONLINE-Leser, die den Comeback-Versuch Guttenbergs hämisch bis zornig kommentierten.

Mit Material von dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 473 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
c++ 29.11.2011
1. .
Bitte keine Guttenberg-Threads mehr. Es reicht. Welche Beziehungen hat der, dass ihn die Mainstreammedien so aufbauen? Die Bürger, so Internetumfragen, wollen G. nicht mehr zurück. Der Spiegel kann ja mal selbst seine Leser befragen, dann ist hoffentlich Ruhe.
prolet20.4 29.11.2011
2. P
Zitat von sysopDa will einer alte Rechnungen begleichen, auch mit früheren Freunden: Karl-Theodor zu Guttenberg wirft der Universität Bayreuth Parteilichkeit in der Plagiatsaffäre vor. Der Ex-Doktor greift damit ausgerechnet jene Hochschule an, die ihm lange wohlgesonnen war. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,800437,00.html
Die Parallelwelt des Herrn von und zu. - Was für ein egomanischer Blender.
_alexander_ 29.11.2011
3. Wäre es zu hoch gegriffen...
... wenn man behaupten würde, dass dieser Mann jedweden Bezug zur Realität verloren hat?
kuddel37 29.11.2011
4. .
Zitat von sysopDa will einer alte Rechnungen begleichen, auch mit früheren Freunden: Karl-Theodor zu Guttenberg wirft der Universität Bayreuth Parteilichkeit in der Plagiatsaffäre vor. Der Ex-Doktor greift damit ausgerechnet jene Hochschule an, die ihm lange wohlgesonnen war. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,800437,00.html
Natürlich sind für diesen Blender und Titelbetrüger jetzt alle anderen Schuld die ihn enttarnt haben. Er hat sich doch schon zur absoluten Witzfigur gemacht, aber anscheinend mag er es ,diesen, seinen einzigen selbst geschaffenen Erfolg, noch auszubauen.
telimo 29.11.2011
5. Realitaetsverlust
Zitat von sysopDa will einer alte Rechnungen begleichen, auch mit früheren Freunden: Karl-Theodor zu Guttenberg wirft der Universität Bayreuth Parteilichkeit in der Plagiatsaffäre vor. Der Ex-Doktor greift damit ausgerechnet jene Hochschule an, die ihm lange wohlgesonnen war. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,800437,00.html
Auch hier greift er wieder alles und jeden an. Es ist eben einfacher andere fuer seine eigenen Fehler und und Betruegereien verantwortlich zu machen. Allerdings nimmt sein gesammeltes Leugnen von Tatsachen inzwischen schon solche Formen an, dass man wirklich annehmen kann er leide an Realitaetsverlust. Er sollte sich mal professionelle Hilfe holen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.