Guttenbergs Prüfer "Erkennung von Plagiaten 2006 technisch kaum möglich"

Der Doktorvater von Karl-Theodor zu Guttenberg und der Zweitgutachter seiner Dissertation haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. SPIEGEL ONLINE dokumentiert im Wortlaut, was die Jura-Professoren Peter Häberle und Rudolf Streinz zur Affäre sagen.


"Bei allen über einen langen Zeitraum sich erstreckenden Promotionsverfahren entwickelt sich beidseitig aufgrund des damit einhergehenden Diskurses zwischen Doktorvater und Doktoranden ein intensives Vertrauensverhältnis. Daher gehen der Doktorvater (hier: Prof. Häberle) und andere an dem Promotionsverfahren Beteiligte, wie insbesondere der Zweitgutachter (hier: Prof. Streinz), von der Beachtung der Regeln wissenschaftlichen Arbeitens durch den für seine Arbeit insoweit allein verantwortlichen Doktoranden aus.

Dies galt auch und insbesondere im Fall der hier betroffenen Arbeit über "Verfassung und Verfassungsvertrag - Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU", da Herr zu Guttenberg nicht nur bereits im Vorfeld des Promotionsverfahren bei Prof. Häberle ein Seminar besuchte hatte, sondern - wie es üblich ist - die Fortschritte der Arbeit regelmäßig und intensiv mit seinem Doktorvater diskutierte und diskutieren konnte. Ohne Kenntnis der vorgeworfenen Plagiate zeichnete sich die Arbeit aus durch einen hohen Grad der Durchdringung des Themas in allen seinen Facetten, nicht nur rein rechtlich, sondern wie oft in von Prof. Häberle betreuten Arbeiten durch die Einbeziehung kultureller Hintergründe der rechtlichen Entwicklungen. Das Kapitel über den Gottesbezug etwa griff eine damals aktuelle Diskussion des Verfassungsvertrags der EU auf. Anzumerken ist hierbei, dass der Doktorand auch in der mündlichen Prüfung (Rigorosum) auf intensive Fragen zu Methodik und Inhalt der Arbeit souverän antwortete und sich jeglicher Diskussion stellen konnte.

In der Diskussion über die Arbeit sollte man sich stets vor Augen halten, dass die Überprüfung von Dissertationen mit technischen Mitteln 2006 nicht üblich war und bis heute verbreitet (noch) nicht üblich ist. Zudem war die Erkennung von Plagiaten 2006 mit den seinerzeit vorhandenen technischen Mitteln kaum möglich. Plagiatsoftware sowie auch andere Methoden waren damals keineswegs so weit entwickelt wie heute. Selbst Google wies noch nicht die fein justierte Suchmethode wie heute auf. Speziell juristische Arbeiten einbeziehende Programme bedürfen noch heute der Weiterentwicklung. Im Interesse aller Beteiligten dürften künftig entsprechende technische Vorprüfungen auch bei Dissertationen vorzuschalten sein.

Zur Aufgabe des Zweitgutachters ist anzumerken, dass er - ohne Diskurs mit dem Doktoranden - die bereits fertig erstellte Arbeit zu prüfen hat. Das hierzu ebenso vorliegende Erstgutachten des Doktorvaters (Prof. Häberle) zeigt dabei auf, was vom Doktoranden erwartet wurde und inwieweit er diese speziellen Erwartungen erfüllte. Vorliegend würdigte Prof. Streinz dem Profil eines Zweitgutachters entsprechend die Arbeit im Ganzen und befasste sich insbesondere mit den spezifisch europarechtlichen Aspekten der Arbeit.

