Handel mit Doktortiteln Drei Jahre Haft für bestechlichen Jura-Professor

Er war der Doktormacher: Ein Professor der Uni Hannover verhalf gegen Geld Juristen zum Doktortitel. Das Landgericht Hildesheim hat ihn wegen Bestechlichkeit in 68 Fällen zu drei Jahren Haft verurteilt.


Ein bestechlicher Jura-Professor der Universität Hannover muss ins Gefängnis. Das Hildesheimer Landgericht verurteilte den 53-Jährigen am Mittwoch zu drei Jahren Haft und folgte damit dem Antrag der Verteidigung - die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und sechs Monate gefordert.

Bestochener Jura-Professor: Drei Jahre Gefängnis
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Bestochener Jura-Professor: Drei Jahre Gefängnis

Der Professor habe sich "wegen Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall" strafbar gemacht, sagte Richter Peter Reschka. Der Jurist kassierte für die Annahme der Kandidaten zur Promotion 153.750 Euro von einer Wissenschafts-Beratungsgesellschaft. Die Betreuung von Doktoranden gehöre aber zu den Dienstpflichten des Professors, so der Richter - dafür dürfe ein Lehrstuhlinhaber keine zusätzlichen Leistungen verlangen. Da Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf Revision verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

Geldsorgen durch Kauf einer Villa in Hamburg

Der Professor hatte bereits ein Geständnis abgelegt und sitzt seit September in Untersuchungshaft. Das Gericht hatte ihm für sein Geständnis eine Strafe von maximal drei Jahren Haft in Aussicht gestellt. Er hatte bereits ausgesagt, dass es sei zu einer "unseligen Zusammenarbeit" mit dem Beratungsinstitut aus Bergisch Gladbach gekommen. Aufgrund von finanziellen Sorgen habe er für die Betreuung von 69 Doktoranden 184.000 Euro von der Agentur angenommen.

Rund 2000 Euro habe er für die Betreuung eines Doktoranden bekommen, bei erfolgreicher Promotion von der Agentur erhielt er weitere 2000 Euro, so der Professor. Der Professor habe gewusst, dass er sich mit der Annahme der Zahlungen von der Promotions-Agentur strafbar mache, sagte der Richter.

Das Motiv des Professors seien finanzielle Probleme gewesen: 1999 habe er sich in einem Hamburger Villenviertel ein teures Haus gekauft, das unerwartet renovierungsbedürftig war. Sein Netto-Gehalt von zuletzt 5000 Euro habe nicht mehr gereicht. Er habe sich in "einer Notlage auf sehr hohem Niveau" befunden, so Richter Peschka.

Den Vorwurf, ungeeigneten Bewerbern geholfen zu haben, wies der Professor zurück. Er habe seine Doktoranden nach bestem Wissen und Gewissen betreut und beurteilt - von den 68 Bewerbern, die ihm die Promotions-Agentur vermittelte, erreichten acht tatsächlich einen Doktortitel. Vor der Urteilsverkündung heute sagte der Professor, dass es ihm leidtue und der die Taten bereue.

Die Anklage legte dem Professor auch zur Last, Studentinnen gegen sexuelle Hingabe bei der Benotung bevorzugt oder ihnen einen Uni-Job verschafft zu haben. Eine seiner früheren Studentinnen hatte vor Gericht auch zugegeben, von ihm wegen einer sexuellen Beziehung besser benotet worden zu sein. Sie war zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro verurteilt worden, die Vorwürfe spielten in den Plädoyers keine Rolle mehr.

Die Universität Hannover hat ein Disziplinarverfahren gegen den Professor eingeleitet. Seine Anwältin hofft, dass er im offenen Vollzug untergebracht wird, damit er künftig als Rechtsberater arbeiten kann.

Verfahren gegen Beratungsfirma wird abgetrennt

Vom Leiter des Instituts für Wissenschaftsberatung wurde auch ein Geständnis erwartet, aber der Geschäftsführer überraschte vergangene Woche damit, dass er bestritt, den Professor bestochen zu haben. Sein Verfahren wurde nun abgetrennt, ein Urteil wird nächste Woche erwartet.

Er hat zwar zugegeben, mit einem Hannoveraner Jura-Professor zusammengearbeitet zu haben, damit der seine Kunden gegen Geld zum Doktortitel führte. Die Verfahren seien aber korrekt abgelaufen - Bestechung sei das nicht gewesen. Auch dem Chef des Instituts in Bergisch Gladbach hatte das Gericht eine Geldstrafe von 252.000 Euro oder eine Freiheitsstrafe auf Bewährung in Aussicht gestellt, im Gegenzug für ein Geständnis.

Nach Ansicht von Prozessbeobachtern ging der Angeklagte deshalb nicht auf das Angebot der Richter ein, weil er eine Haftstrafe fürchtet. Ihm droht noch ein weiteres Verfahren: Die Kölner Staatsanwaltschaft geht gerade weiteren Korruptionsfällen nach. Vor drei Wochen durchsuchten Fahnder seine Firma und stellten umfangreiches Material sicher.

maf/AP, dpa

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