Härtetest fürs Sportstudium "Du kannst dich böse verletzen"

Das Turnen ist nicht gerade die Lieblingsdisziplin vieler Bewerber an der Kölner Sporthochschule. Körperbeherrschung ist dabei Pflicht - aber für ungelenke Kandidaten wird der Geräteparcours zur motorischen Folterkammer.

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Für Christina, 20, beginnt die Tortur am Reck. Bereits beim Schwimmen hat sie eine Disziplin nicht geschafft, der nächste Fehler würde sie den Studienplatz kosten. Aufschwung, Rückschwung, Umschwung - das macht sie nicht perfekt, aber passabel.

"War gut", kommentiert Dozentin Karin Martin lakonisch - "kindgemäß. Wie ein Kleinkind." Die Prüferin hat in ihren Jahren an der Deutschen Sporthochschule in Köln die Kandidaten schon zu Tausenden straucheln gesehen und dabei offenbar einen etwas verschrobenen Humor entwickelt. Freundlich, aber streng kontrolliert sie den korrekten Bewegungsablauf - und fiebert durchaus mit.

Zum Beispiel bei Christina, die erkennbar kein Turngenie ist und zudem bei der Kleiderwahl daneben lag: Kurzes grünes Shirt, lange schwarze Hose - das macht optisch was her, aber beim Pferdsprung Probleme, weil die Hose über den Boden wischt. "Hochkrempeln, du kannst dich so böse verletzten", rät Martin. Trotzdem kracht Christina gegen das 1,20 Meter hohe Pferd, zwei Helfer fangen sie auf.

Training, bis der Rücken blau wird

"Lag an der Hose", sagt Karin Martin vor dem Sprung und grinst. Danach: "Lag nicht an der Hose." Den einen oder anderen Lapsus von Christina beim Bodenturnen verbucht sie sarkastisch unter "Körpererfahrung". Die Kandidatin erhält noch eine letzte Chance, sie muss die Übung wiederholen.

Anja macht das Turnen keine Sorgen, sie hat schon als Kind am Boden, Balken und Barren trainiert. Mehr Respekt hat sie vor der Leichtathletik. Die erste Disziplin - 6,75 Meter mit der Kugel - gelingt ihr auf Anhieb. Nun kommt der Hochsprung, 1,20 Meter sind zu überwinden.

Geübt hat Anja viel - und landete immer wieder auf der Latte, "bis der Rücken blau war". Nun zwickt sie die Angst, sie scheut vor dem Sprung zurück, obwohl der Anlauf souverän aussieht. Als sie sich endlich ein Herz fasst und springt, schafft Anja es locker. "Sah nach Hochsprung aus", sagt ein Prüfer anerkennend. Allerdings: "1,20 springen schon 15-jährige Schülerinnen."

Anja war zuvor beim Zeitschwimmen zu langsam. Auch Marco steht unter Erfolgsdruck: In der Turnhalle war für ihn beim dritten Klimmzug Schluss, fünf hätte er schaffen müssen. Nun wartet auf ihn eine weitere Kraftdisziplin, das Kugelstoßen.

Der erste Versuch gerät zu kurz, beim zweiten tritt er über und wirft obendrein die Kugel, statt sie zu stoßen. Ebenso misslingt auch sein letzter Versuch. "Die Kugel ist zu früh vom Hals weg, somit geht die Bewegung nicht nach vorn, sondern zur Seite", erklärt das Marco durchaus fachkundig - nur nützt ihm das nichts, er muss trotzdem ohne Studienplatz nach Hause fahren.

In einer Serie dokumentiert SPIEGEL ONLINE das zähe Ringen um einen Studienplatz an der Sporthochschule. Die Filme basieren auf einer SPIEGEL-TV-Reportage von Markus Grün.

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