Dies vorangestellt ging die Bewertung der Dissertation mit summa cum laude seinerzeit von einer Leistung aus, bei der die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens beachtet sind. Verstöße dagegen führen - wie erfolgt - hier zur "Disqualifikation" mit der Folge, dass der Doktortitel entzogen werden musste."

otr

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insgesamt 4 Beiträge
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harro_r 07.03.2011
1. Das sie nichts finden wollten zeigt sich ganz klar an einer Sache:
Das sie nichts finden wollten zeigt sich ganz klar an einer Sache: Sie sind Guttenberg immer noch treu. Anders ist nicht zu erklären, dass sie ihr größtes Entlastungsargument nicht vorbringen: Sie haben Guttenberg Ehrenwort vertraut. Jeder Promotion ist eine ehrenwörtliche Erklärung beizulegen, dass die Arbeit selber angefertigt wurde und alle Quellen korrekt gekennzeichnet sind. Siehe §8 Abs. 6: http://www.uni-bayreuth.de/universitaet/leitung_und_organe/Universitaetsverwaltung/abt1/amtliche-bekanntmachungen/promotion_habil/2000-03-30--01.pdf Dem Ehrenwort eines angesehen Politikers und Freiherrn vertraut zu haben, wäre eine nachvollziehbare Ausrede, dass sie es nicht machen zeigt den nach wie vor vorhandenen Sumpf. Ergo: Uni dicht machen!
Salatsauce 07.03.2011
2. .
2006 gab es ja noch kein Internet und google war noch nicht erfunden. Da kann man den Prüfern keinen Vorwurf machen. Als logische Konsequenz werden sämtliche Arbeiten der letzten Jahre selbstverständlich nochmal überprüft - und sämtlichen Hochstaplern die Titel aberkannt. Oder sehe ich da was falsch?
forenwanderer 08.03.2011
3. Professoren und Doktoren ist nicht (mehr) zu trauen
Auch dieses Lippenbekenntnis des Doktorvaters PROF. Häberle und des Zweitgutachters PROF. Strenz kommt viel zu spät. Offensichtlich mussten sie sich noch eine plausibel klingende Strategie überlegen. Wohlwissend, dass man die Google- Verhältnisse von 2006 nicht rekonstruieren kann, stellt man einfach mal Behauptungen auf. Auch das ist alles andere als wissenschaftlich, meine lieben Herren Professoren! Anstatt einen Beweis zu erbringen, warum ein Auffinden des Plagiats 2006 nicht möglich gewesen sein soll, will man durch diese Strategie die Kritiker dazu drängen, einen Gegenbeweis zu liefern. OK, ich behaupte mal, dass 2006 die Such- Alghorithmen von Google & Co. bereits technisch so ausgereift waren, dass man die gleiche Überprüfung wie heute hätte machen können... Jetzt wären die beiden Professoren wieder an der Reihe, diese Behauptung zu widerlegen. 2006 war die Datenmenge im Netz nachweislich geringer als heute und hätte bei gleicher Vorgehensweise demzufolge noch schneller zu verwertbaren Ergebnissen geführt.
JayMAF 08.03.2011
4. Das hat jetzt was ...
Zitat von forenwandererAuch dieses Lippenbekenntnis des Doktorvaters PROF. Häberle und des Zweitgutachters PROF. Strenz kommt viel zu spät. Offensichtlich mussten sie sich noch eine plausibel klingende Strategie überlegen. Wohlwissend, dass man die Google- Verhältnisse von 2006 nicht rekonstruieren kann, stellt man einfach mal Behauptungen auf. Auch das ist alles andere als wissenschaftlich, meine lieben Herren Professoren! Anstatt einen Beweis zu erbringen, warum ein Auffinden des Plagiats 2006 nicht möglich gewesen sein soll, will man durch diese Strategie die Kritiker dazu drängen, einen Gegenbeweis zu liefern. OK, ich behaupte mal, dass 2006 die Such- Alghorithmen von Google & Co. bereits technisch so ausgereift waren, dass man die gleiche Überprüfung wie heute hätte machen können... Jetzt wären die beiden Professoren wieder an der Reihe, diese Behauptung zu widerlegen. 2006 war die Datenmenge im Netz nachweislich geringer als heute und hätte bei gleicher Vorgehensweise demzufolge noch schneller zu verwertbaren Ergebnissen geführt.
Das hat jetzt was mit Logik zu tun. Jura-Professor + Logik = ? Von dem Gedankengang erholen sich die Professoren in Bayreuth die nächsten 100 Jahre nicht.
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